Fastnacht in den Mainzer Stadtteilen: Was geplant ist

Sitzungen, Rosenmontagsumzug, Straßenfastnacht: Wieder fallen in diesem Jahr die meisten Fastnachtsevents in Mainz aus. So auch in den Stadtteilen. Doch manche Vereine halten Alternativen bereit.

Fastnacht in den Mainzer Stadtteilen: Was geplant ist

Eigentlich soll es bald losgehen: Sitzungen in ausverkauften Hallen, Fastnachtsumzüge durch die Straßen und Partys danach. Traditionell starten mit Beginn der Fastnachtszeit an Altweiberdonnerstag auch die Umzüge in mehreren Mainzer Stadtteilen.

Der „Zug der Finther Lebensfreude“ ist laut des Finther Carneval Vereins (FCV) sogar der inzwischen zweitgrößte Fastnachtsumzug im Rhein-Main-Gebiet. Jedes Jahr an Fastnachtssonntag ziehen Motivwagen, Garden, Musikgruppen und Vereine durch Finthens Straßen, die Zuschauer kommen aus der ganzen Umgebung. In diesem Jahr feiert der FCV sogar 75-jähriges Jubiläum. Doch die Feier wird wohl verschoben werden müssen, denn Umzüge mussten auch in den Mainzer Stadtteilen abgesagt werden.

„Wir haben uns die Entscheidung in der Jubiläumskampagne nicht leicht gemacht und sie weit nach hinten verschoben“, erklärt Andreas Gladden, zweiter Vorsitzender des FCV, gegenüber Merkurist. Als im November die Landesverordnung verabschiedet wurde, und kurz darauf Omikron die Infektionszahlen steigen ließ, kam jedoch endgültig das „Aus für den Zug“. Bei der Entscheidung habe man sich auch an den Aussagen des Mainzer Carneval Verein (MCV) orientiert. „Die waren aber in diesem Zusammenhang lange widersprüchlich“, so Gladden.

Viele Gruppen hatten sich schon vor der Absage abgemeldet

Bevor die Absage kam, seien die Planungen „ganz normal“ gelaufen, dennoch hatten bereits einige Garden und auch private Gruppen schon abgesagt beziehungsweise sich gar nicht erst angemeldet. Die „Zwangspause“ habe der Verein genutzt, um den Komiteewagen neu zu gestalten. Weitere Fastnachtsveranstaltungen werde es in Finthen zwar nicht geben, da die Online-Formate im vergangenen Jahr nur wenig Zuspruch erfahren haben. „Wir werden unser Jubiläum aber nachfeiern“, so Gladden. Geplant seien aktuell Veranstaltungen im Sommer: Die traditionelle „akademische Feier“ sowie ein Fest für die Finther Bürger. „Die Planungen dazu beginnen gerade.“

„Für die nächste Kampagne planen wir ganz normale Fastnacht mit allem, was dazugehört. Wir sind gespannt, ob uns das vergönnt sein wird“ – Joachim Kleintitschen

Auch im kleinsten Mainzer Stadtteil Drais gibt es eigentlich jedes Jahr einen Fastnachtsumzug. Der Draiser Carneval Club (DCC) lässt es sich aber auch in diesem Jahr nicht nehmen, trotzdem einen kleinen Zug zu organisieren: „An Fastnachtsdienstag werden wir zur üblichen Zeit des Draiser Zugs um 14:11 Uhr mit einer überschaubaren Truppe den Zugweg abschreiten und hoffen auf den einen oder anderen Helau-Ruf aus Fenstern oder Türen“, verrät der erste Vorsitzende Joachim Kleintitschen. Außerdem werde eine „Abordnung“ des DCC an Rosenmontag oder Fastnachtsdienstag das Altenzentrum Maria-Königin besuchen. „Dabei werden wir um das Haus und durch den Innenhof ziehen, einige fastnachtliche Lieder spielen und singen und die Bewohner und Mitarbeiter närrisch begrüßen.“

Auch der DCC feiert in diesem Jahr Jubiläum – das 25. Das Ordensfest wurde in diesem Jahr durch eine „Ordensspazierung“ in Drais, Finthen und Lerchenberg ersetzt. Kleintitschen schaut optimistisch in die Zukunft: „Für die nächste Kampagne planen wir ganz normale Fastnacht mit allem, was dazugehört. Wir sind gespannt, ob uns das vergönnt sein wird.“

Vorfreude auf das nächste Jahr

In Bretzenheim waren drei Kostümsitzungen, Kinderfastnacht und Benefizsitzung schon fertig geplant, als Ende Oktober auch hier alles abgesagt werden musste. Mitte Dezember wurden die Umzugswagen wieder eingemottet und untergestellt. Christian Issel, Vizepräsident des CKV e.V. 1946 „Die Uffstumber“ hofft nun, auch in Bretzenheim im nächsten Jahr „nach zwei Jahren Zwangspause, endlich wieder Meenzer Fastnacht erleben und feiern zu dürfen“. Ebenso wird die IG Bretzenheimer Straßenfastnacht einen Straßenumzug am Fastnachtssonntag organisieren und veranstalten, soweit dies dann wieder möglich sein wird.

Aktuelle Veranstaltungen als „Ersatz“ für die ausgefallenen Kampagne seien jedoch in Bretzenheim nicht geplant. „Sie sind letzten Endes auch nicht verantwortbar, so lange sich die gesamte Situation nicht ändert“, so Issel.

Die Gonsenheimer sind indes begeistert von ihrem digitalen Live-Event vom vergangenen Wochenende, ein weiteres folgt am nächsten Samstag: „Wir als Verein planen nach unserem sehr erfolgreichen Live-Event, dem ‘StehungVision Song-Contest’ am 5. Februar, noch unsere Streamung – die live übertragende Sitzung am 19. Februar aus der Turnhalle in Gonsenheim“, berichtet Ewald Wohn, Geschäftsführer des Gonsenheimer Carneval-Vereins „Schnorreswackler“ 1892 e.V. Außerdem gibt es die Fernsehsitzung, doch ansonsten könnten auch hier keine weiteren Veranstaltungen durchgeführt werden. Den Fastnachtsumzug habe der Verein gar nicht erst vorbereitet, „da schon früh erkennbar war, dass dieser nicht stattfinden kann“, so Wohn. „Wir hoffen auf 2023.“

Der „Spaß uff de Gass“ muss auch in Mombach weiterhin pausieren, eine weitere Fastnachts-Hochburg in Mainz: die Erstürmung der Ortsverwaltung, der „Schissmelle-Dienstagszug“, die Sitzungen. „Wir bedauern es sehr, dennoch lässt uns die derzeitige Lage der Corona-Pandemie, die damit vorgegebenen Schutzmaßnahmen und die Welle der Omikron-Variante keine andere Wahl, als unsere Fastnachtssitzungen in der Kampagne 2022 abzusagen“, schreibt der Vorsitzende Heinz Meller auf der Webseite der „Bohnebeitel“. „Einige unserer Aktiven haben bereits viel Zeit und Energie in die Vorbereitung auf die Kampagne gesteckt und wir haben lange gehofft, dass wir die Kampagne unter bestmöglichen Umständen durchführen können.“

Gewöhnlich überträgt der SWR am Dienstag vor dem närrischen Wochenende die komplette Sitzung in seinem Hauptprogramm. Meller blickt nun optimistisch auf das nächste Jahr: „Wir hoffen alle sehr, dass wir uns bald wiedersehen und miteinander Fastnacht feiern können.“

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