Können niedrige Temperaturen Corona-Testergebnisse verfälschen?

Vor allem Teststationen in Zelten und Containern müssen genau auf die richtige Temperatur beim Lagern und Durchführen der Corona-Tests achten – sonst könnten die Testergebnisse verfälscht sein.

Können niedrige Temperaturen Corona-Testergebnisse verfälschen?

Führt man einen Corona-Schnelltest durch, soll die Temperatur 15 bis 30 Grad betragen, so steht es auf vielen Packungsbeilagen. Denn Antigentests sind temperaturempfindlich.

Doch viele Teststationen in Mainz sind in Containern oder Zelten untergebracht, getestet wird zudem oft aus dem Fenster heraus. Wie ist es so möglich, die Tests bei der angegebenen Temperatur durchzuführen? Besteht sogar das Risiko, dass die Ergebnisse falsch sein können? Das fragt sich Leser Martin in einem Snip: „Schnelltests bei 0°C statt bei Zimmertemperatur – immer nur negative Ergebnisse wegen falscher Lagerung in Testzelten?“

Lagertemperatur einhalten

Tatsächlich warnte das Deutsche Ärzteblatt bereits im Mai vor verfälschten Ergebnissen, wenn die Außentemperatur nicht stimmt: Die Aussagekraft von Coronaschnell- und -selbsttests könne relativ leicht durch hohe Temperaturen und Temperaturschwankungen beeinträchtigt werden, schrieb das Blatt. Anwender, Verkäufer und Anbieter sollten daher die im Beipackzettel vorgeschriebene Lagertem­pe­ratur unbedingt einhalten.

„Unsere Tests sind für die Lagerung von 2 bis 30 Grad zugelassen. Die Zulassung für die Durchführung liegt zwischen 10 und 20 Grad“, sagt Jonas Julino, Pressesprecher von Schnelltest Deutschland. Das Unternehmen betreibt zahlreiche Teststationen in Mainz, zwei von ihnen in Containern: am Hyatt und am Impfzentrum Hechtsheim. „Im Bestfall sollten die Tests während der Durchführung Zimmertemperatur haben.“ Laut Julino nutzt Schnelltest Deutschland einen der „genauesten und qualitativsten Tests weltweit“ mit einer LOD (Limit of Detection) von 22,5. Das heißt, dass bereits bei geringer Viruslast in einer Probe ein Test positiv ausschlägt.

Doch es gebe Richtlinien. So müsse Schnelltest Deutschland immer garantieren, dass die Test richtig gelagert werden, in dem Fall in „beheizten und trockenen Räumlichkeiten“. So seien die genutzten Container umgebaute Bürocontainer, die mit mehreren Heizungen beheizt würden. Außerdem würde das Unternehmen darauf achten, dass die Lieferanten die Temperaturvorgaben beim Transport einhalten.

Temperatur sei in Zelten nicht einzuhalten

Aus Zelten heraus würde das Unternehmen prinzipiell nicht testen, „da die Einhaltung der Temperatur während des Winters in Zelten nicht möglich ist. Außerdem entspricht ein Zelt nicht unseren hygienischen Qualitätsansprüchen“, so Julino. Besonders Tests in Zelten mit geöffneten Eingängen seien kritisch.

Er sieht es als fatal für den weiteren Pandemieverlauf an, wenn Schnelltests bei niedrigen Temperaturen durchgeführt würden: „Zu kalte Temperaturen in Teststellen in Kombination mit minderwertigen Tests würden den Sinn von Bürgertestungen nicht erfüllen.“

Zu diesem Ergebnis kam auch eine Studie von Wissenschaftlern der Charité: Sie haben verschiedene Antigentests untersucht. Unter korrekten Bedingungen seien alle sehr gut, doch bei Kälte verlieren sie an Spezifität, bei Hitze an Sensivität. Ist es zu kalt, könnte ein Test also fälschlicherweise positiv ausfallen. Dann würde sich der Getestete unbegründet Sorgen machen.

Gleichzeitig warnten die Wissenschaftler davor, die Tests für den Gebrauch zu Hause zu warm zu transportieren oder zu lagern, etwa in der Hosentasche oder in der Nähe einer Heizung. All diese Hinweise stünden zwar auf den Beipackzetteln, aber eben im Kleingedruckten. Und das sei ein Riesenproblem.

Doch es gebe eine Art Kontrolle, ob der Test unter den richtigen Voraussetzungen gelagert und durchgeführt wird: Laut Julino von Schnelltest Deutschland seien Tests bei zu kalter Durchführung oder bei zu kalter Lagerung vorher nicht mehr funktionsfähig. Demnach funktioniere der Test dann in vielen Fällen nicht ordnungsgemäß. „Falsch positive Ergebnisse sind eher unwahrscheinlich“, so Julino.

Hinweis: Die anderen angefragten Unternehmen, die in Mainz und Wiesbaden Antigen-Schnelltests durchführen, haben bis zum Zeitpunkt der Veröffentlichung nicht auf unsere Anfrage geantwortet.

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