„Hunger Games für einen Sitzplatz in der Bib“: Hitze und Klausurenphase sorgen für Ansturm

Viele Studierende kämpfen derzeit um die wenigen klimatisierten Arbeitsplätze in den Bibliotheken der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz. Warum sind nicht noch mehr Bibliotheken mit Klimaanlagen ausgestattet?

„Hunger Games für einen Sitzplatz in der Bib“: Hitze und Klausurenphase sorgen für Ansturm

Dutzende Menschen drängen sich durch die gerade geöffneten Türen. Es wirkt in einem Instagram-Video beinahe wie der Ansturm auf ein Geschäft mit historischen Sonderangeboten. Tatsächlich konkurrieren die Wartenden jedoch um einen Arbeitsplatz in einer Bibliothek der Johannes Gutenberg-Universität (JGU). Hochgeladen hat das Reel der Medizinstudent Paul-Ari Adebiyi. „Hunger Games für einen Sitzplatz in der Bib“, schreibt er zu dem Kurzvideo, das mehr als 70.000 Mal aufgerufen wurde.

Wer in den vergangenen Tagen einen Lernplatz ergattern wollte, musste spätestens zur Öffnung um 10 Uhr vor Ort sein, berichtet der 22-Jährige im Gespräch mit Merkurist. „Heute Morgen war ich eine halbe Stunde später in der Medizin-Bibliothek an der Uniklinik – da habe ich gar keinen Platz mehr bekommen.“ Denn dort gebe es vergleichsweise wenige Arbeitsplätze. Teilweise säßen drei Studierende an einem Zweiertisch oder sie müssten auf freie Seminarräume oder die Mensa ausweichen.

Noch größer sei der Andrang in den klimatisierten Bibliotheken – insbesondere in der Bereichsbibliothek Theologie sowie im Georg-Forster-Gebäude. In der Theologie-Bibliothek entstand auch in der vergangenen Woche das Video. Nach Angaben Adebiyis kommt es dort regelmäßig vor, dass Studierende keinen Platz mehr finden. Besonders problematisch sei das für Theologiestudierende. So kommentiert eine Nutzerin unter dem Video: „Wir Theologen können die Bücher zum Großteil nicht ausleihen und nur vor Ort benutzen und kriegen keinen Platz mehr.“ Die wenigen Plätze in der Medizin-Bibliothek reichen jedoch kaum für die etwa 3600 Studierenden in diesem Fach.

Klimatisierte Bibliotheken besonders gefragt

Die Johannes Gutenberg-Universität bestätigt, dass in den Sommermonaten die klimatisierten Bibliotheken besonders beliebt sind. Werden deshalb künftig weitere Bibliotheken – allen voran die Zentralbibliothek – mit Klimaanlagen ausgestattet? Dazu teilt die Pressestelle der JGU auf Anfrage mit, dass sich die Bestandsgebäude aufgrund ihrer baulichen Gegebenheiten „nur sukzessive und langfristig den sich wandelnden klimatischen Gegebenheiten anpassen“ ließen. Einen konkreten Zeitplan für weitere Klimaanlagen nennt die Universität nicht.

Man sei jedoch bemüht, Studierenden auch an heißen Tagen ein gutes Arbeitsumfeld zu bieten. „Hierzu wurden unter anderem auf den Freiflächen des Campus neue Arbeitsplätze geschaffen, die in den Sommermonaten genutzt werden können“, heißt es.

Nach Angaben der Universität haben sich Bibliotheken in den vergangenen Jahrzehnten zunehmend zu Lern-, Arbeits- und Aufenthaltsorten entwickelt. Entsprechend seien auch die Besucherzahlen gestiegen. Im vergangenen Jahr verzeichneten die Mainzer Universitätsbibliotheken rund 2,5 Millionen Besuche – durchschnittlich etwa 7000 pro Tag. Dem stehen knapp 3500 Arbeitsplätze gegenüber. Gerade während der Klausurenphase und bei hohen Temperaturen scheint das in einigen Bibliotheken jedoch nicht auszureichen. Somit dürfte der Kampf um einen Bibliotheksplatz an heißen Sommertagen für viele Studierende weiter zu den inoffiziellen Prüfungen der Klausurenphase gehören.