„Andau“-Chefin: „Das entscheiden Leute, die noch nie in einer Kneipe waren“

Schließt sie oder schließt sie nicht? Ein Facebook-Post der Kultkneipe „Zur Andau“ sorgte am Mittwoch für Verwirrung. Wir haben mit Chefin Janine Geibel-Emden gesprochen.

„Andau“-Chefin: „Das entscheiden Leute, die noch nie in einer Kneipe waren“

So ein „Medienspektakel“ hatte Janine Geibel-Emden nicht erwartet. Am Mittwochmittag verkündete sie in einem Facebook-Post die Schließung der Kultkneipe „Zur Andau“, die sie zusammen mit ihrem Mann Burkhard seit vielen Jahren betreibt. „Liebe Andau-Gäste, Bierliebhaber und Freunde eines guten Tropfens! Die Kultkneipe ‘Zur Andau’ wird wegen der zahlreichen Corona-Maßregeln schließen müssen“, hieß es in dem Post. „Lasst uns noch einen gemeinsam heben...ein letztes Glas im Stehen.“

Mehrere Medien berichteten über die Schließung, darunter Merkurist; im Internet starteten Fans der „Andau“ sogar schon eine Spendenaktion, um die Kultkneipe zu retten. Dann war die Verwirrung komplett: Schließt die Kneipe doch nicht dauerhaft? Der Mainzer Oberbürgermeister Michael Ebling gab ein Video-Statement zur aktuellen Lage ab: „Es war beruhigend, jetzt aus Burkhards Mund zu hören: Nein, wir machen nicht für immer zu. Wir machen jetzt zu, weil wir unter den Bedingungen nicht arbeiten können.“

Diese „Bedingungen“ – sie sind es auch, die Janine Geibel-Emden so wütend machen. „Es wird von vorne bis hinten alles reglementiert. Diese Auflagen sind für uns nicht machbar“, sagt sie gegenüber Merkurist. Als wir sie treffen, hat sich gerade eine große Menschenmenge vor der „Andau“ versammelt. Der „Abverkauf“ der Getränke hat begonnen, viele Gäste wollen ihre Solidarität mit dem Betreibern zeigen.

„Wohin soll das alles führen?“

Seit dem heutigen Mittwoch ist es Lokalen wieder erlaubt, Gäste zu empfangen. Doch das klingt zunächst besser, als es für viele Gastronomen tatsächlich ist. Janine Geibel-Emden sagt: „Gestern war ein wirklich netter Mann vom Ordnungsamt da. Der sagte uns dann: Wir dürfen die Hochstühle nicht verwenden – und auch nicht die Plexiglas-Trennwände. Die hat mein Mann vier Wochen lang selbst gebaut – alles umsonst.“ Auch die anderen Regeln seien für Gastronomen eine Zumutung. So können die Gäste etwa auch nicht am runden Tresen sitzen, dem Herzstück der Kneipe. Mit dem Facebook-Post habe sie ihrem Unmut Ausdruck verleihen wollen, so Geibel-Emden. „Wohin soll das alles führen?“

Die Corona-Maßnahmen seien von Leuten geschrieben worden, die vermutlich „selbst noch nie in einer Kneipe waren“. Dem Bürger werde nichts erklärt, nur Regeln vorgesetzt. „Und uns Gastronomen macht man eine vage Hoffnung auf Lockerungen. Aber das, was wir hier jetzt machen müssen, erinnert teilweise an eine Sperrzone. Das hat alles nichts mit dem zu tun, wofür eine Kneipe steht: Kultur, Frohsinn, Zusammensein.“

Schließt sie oder schließt sie nicht?

Den großen Andrang vor der Kneipe sieht Geibel-Emden mit gemischten Gefühlen. „Der Zuspruch ist zwar toll, aber man soll das auch nicht falsch verstehen: Der Facebook-Post war kein Aufruf zum Protest.“ Die Spendenaktion der Stammgäste sieht sie eher kritisch. „Das ist zwar eine tolle Geste. Aber es sind nicht die Gäste, die uns retten sollen, sondern die Politik.“

Laut „Allgemeiner Zeitung“ könnte jetzt zumindest Bewegung in die Sache kommen: OB Ebling habe seine Hilfe angekündigt. Demnach sollen städtische Parkplätze neben der Kneipe frei werden für die Außenbewirtung der „Andau“. Auch die Plexiglas-Trennwände seien mittlerweile genehmigt worden, ebenso die Hochstühle.

Ist damit eine dauerhafte Schließung vom Tisch? Janine Geibel-Emden sagt: „Ich weiß es nicht.“ Der Abverkauf gehe erst einmal weiter – danach treffe man eine Entscheidung. (df)

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