Kommen die Studierenden zum Wintersemester zurück nach Mainz?

An der Universität soll zum Wintersemester wieder Präsenz zur Pflicht werden. Was plant die Uni-Leitung? Müssen alle Studierenden nun tatsächlich nach Mainz ziehen? Wir haben mit dem Vizepräsidenten Prof. Dr. Stephan Jolie gesprochen.

Kommen die Studierenden zum Wintersemester zurück nach Mainz?

Die Inzidenzzahlen sind niedrig, die Impfquote steigt. Dennoch wurden die Veranstaltungen des Sommersemesters „weitgehend digital zu Ende geführt“, wie der Präsident der Johannes Gutenberg-Universität Prof. Georg Krausch in einer Ansprache kürzlich sagte. Mit Ausnahme von Veranstaltungen mit praktischem Anteil (beispielsweise im Labor, im Sport, Musik und Kunst) wurden also sowohl Vorlesungen als auch Seminare digital durchgeführt.

Der Grund: „Zum einen sind die Abstandsregeln nach wie vor in Kraft, die einer Rückkehr zur Präsenz nach wie vor entgegenstehen“, so Krausch. Zum anderen seien noch nicht alle vollständig geimpft. Zudem hätten viele der Studierende noch keine Wohnung in Mainz.

Nun hofft Krausch, „dass wir im kommenden Wintersemester endlich wieder zu Präsenz auf dem Campus zurückkehren können.“ Vor-Ort-Veranstaltungen sollen also wieder zum „Regelfall des Miteinanders“ werden. Ob dies gelinge, hänge vor allem davon ab, wie verantwortungsvoll mit den derzeitigen Lockerungen umgegangen wird. Viele Praktika des Wintersemesters haben bereits im August begonnen, damit die Gruppen möglichst klein gehalten werden können.

Mindestgröße statt Abstandregelung

Doch dazu muss eine Bedingung erfüllt sein: „So lange das Abstandsgebot gilt, müssen wir die Veranstaltungen weiterhin zum größten Teil online durchführen“, erklärt der Vizepräsident der JGU, Prof. Dr. Stephan Jolie, im Gespräch mit Merkurist. Denn anders als in Schulen müssen sich die Mitglieder von Hochschulen derzeit noch an den Mindestabstand halten. Stattdessen, so fordern es die Hochschulen von der Politik, sollten die Veranstaltungen auf eine maximale Größe festgelegt werden, wie etwa bei Kultur- oder Sportveranstaltungen. „Der weit überwiegende Teil unserer rund 7000 Lehrveranstaltungen findet in Gruppen statt, die nicht größer sind als eine Schulklasse“, so Krausch in seiner Ansprache. Sollte die Abstandsregelung weiterhin auch für Hochschulen gelten, fehlten geeignete Räumlichkeiten.

„Wir haben jeden einzelnen Raum ausgemessen und die entsprechenden Kapazitäten berechnet“, berichtet Jolie. Große Vorlesungen, etwa im ReWi, dem Gebäude der Rechts- und Wirtschaftswissenschaften, wären nur mit einem Bruchteil der Teilnehmer möglich. „Statt mit 1200 Studierenden wäre die Vorlesung schon mit 120 Leuten voll besetzt“, sagt Jolie. Viele der großen Hörsäle seien mit guten Belüftungssystemen ausgestattet, im vor acht Jahren fertiggestellte Georg Forster-Gebäude würde die Luft sogar viermal pro Stunde ausgetauscht.

Seminare in Präsenz

„Im Unterschied zu Schulen, in denen immer dieselben Gruppen zusammen sind, ändert sich bei uns die Gruppenzusammensetzung im 90-Minuten-Takt“, sagt Jolie. Um dennoch alle in den Veranstaltungen anwesenden Menschen erfassen zu können, verfügt die JGU-App bereits seit Oktober 2020 über ein Tool zur Kontakterfassung. Ähnlich wie bei der Luca-App hält jeder, der einen Raum betritt, sein Handy an einen QR-Code an der Eingangstür und ist somit registriert.

Vor allem komme es darauf an, dass Seminare in Kleingruppen wieder vor Ort stattfinden können, so Jolie. Präsenz sei unabdingbar, digitale Lehre solle eine Ergänzung sein. „Wissensvermittlung und tiefes Verstehen funktionieren nur, wenn auch Informelles mit aufgenommen wird, wenn ein Austausch möglich ist, wenn Lernende und Lehrende gemeinsam komplexe Sachverhalte reflektieren können.“

Alle Studierenden sollten sich also nun eine Wohnung in Mainz oder in der Umgebung suchen, um bei den Präsenz-Veranstaltungen anwesend sein zu können. „Die Beteiligung an Präsenzangeboten ist in der Regel Voraussetzung für einen Studienfortschritt“, heißt es von Seiten der JGU.

Auch der Senat schrieb in einer Erklärung vom 9. Juli: „Wir werden tun, was möglich ist, damit Studierende das Wintersemester in Präsenz erleben können. Um das möglich zu machen, kann jede und jeder Einzelne einen Beitrag leisten: Wir appellieren nachdrücklich, die Impfangebote wahrzunehmen.“

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