Energiekrise: Wird die Mainzer Uni wieder den Betrieb einschränken?

15 Prozent Energie soll eingespart werden – so die Forderung von Bund und Land. Einige Universitäten meldeten bereits, Öffnungszeiten einzuschränken und Räume zeitweise zu schließen. Was plant die Mainzer Uni? Wir haben nachgefragt.

Energiekrise: Wird die Mainzer Uni wieder den Betrieb einschränken?

Die Stadt Mainz will die Heiztemperatur in öffentlichen Gebäuden absenken, Schwimmbäder regulieren die Wassertemperatur in den Becken nach unten. Nun wollen sogar manche Universitäten zumindest zeitweise schließen, um Energie zu sparen. Denn Labore, Bibliotheken, Hörsäle und Mensen verbrauchen sehr viel Energie. Und Bundes- und Landesregierung fordern, den Energieverbrauch um 15 Prozent zu reduzieren.

Auch an der Mainzer Johannes Gutenberg-Universität (JGU) soll Energie eingespart werden – jedoch „ohne den Lehr- und Forschungsbetrieb der JGU nachhaltig zu gefährden“, teilt der Universitätspräsident Prof. Dr. Georg Krausch auf Anfrage von Merkurist mit. Zum Start des Wintersemesters sollen nun weder der Lehrbetrieb durch Gebäudeschließungen eingeschränkt noch Lehrveranstaltungen abgesagt oder auf ausschließliche Online-Lehre umgestellt werden. „Eine (temporäre) Schließung der Universität wird derzeit nicht in Erwägung gezogen“, stellt Krausch klar. „Die Studierenden haben in den letzten Jahren coronabedingt mit teilweise deutlichen Einschränkungen im Lehrbetrieb leben müssen.“

Keine Umstellung auf digitale Lehre

„Potenzielle Einsparungen durch eine teilweise oder gänzliche Umstellung auf digitale Lehre bei (temporärer) Schließung der Universität fallen kaum ins Gewicht“, so Krausch. Sie seien auch nicht in jedem Gebäuden zu realisieren, da oft wegen der der technischen Infrastruktur größere Einschränkungen in Lüftung und Klimatisierung nicht möglich seien.

Geplant sei nun lediglich, die Raumtemperatur auf 19 Grad abzusenken, in den Laboren und Hörsälen soll zudem geprüft werden, inwieweit die Lüftungen abgesenkt werden können, wenn Räume nicht genutzt werden. Auch die Warmwasserversorgung soll eingeschränkt werden, wo es technisch und funktional möglich ist. In „enger Abstimmung mit den Nutzern“ könne zudem der Betrieb wissenschaftlicher Großgeräte eingeschränkt werden. „Dazu kommt, dass wir auf die individuelle Bereitschaft aller Universitätsmitglieder setzen, durch entsprechendes Verhalten zur Energieeinsparung beizutragen“, so Krausch. Dazu würde demnächst entsprechendes Infomaterial erstellt.

Ob und inwiefern die Öffnungszeiten von Gebäuden und Bibliotheken eingeschränkt werden, haben das Präsidium der JGU und das Dezernat Bau- und Liegenschaftsmanagement noch nicht final entschieden. Der Betrieb der Mensa liege zwar nicht in der Verantwortung der JGU, so Krausch, doch seien Einschränkungen auch hier nicht zu erwarten, da ja der Präsenzbetrieb weiter aufrechterhalten werde.

PV-Anlagen bei Neubauten

Ein „Energiecontrolling“ gebe es schon seit vielen Jahren, so Krausch. Gemeinsam mit dem Landesbetrieb Liegenschafts- und Baubetreuung (LBB) habe man Energiesparkonzepte entwickelt, wie bei Sanierungen und Neubauten energiesparendere Technik eingesetzt werden kann. „Auf diese Weise wurde der Heizenergieverbrauch seit 2010 um immerhin 22 Prozent reduziert und der Stromverbrauch konnte nahezu konstant gehalten.“

Zusätzlich dazu wurde nun eine Potenzialanalyse erstellt. So soll bewertet werden, welche Maßnahmen zu einer zusätzlichen kurzfristigen Energieeinsparung führen können. Nutzungseinschränkungen und damit mögliche Einsparungen würden derzeit in den Fachbereichen geprüft, bei denen besonders viel Energie benötigt würde, etwa für Lüftung und Klimatisierung von Laboren sowie den Betrieb von wissenschaftlichen Großgeräten. Darunter zählen der Elektronenbeschleuniger MAMI und die Höchstleistungsrechner MOGON I und MOGON II.

Bei Neubauten soll zudem geprüft werden, Photovoltaikanlagen (PV) auf den Dächern aufzustellen. Aufgrund des baulichen Zustands der meisten Bestandsbauten auf dem Campus und der umfangreichen Lüftungstechnik auf den Dächern sei dies bisher nur auf wenigen Häusern möglich gewesen. So sollen künftig der neue Mainzer Universitätsfonds und das Stiftungshaus am Pfeifferweg mit PV-Anlagen ausgestattet werden. Zudem sei bereits 95 Prozent der Beleuchtung im Außenbereich mit LED ausgestattet. Die Räume der JGU seien schon aus Kostengründen grundsätzlich nicht klimatisiert.

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