Der Mainzer „Walk of Fame“

Kleine bronzene Sterne sind auf dem Romano-Guardini-Platz in den Fußweg eingelassen. Darauf stehen Namen von Künstlern wie Marlene Dietrich, Herbert Bonewitz und Loriot. Was hat es damit auf sich?

Der Mainzer „Walk of Fame“

Herbert Bonewitz, Dieter Hallervorden und Loriot haben einiges gemeinsam. Nicht nur, dass alle drei berühmte Kabarettisten sind - alle drei verbindet noch eine weitere Sache: Sie haben einen Stern auf dem „Walk of Fame des Kabaretts“ in Mainz. Doch woher kommen die Sterne und wer wählt die Personen aus?

„Besondere künstlerische Wirkung“

Viele sind vermutlich schon einmal an dem Romano-Guardini-Platz vorbeigelaufen. Zwischen dem Deutschen Kabarettarchiv und dem „Unterhaus“ befinden sich die kleinen Bronzetafeln, die „Sterne der Satire“. Sie sind auf dem Fußweg in den Boden eingelassen. Doch nicht nur die Namen auf den Tafeln sind etwas Besonderes - der Name der Geehrten ist jeweils in Versalien eingraviert, in der Mitte befindet sich ein Edelstahlstern mit den Unterschriften der Künstler.

Wer auf einem Stern in Mainz verewigt wird, entscheidet eine Jury. „Eine fachkundige, unabhängige Jury, bestehend aus den Initiatoren, darunter das Deutschen Kabarettarchiv, das Forum-Theater Unterhaus und die Stadt Mainz, hat 2004 80 Namen festgesetzt“, erklärt die Leiterin des Kabarettarchivs Martina Keiffenheim. Die Jury wählt die Künstler nach bestimmten Kriterien aus. Entscheidend seien die Nachhaltigkeit der künstlerischen Wirkung, der Beitrag zur Innovation beziehungsweise Fortentwicklung des Genres in künstlerischer und/oder literarischer Hinsicht, eine besondere nationale oder internationale Bedeutung und außergewöhnliche Beliebtheit. Zudem müsse der Künstler mindestens 65 Jahre alt sein.

Ziel sei es, so die Archivleiterin, mit den Sternen „an herausragende Persönlichkeiten, die als Autoren oder Interpreten des internationalen Kabaretts in besonderer Weise künstlerische Wirkung erzielt oder an der Kabarettgeschichte mitgeschrieben haben“ zu ehren. Berücksichtigt werden Künstler, die seit Gründung des ersten Kabaretts Chat Noir in Paris 1881 große Bedeutung in diesem Genre erlangt haben.

Normalerweise werden Künstler erst nach ihrem Tod mit einem Stern geehrt. „Die Künstler wurden nur dann bereits zu Lebzeiten geehrt, wenn einem Lebenswerk nachhaltige künstlerische oder literarische Bedeutung zukommt“, erklärt Keiffenheim. So war 2015 Dieter Hallervorden in Mainz, um seinen Stern auf dem Romano-Guardini-Platz entgegenzunehmen (wir berichteten).

Im Inneren mehr zu entdecken

Wer sich noch mehr für die Persönlichkeiten und die Geschichte des Kabaretts interessiert, der sollte sich im Mainzer Kabarettarchiv umsehen. Hier sind über 80.000 Namen aus der Geschichte von Kabarett und Satire verzeichnet. Auch die auf den Sternen verewigten Künstler können im Archiv genauer betrachtet werden. Zu jedem der Geehrten gibt es ein Foto mit einer kurzen Erklärung.

Ausgestellt werden zudem auch Bilder, Bücher und manche Kostüme der Künstler. Die Bibliothek wird aus Nachlässen und neuen Werken bestückt. Interessierte können sich für einen Besuch vorab auf der Internetseite des Kabarettarchivs oder telefonisch anmelden. Zudem finden hier immer wieder Veranstaltungen statt. (df/mm)

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