Kritik am Fahrplan: Das sagt der MVG-Chef

Gut oder doch nicht? Die Meinungen zum neuen Fahrplan der Mainzer Verkehrsgesellschaft gehen auseinander. Wir haben Geschäftsführer Jochen Erlhof getroffen und ihm Fragen und Meinungen der Merkurist-Leser vorgelegt. Was sagt er dazu?

Kritik am Fahrplan: Das sagt der MVG-Chef

Vor rund einem Monat führte die Mainzer Verkehrsgesellschaft (MVG) einen neuen Fahrplan für Busse und Bahnen in Mainz ein. Was hat sich für die Fahrgäste verbessert, was verschlechtert? Diese Frage hat sich auch ein Merkurist-Leser in seinem Snip „Wie zufrieden sind die Mainzer Bürger mit den Fahrplanänderungen?“ gestellt. Die Meinungen der Leser haben wir MVG-Geschäftsführer Jochen Erlhof vorgelegt.

Erlhof sagt: „Die letzte gründliche Neustrukturierung des Fahrplans war im Jahr 2000. Seitdem haben wir über 30 Prozent Fahrgastzuwachs und immer nachgebessert und erweitert. Irgendwann muss man das ganze System wieder auf den Prüfstand stellen und neu ausrichten.“ Doch was sagt er zu den Meinungen, Anregungen und Fragen der Merkurist-Leser?

Erlhof: „In der Nutzen-Kosten-Untersuchung, die Grundlage des Projekts Mainzelbahn war, fuhr die letzte Bahn sogar schon um 0:10 Uhr, also 20 Minuten früher. Unsere Fahrgasterhebungen zeigen, dass in der letzten Straßenbahn in Richtung Lerchenberg im Durchschnitt ab Marienborn nur noch eine Person mitfuhr. Diese letzte Straßenbahn lohnte sich noch vom Hauptbahnhof bis zur Uni und den Studentenwohnheimen – hier haben wir aber auch Alternativen geschaffen. Aber ab Bretzenheim wurde es dünn.

An Freitagen oder Samstagen sah es natürlich eklatant anders aus, dem haben wir aber mit dem neuen Fahrplan Rechnung getragen. Wir haben den Nachtverkehr insgesamt verstärkt und Leistungen umgeschichtet. Von den Werktagen, an denen es wirklich sehr dünn wurde, auf die Nächte am Wochenende, in denen über 5000 Fahrgästen im Vergleich zu etwa 1300 unterwegs sind.“

Erlhof: „Das ist schlicht und ergreifend falsch. Wir haben das Angebot ausgebaut, mehr Fahrzeuge im Einsatz, mehr Fahrer im Einsatz. In der Spitzenstunde werktags sind vier Busse mehr im Einsatz als vor dem Fahrplanwechsel. Vorher waren es 137 und nun 141. Bei den Straßenbahnen ist es mit 34 Fahrzeugen gleichgeblieben. Vor allem haben wir Verstärkungen in Bereichen vorgenommen, in denen wir gesehen haben, dass dies nötig war. Insbesondere am Samstag haben wir das Angebot deutlich ausgebaut, hier ist heutzutage mehr Nachfrage da.

Auch in den Ferien haben wir nun mehr Fahrten angesetzt. Schüler und Studenten sind wichtige Kundengruppen, aber die Zahl der Berufstätigen und anderer, die den ÖPNV nutzen, hat deutlich zugenommen. In den Sommerferien hatten wir früher 83 Busse im Einsatz, nun fahren wir mit 112. Das wurde zusammen mit einem Gutachter und nach einer Analyse und Diskussion der Fahrgastzahlen so umgesetzt.“

Erlhof: „Wir haben für die Menschen, die schon lange in der Mombacher Straße wohnen, endlich ein vernünftiges ÖPNV-Angebot. Das war viele Jahre Thema bei uns. Wenn man sieht, was dort städtebaulich in den letzten Jahren passiert ist - Studentenwohnheime, Hotels, neue Arbeitsplätze -, mussten wir hier etwas tun.“

Erlhof: „Stimmt nicht, hier fährt zum Beispiel die Linie 74. Abgesehen davon gab es vor der Linie 74 überhaupt keine Direktverbindung auf dieser Linie. Man kann aber immer von Bretzenheim zum Pariser Tor fahren, und dann mit der Straßenbahn weiter nach Hechtsheim.“

Am Donnerstag gab die Mainzer Mobilität bekannt, dass es erste Anpassungen am neuen Fahrplan gibt. (rk/df)

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