Ist der Preis für Federweißer in diesem Jahr wirklich gestiegen?

Einigen Merkurist-Lesern ist aufgefallen, dass der Preis für Federweißer stark variiert. Wir haben mit den Mainzer Winzern gesprochen, was es damit auf sich hat und wie die anhaltende Trockenheit die Weine beeinflusst.

Ist der Preis für Federweißer in diesem Jahr wirklich gestiegen?

Die Weinlese ist in vollem Gange und stimmt die Region auf die kälteren Monate ein. Jedes Jahr im September ist es zudem der Federweißer, den viele Rheinhessen gerne mit einem warmen Stück Zwiebelkuchen genießen. Auch der Rote Rauscher ist beliebt und wie der Federweißer meist sehr preisgünstig. Die unfertigen Weine werden aktuell mit ungefähr fünf Volumenprozent Alkoholgehalt verkauft und gären in der Flasche bis auf elf Prozent weiter.

Federweißer-Spots in Mainz

Federweißen gibt es in Mainz am Höfchen und am Schillerplatz zum Verzehr vor Ort sowie zum Mitnehmen. Wer dienstags, freitags oder samstags auf dem Markt ist, kann auch dort Federweißen kaufen. Auch vor größeren Supermärkten finden sich in der gesamten Region Stände mit jungem Wein. Die Preise für eine Flasche variieren zwischen 3,80 und 4,50 Euro.

Merkurist-Leser „Mainzer Ton“ hat beobachtet, dass die Flaschenpreise seit 2019 stark gestiegen seien. Daraufhin entfachte eine Diskussion und man spekulierte im Snip, dass die Winzer den Lockdown-bedingten Umsatzausfall durch höhere Preise aufholen möchten.

Wie das Deutsche Weininstitut in seinem Marktbericht vermeldete, blieb der Weinkonsum trotz der Pandemie in Deutschland stabil. Zwar fehlten bedingt durch den Lockdown die Hoffeste und Einnahmen aus der Gastronomie, doch wurden diese durch den heimischen Weingenuss kompensiert.

Preis am Stand höher

Auf Anfrage von Merkurist meldete sich die Bodenheimer Winzerin Helga May, die einen Federweißer-Stand am Höfchen betreibt. Die Preise für den Federweißen und den Zwiebelkuchen haben sich an ihrem Stand in diesem Jahr nicht verändert. Auch Sigrid Lemb-Becker, die Vorsitzende der Mainzer Winzer bestätigt, dass es in diesem Jahr keine Preiserhöhung gegeben hat. Wer den Federweißen jedoch vor Ort trinkt, zahlt pro Flasche in etwa einen Euro mehr. Des Weiteren leiden die Winzer unter dem Marktgeschehen, wie Helga May erzählt. „Da wir an den Markttagen erst ab 14 Uhr Becher und warmen Zwiebelkuchen verkaufen dürfen, haben wir 25 bis 30 Prozent Einkommensverlust.“

Teurere Weine im nächsten Jahr?

Aktuell ist die Weinlese bei den meisten Mainzer Winzern in der zweiten Hälfte angekommen. Die hochsommerliche Hitze des Altweibersommers hat den Reben zu schaffen gemacht, wie Sigrid Lemb-Becker berichtet. Doch auch im Jahr 2020 erwarten die Mainzer Winzer trotz der langen Trockenheit einen sehr guten Weinjahrgang. Die letzten drei Jahre begünstigten durch ihre Wärme besonders gehaltvolle und qualitativ hochwertige Weine. Einzig den jung gepflanzten Rebstöcken fehle das Wasser extrem, so die Vorsitzende der Mainzer Winzer.

„Inwieweit sich der Preis im nächsten Jahr verändern wird, hängt von vielen Faktoren ab und kann jetzt nicht beantwortet werden.“ - Helga May

Ob diese Rebstöcke durch den trockenen Sommer geschädigt sind, wird man, wenn überhaupt, erst im nächsten Jahr sehen. Dass Weine aus dem Jahr 2020 also teurer werden könnten, ist laut Helga May noch nicht absehbar. Darüber hinaus sind die Umstände gebietsweise sehr unterschiedlich. Die Winzerin aus Bodenheim ist mit der bisherigen Ernte zufrieden, rechnet aber beispielsweise bei den Rieslingen mit einem geringeren Ertrag.

Regen wünscht man sich bei den Mainzer Winzern während der händischen Weinlese zwar nicht. „Auf lange Sicht muss es aber irgendwann regnen, um größere Schäden zu verhindern“, wie Sigrid Lemb-Becker abschließend hinzufügt. (df)

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