Aus für Weinstube „Zum Bacchus“

An Fastnacht öffnete die Weinstube „Zum Bacchus“ in der Mainzer Altstadt zum letzten Mal. Doch die Suche nach einem Nachfolger hat bereits begonnen.

Aus für Weinstube „Zum Bacchus“

Hassan Ait Bouhou (53) zeigt auf ein Loch in der Deckenverkleidung seiner Weinstube „Zum Bacchus“. Schon 2017 habe er es dem Eigentümer gemeldet, seitdem sei nichts passiert. „Es gibt weitere Beispiele, die Leuchtreklame am Eingang funktioniert schon seit 2012 nicht.“ Damals hatten er und sein Partner Ramsey Heinicke die Weinstube übernommen. Jetzt wollen sie das Bacchus in der Jakobsbergstraße abgeben.

Ihr Vorwurf: Der Eigentümer kümmere sich nicht genügend um die Instandhaltung der Räume. „Wir hätten alles sogar aus eigener Tasche bezahlt, doch auch das wollte er nicht. Weil es ein Eingriff in die Bausubstanz sei“, sagt Ait Bouhou. Er und Heinicke haben das „Bacchus“ mittlerweile geschlossen, nachdem es über Fastnacht noch ein letztes Mal geöffnet hatte.

„Es bestehen keine Baumängel“

Der Verpächter der Weinstube Bacchus ist Stefan Michel. Eigentümer ist er nicht. Zum Schaden an der Decke sagt Michel gegenüber Merkurist: „Es gibt einen Mangel im Verputz der hölzernen Raumdecke, der durch Dekoration von einem der Inhaber kaschiert wurde - im Glauben, dass der Eigentümer den Schaden behebt.“ Aber: „Es bestehen keine Baumängel.“ Er selbst könne als Verpächter nichts machen, der Eigentümer sei informiert worden, habe jedoch nicht reagiert.

Das sei auch nicht der Grund für die Schließung der Weinstube gewesen. Michel sagt: „Wir bedauern es sehr, dass die traditionelle Weinstube geschlossen ist.“ Der Betrieb sei „von einer zweiköpfigen GmbH über Jahre mit sehr viel Herz kompetent geführt“ worden. Einer der beiden Inhaber sei Ende Januar aus der Geschäftsverbindung ausgestiegen - deshalb habe die Weinstube jetzt geschlossen.

Ait Bouhou und Heinicke suchten dann einen passenden Nachfolger für den Bacchus-Betrieb und fanden schnell einige Interessenten. Einer von ihnen schied jedoch nach einem ersten längeren Gespräch aus. „Ich hatte da einfach kein gutes Gefühl“, sagt Ait Bouhou, der nebenan auch das Weinhaus Lösch führt. „Gerade als Nachbar ist es gut, wenn man auch überzeugt ist.“

Wer wird Nachfolger?

Er habe daraufhin den Verpächter Michel gebeten, Kontakt mit den anderen möglichen Nachfolgern aufzunehmen. Doch seitdem habe sich nichts mehr getan, sagt Ait Bouhou. Wer der Nachfolger wird, ist Ait Bouhou und Heinicke aber nicht egal: Denn dabei gehe es auch um eine mögliche Abstandszahlung. Sie fürchten nun, dass sie bei einem Pächterwechsel leer ausgehen könnten.

Michel sagt: „Es gab Gespräche seitens des Pächters bezüglich einiger Nachfolger, welche nicht zum Abschluss kamen.“ Es gebe derzeit noch keinen Nachpächter, Michel hoffe aber auf eine baldige Lösung. „Die Weinstube Bacchus hat einen jahrzehntelangen Kultstatus und wir freuen uns genauso wie alle Gäste, wenn Sie wieder mit Herz betrieben wird.“ Bis dahin haben in der Jakobsbergstraße erst einmal nur zwei Weinstuben geöffnet: das Weinhaus Michel und das Weinhaus Lösch. (df)

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