„Ferdinand von Schirach - Glauben“: Mainzer Landgericht Teil der Serie

Seit August laufen die Dreharbeiten für die siebenteilige Justiz-Drama-Miniserie „Ferdinand von Schirach - Glauben“. Auch das Mainzer Landgericht ist Teil der Serie.

„Ferdinand von Schirach - Glauben“: Mainzer Landgericht Teil der Serie

300 Verhandlungstage, 25 Angeklagte und ein Justiz-Skandal: Bestsellerautor Ferdinand von Schirach hat in seiner Justiz-Drama-Miniserie „Ferdinand von Schirach - Glauben“ die „Wormser Prozesse“ der 90er-Jahre in die Gegenwart transportiert. Dazu laufen seit August schon die Dreharbeiten in Berlin und Monschau (NRW) auf Hochtouren.

Die „Wormser Prozesse“ umfassen drei Strafprozesse vor dem Landgericht Mainz, in denen 25 Männer und Frauen aus der Umgebung von Worms wegen massenhaftem Kindesmissbrauchs angeklagt waren. Ihnen wurde vorgeworfen, einen gemeinschaftlichen Porno-Ring betrieben zu haben, der Videos der Kinder anfertigte und vertrieb. Nach zwei Jahren und sieben Monaten Untersuchungshaft wurden 24 der Angeklagten freigesprochen. In der Urteilsbegründung verkündete der Richter unter anderem: „Den Wormser Massenmissbrauch hat es nie gegeben. Bei allen Angeklagten, für die ein langer Leidensweg zu Ende gegangen ist, haben wir uns zu entschuldigen.“

Désirée Nosbusch spielt unter anderem mit

Das ist die Handlung der Serie: In der westdeutschen Kleinstadt Ottern diagnostiziert ein Kinderarzt bei einem Mädchen körperliche Spuren einer Vergewaltigung. Damit bringt er einen Missbrauchsprozess ins Rollen. Kurz nach der Aufnahme der Ermittlungen durch Hauptkommissarin Laubach (Désirée Nosbusch) wird in den Sozialen Medien bereits die Forderung nach der Wiedereinführung der Todesstrafe für Kinderschänder laut. Staatsanwalt Cordelis (Sebastian Urzendowsky) erhebt in drei Prozessen Anklage gegen 26 Bewohner der Kleinstadt.

Die Männer und Frauen werden beschuldigt, einen Kinderpornografie-Ring betrieben zu haben. Peter Kurth spielt den alkoholkranken Strafverteidiger Schlesinger. Er soll im Auftrag der kriminellen Geldeintreiberin Azra (Narges Rashidi) einen der Angeklagten im dritten Prozess vertreten. Dabei kämpft Schlesinger nicht nur für seinen Mandanten, sondern unter anderem auch gegen Falschaussagen und suggestive Befragungsmethoden. Am Ende findet er dann heraus: Das Verbrechen, das seinem Mandanten vorgeworfen wird, hat es nie gegeben.

„’Glauben’ ist ein Format über unsere Zeit, über die Welt, in der wir heute leben. Es erzählt die Geschichte eines allgemeinen Versagens der Gesellschaft.“ - Ferdinand von Schirach, Autor

Über das Projekt und den Fall sagt von Schirach: Das Wesentliche dieser Verfahren wäre das Versagen aller gesellschaftlichen und rechtlichen Institutionen, der Presse und der Öffentlichkeit. Die allgemeine Empörung, der ungebremste Hass und die furchtbare Hysterie damals sei den heutigen gesellschaftlichen Zuständen sehr ähnlich. „Es lag für mich nahe, aus den Wormser Missbrauchsprozessen eine Serie zu machen, die in der Gegenwart spielt und alle neuen Elemente aufnimmt, mit denen wir heute leben müssen. ‘Glauben ist ein Format über unsere Zeit, über die Welt, in der wir heute leben. Es erzählt die Geschichte eines allgemeinen Versagens der Gesellschaft.“

Bis Ende Oktober 2020 werden insgesamt sieben Folgen à 30 Minuten der Justiz-Drama-Miniserie „Ferdinand von Schirach - Glauben“ gedreht. Mit der Serie feiert der heutige Schriftsteller Ferdinand von Schirach eine besondere Premiere. Zum ersten Mal verfasst er ein Drehbuch als alleiniger Autor. Geplant ist die Ausstrahlung zuerst auf TVNOW und später bei Vox. (df)

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