Haase gegen Viering: Das letzte Duell vor der OB-Wahl

Ein letztes Mal vor der OB-Wahl am Sonntag haben sich die Kandidaten Nino Haase und Christian Viering unseren Fragen im Merkurist-Interview gestellt.

Haase gegen Viering: Das letzte Duell vor der OB-Wahl

Vor der Mainzer Oberbürgermeister-Stichwahl am kommenden Sonntag hat Merkurist die beiden Kandidaten nochmal zu Interviews getroffen. Dabei haben wir Nino Haase (parteilos) und Christian Viering (Grüne) in separaten Gesprächen dieselben Fragen gestellt. Die Kandidaten haben uns im letzten Duell vor der OB-Wahl verraten, was ihre unpopulärste Forderung ist, welche Orte in Mainz sie hässlich finden und ob Michael Ebling (SPD) ihrer Meinung nach ein guter OB war. Die Antworten des anderen waren ihnen dabei nicht bekannt.

Was wird Ihre erste Amtshandlung sein, wenn Sie Mainzer Oberbürgermeister geworden sind?

Nino Haase: Zunächst einmal würde ich das Gespräch mit Stadtvorstand, Fraktionen und Personalrat suchen. Es gibt ein Thema, das extrem brennt: die Springerstellen in Kitas.

Christian Viering: Mich mit den Menschen in der Verwaltung austauschen, also mit dem Stadtvorstand, dem Personalrat, aber auch mit den einfachen Beschäftigten. Ich möchte ein Gefühl dafür bekommen, wie die Verwaltung tickt und was die Menschen bewegt.

Was ist das wichtigste Mainzer Thema der nächsten acht Jahre?

Haase: Dass wir wie alle anderen Großstädte im Rhein-Main-Gebiet ein ganzheitliches Stadtentwicklungskonzept aufsetzen. So könnten wir endlich alles Hand in Hand dezernatsübergreifend planen.

Viering: Die Weiterentwicklung unserer Stadt. Dass wir die Dynamik, die wir in den letzten Monaten auch mit den Biontech-Geldern aufgenommen haben, weiter fortsetzen.

Was unterscheidet Sie von Ihrem Kontrahenten?

Haase: Dass ich glaubwürdig die Themen Transparenz und Bürgerbeteiligung vertrete. Dazu habe ich von Anfang an das Thema Mensch und Personal in den Mittelpunkt gestellt. Und ich glaube, ich habe im Wahlkampf gezeigt, dass die Stadt eine selbstbewusste Stadtspitze braucht.

Viering: Ich bin kein großer Fan davon zu sagen, was wer kann und was wer nicht kann. Ich kann nur sagen, was ich mitbringe: Das sind 15 Jahre kommunalpolitische Erfahrung, im Stadtrat, im Ortsbeirat, in den Verwaltungsabläufen. Und eine langjährige Erfahrung in einem der größten Industriebetriebe der Region.

Warum sollte Ihr Kontrahent nicht als OB ins Rathaus?

Haase: Im Gegensatz zu meinem Mitbewerber habe ich es vermieden, auf die anderen Kandidatinnen und Kandidaten einzugehen – und das werde ich auch weiterhin so tun.

Viering: Nochmal: Ich bin nicht dafür da, den Menschen zu sagen, warum jemand wohin nicht kommen sollte. Ich kann nur sagen, warum ich der Richtige für dieses Amt bin. Mein Lebenslauf zeigt, dass ich mich immer als Teamplayer verstanden habe, der Menschen mit verschiedenen Sichtweisen zusammenbringt.

Was ist Ihre unpopulärste Forderung?

Haase: Die Öffnungszeiten für die Außengastronomien an den Wochenende gerne zu verlängern und generell für mehr (Nacht)leben in der Stadt einzustehen – zumindest bei manchen Leuten.

Viering: Die Forderung, über die wohl am meisten diskutiert wird, ist Tempo 30 in der Innenstadt. Da geht es um die Erhöhung der Verkehrssicherheit und um Gesundheitsvorsorge. Ich finde, das ist der richtige Weg.

Ihr schwerster Fehler im Wahlkampf?

Haase: Ein paar Ruhepausen wären nicht schlecht gewesen, vielleicht hätten es auch zwei, drei Termine weniger getan.

Viering: Das war relativ am Anfang: Wir haben eine Pressemitteilung veröffentlicht, in der wir Manuela Matz sehr hart angegangen sind. Es ging darum, dass das Ordnungsdezernat offenbar gegen Menschen vorgeht, die sich in der Nähe des Markts aufhalten und um Spenden bitten. Der Inhalt war richtig, aber der Stil der Pressemitteilung war nicht in Ordnung. Deshalb habe ich mich wenige Tage später bei ihr persönlich entschuldigt.

Dass die SPD nicht mehr den OB stellt, ist…?

Haase: …leider symptomatisch für den aktuell verloren gegangenen Bezug zur Bevölkerung.

Viering: …ist eine vollkommen neue Situation. Aber die SPD unterstützt mich jetzt in der Stichwahl und das zeigt: Wir stehen an vielen Stellen für dieselben Themen, mit denen wir die Stadt weiter voranbringen wollen.

War Michael Ebling ein guter Oberbürgermeister?

Haase: Das Amt des Oberbürgermeisters umfasst einen großen Teil der Repräsentation und auch einen großen Teil des gestaltenden politischen Willens innerhalb der Stadtpolitik und Verwaltung. Er hat gut repräsentiert.

Viering: Ja. Er hat die Stadt sehr erfolgreich und mit ruhiger Hand zehn Jahre lang geführt. Deshalb macht es mich auch stolz, dass derjenige, der am besten weiß, was es für das Amt braucht, mich für den Richtigen hält.

Wie mächtig ist der Oberbürgermeister von Mainz?

Haase: Das Amt des Oberbürgermeisters ist eine sehr mächtige Position. Was der Stadtrat beschließt, setzt er exekutiv in der Verwaltung um. Es werden also zum Beispiel neue Personalstellen geschaffen, aber die Besetzung und Ausrichtung liegt dann durchaus beim OB. Dazu gehen alle Beschlussvorlagen über seinen Tisch. Natürlich hat man durch das Amt aber auch innerhalb der städtischen Gesellschaften ein enormes Gewicht.

Viering: Das kommt darauf an, wie er das Amt ausfüllt. Er muss verstehen, dass es wichtig ist, die anderen Institutionen zusammenzubringen: Stadtrat, Ortsbeiräte, Ortsvorsteherinnen und Ortsvorsteher und selbstverständlich die Zivilgesellschaft. Wenn man da ein Team schafft, das ein gemeinsames Verständnis zur Entwicklung dieser Stadt hat, ist auch der Oberbürgermeister mächtig.

Welche sind die drei schönsten Orte in Mainz?

Haase: Das Marktfrühstück, wenn die Temperaturen nicht gerade bei 35 Grad liegen (lacht), der P-Block in der Mewa Arena und wenn man nach der Drei-Brücken-Tour wieder über die Theodor-Heuss-Brücke in die Stadt hineinläuft – also der höchste Punkt auf dem Rückweg.

Viering: Das Bruchwegstadion, weil ich da einfach so viel mit meinem Verein erlebt habe. Der Goethepark, weil es ein Treffpunkt der verschiedenen sozialen Schichten ist. Und ich gehe wahnsinnig gern mit den Hunden im Mainzer Sand und im Lennebergwald spazieren – natürlich sind die angeleint.

Und welche die drei hässlichsten?

Haase: Die Unterführung am Hauptbahnhof – schon immer ein Schandfleck – das Ortsausgangsschild auf der Theodor-Heuss-Brücke und früher war es das Inter 1.

Viering: Die Große Bleiche in ihrem jetzigen Zustand, die unbedingt aufgewertet werden sollte. Die Unterführung am Hauptbahnhof. Und ich finde es sehr gut, dass es an der Ludwigsstraße jetzt eine bauliche Aufwertung gibt.

Was macht Sie glücklich?

Haase: Wenn ich weiß, dass ich meinen Liebsten mehr Kraft als Stress schenke. Das war in den letzten Monaten manchmal etwas schwierig.

Viering: Wenn ich Zeit mit meiner Frau und meinen Hunden verbringen kann. Und wenn Mainz 05 gewinnt (lacht).

Was verletzt Sie?

Haase: Vor ein paar Jahren wäre es noch deutlich mehr gewesen, nach zwei Wahlkämpfen aber tatsächlich nicht mehr so viel. Aber: Wenn jemand mit Falschaussagen über mich Erfolg bei Personen hatte, die mir wichtig sind – also, wenn Freunde Falschaussagen über mich glauben.

Viering: Wenn ich sehe, dass Menschen nur an sich denken und nicht die Gemeinschaft im Blick haben.

Lars Reichow hat bei „Mainz bleibt Mainz“ Abgeordnete der AfD als „ungehobelte Arschlöcher“ bezeichnet. Wie fanden Sie das?

Haase: Ich erwarte von einem politischen Kabarettisten tatsächlich eine kreativere Ausdrucksweise als das, teile aber natürlich den Kern seiner Kritik.

Viering: Ich bin aufgestanden und habe applaudiert.

Die Interviews führten Ralf Keinath und Peter Kroh.

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