Alter Rettungswagen wird zum „Schorlebrummer“

In Mainz und Umgebung wird man in diesem Jahr wohl häufiger den „Schorlebrummer“ sehen. Was es damit auf sich hat, erklären die Gründer im Gespräch mit Merkurist.

Alter Rettungswagen wird zum „Schorlebrummer“

Sie sind vier Freunde und haben eine gemeinsame Leidenschaft: Wein. Und der brachte die Mainzer David (32), Jan (29), Marcel (24) und David F. (32) im Corona-Lockdown Ende 2020 auf eine Idee. Zwar haben alle vier einen Hauptjob, doch entschieden sie sich nach einigen weinseligen Abenden dazu, gemeinsam etwas „nebenher zu machen“. David erzählt gegenüber Merkurist: „Die Ursprungsidee war eine feste Gastronomie in Mainz.“

Der Plan sei auch schon sehr weit gewesen, am Ende habe nur noch eine passende Location gefehlt. „Das war in der Corona-Zeit sehr schwierig. Viele Vermieter haben gesagt, dass wir lieber noch warten sollen, aber wir wollten sofort etwas machen.“ Sogar der Name der Gastronomie stand schon fest: Weinbar Justus. „Es ist ein zeitloser Name, sehr anpassungsfähig, er klingt leicht und locker und sogar ein bisschen intellektuell“, sagt David F und lacht. Außerdem habe der Name eine Doppelbedeutung: „Just us“.

Alter Rettungswagen wird zum „Schorlebrummer“

Doch der Plan mit der festen Gastro wurde verworfen. Es musste ein Konzept her, das besser in die Corona-Situation passt. Über Ebay-Kleinanzeigen stießen die Mainzer auf einen 43 Jahre alten und ausrangierten Rettungswagen. Die Freunde bauten das Fahrzeug zu einer mobilen Weinbar um. Der „Justus Schorlebrummer“ war geboren. „Das bedeutet für uns mehr Flexibilität. Wir können ihn immer an die gültigen Hygienekonzepte anpassen und vor allem draußen ausschenken“, so David F.

Am ersten April 2021 gingen die Vier mit der mobilen Oldtimer-Weinbar offiziell an den Start. Als im Sommer wieder Veranstaltungen möglich waren, ging es dann richtig los. Bei einem Junggeselinnen-Abschied in den Weinbergen schenkten die Mainzer Wein für etwa 15 Personen aus. Dabei wollen sie nicht nur das Getränk servieren, sondern auch etwas zu seiner Geschichte erzählen, mit den Veranstaltern ins Gespräch kommen – oder auch selbst Veranstalter sein.

Jan sagt: „Mit dem Schorlebrummer ist vieles möglich. Wir können einen eigenen mobilen Weingarten aufbauen mit Deko, Sitzkissen, Stehtischen, Musik. Wenn nur Wein erwünscht ist, dann gibt es nur Wein. Möglich sind kleine Feiern wie Geburtstage bis hin zum Stand auf der Johannisnacht.“ Mittlerweile habe man viele Kontakte zu Weingütern in der Region geknüpft. „Wir besuchen die Weingüter, stellen uns vor und bekommen Hintergrundwissen über die Weine“, so David. Für beide Seiten sei die Zusammenarbeit ein Gewinn. „Winzer stehen für Regionalität und Qualität. Unser Oldtimer als Eyecatcher ist für sie eine gute Gelegenheit, ihren Wein zu präsentieren.“

„Corona plant unser Jahr“

Dass die Vier den Schorlebrummer nur nebenberuflich betreiben, sehen sie als Vorteil. „Es muss niemand von uns davon leben. Das ist auch befreiend und nimmt den Druck“, sagt David F. Deshalb verlange man keine zu hohen Preise für die Events. „Wir sprechen mit dem Kunden, fragen ihn, was er finanziell leisten kann. Beide Seiten sollen am Ende sagen: Das war es uns wert.“

Seit dem Junggeselinnen-Abschied seien schon einige Veranstaltungen hinzugekommen wie das Gründergrillen, ein Tattoo-Event im Lulu-Kaufhaus oder private Feiern und Firmenfeiern. Auch eine Glühweinveranstaltung habe es gegeben. Wenn es Corona wieder zulasse, wolle man auch auf größeren Festen präsent sein.

Doch aktuell gebe es Corona- und Jahreszeit-bedingt nur wenige Möglichkeiten, den Schorlebrummer rauszufahren. Die vier Freunde hoffen, dass sich das bald ändert. „Corona plant unser Jahr“, sagt Marcel. Und auch die Idee mit der festen Gastronomie habe man noch nicht ganz verworfen. „Vielleicht finden wir ja doch noch die passende Immobilie.“

Weitere Infos zu „Justus Mainz“ gibt es auf Instagram.

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