Ausgangssperre: Warum Mainz und Wiesbaden getrennte Wege gehen

Nächtliche Ausgangssperre und Maskenpflicht am Rheinufer - nicht mit der Stadt Wiesbaden. Während in Mainz strengere Corona-Regeln gelten, ist davon beim Nachbarn auf der anderen Rheinseite nichts zu spüren.

Ausgangssperre: Warum Mainz und Wiesbaden getrennte Wege gehen

Vor ein paar Tagen noch lagen die Inzidenzwerte sowohl in Mainz als auch in Wiesbaden konstant bei über 11o. Doch während auf der Mainzer Seite schon seit Gründonnerstag eine nächtliche Ausgangssperre (21 bis 5 Uhr) gilt, ging das Leben in Wiesbaden „normal“ weiter. Bei vielen löst dieses unterschiedliche Vorgehen der Städte im Kampf gegen das Coronavirus Kopfschütteln aus. So geht es auch Leserin Roberta. Sie fragt: „Auf der Mainzer Seite Hardcore-Lockdown und gegenüber am Biebricher Rheinufer Menschenmassen - welchen Sinn macht das?“

Unterschiedliche „Notbremsen“-Regelung

Auch wenn über den tatsächlichen Sinn der unterschiedlichen Maßnahmen bei ähnlichen Inzidenzzahlen diskutiert werden kann, bringt es User „Meenzer Bub“ schon einmal auf den Punkt: „Mainz ist in Rheinland-Pfalz und Wiesbaden ist in Hessen. Andere Stadt, anderes Bundesland, andere Regeln.“ So hatte Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) Ende März erklärt, dass in Kommunen, in denen die Inzidenz über drei Tage bei 100 liegt, die „Notbremse“ in Kraft treten solle. Damit verbunden seien dann zeitlich begrenzte Ausgangssperren sowie strengere Kontaktregeln.

Und diese strengeren Regeln setzte die Stadt Mainz schließlich durch, indem Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD) die Corona-Notbremse zog. „Ich verstecke mich nicht hinter den Beschlüssen. Ich finde sie auch richtig“, so Ebling. „Die Lage sei außerordentlich ernst, hoffnungslos sei sie allerdings nicht. In einem Interview mit Merkurist betont Ebling noch einmal: „Wenn wir nichts Drastisches unternehmen, um Kontakte zu beschränken, werden wir weiter ein exponentielles Wachstum erleben. Dann laufen wir in massive Probleme hinein, die jetzt schon zu erkennen sind. Aber ja: Ich verkenne nicht, dass eine Ausgangssperre ein erheblicher Eingriff ist. Sie ist zweifelsohne das Drastischste, was wir uns bis jetzt vorstellen können.“

Vor der Ausgangssperre hatte die Stadt Mainz im Kampf gegen das Coronavirus bereits eine Maskenpflicht am Rheinufer eingeführt - auch wenn deren Wirkung angezweifelt wird (wir berichteten). Doch während in Mainz eben eine ganze Reihe gravierender Maßnahmen eingeführt wurde, ist davon auf der anderen Rheinseite in Wiesbaden nichts zu merken.


Dort gilt weder eine Maskenpflicht am Rheinufer noch eine nächtliche Ausgangssperre. Auf Anfrage von Merkurist zu diesem komplett unterschiedlichen Vorgehen teilt die Stadt Wiesbaden mit, dass „Ausgangssperren im hessischen Eskalationskonzept erst ab einer Inzidenz von 200 vorgesehen“ sind. Entsprechend bestand und bestehe in Wiesbaden bisher keine Notwendigkeit, eine Ausgangssperre einzuführen. Etwas anders sieht es bei der Maskenpflicht am Rheinufer aus. Derzeit werde gerade geprüft, ob die Maskenpflicht auch auf das Rheinufer erweitert wird, erklärt Christian Stettler, Persönlicher Referent des Bürgermeisters der Stadt Wiesbaden.

Ob nun allerdings aufgrund der strengeren Regeln in Mainz zuletzt verstärkt Mainzer auf die Wiesbadener Rheinseite gekommen sind, um dort beispielsweise ohne Maske spazieren gehen zu können, kann jedenfalls nicht offiziell bestätigt werden. Denn bei den Kontrollen würden in der Regel keine Personalien erhoben. Somit sei eine Aussage nicht möglich, so Christian Stettler.

Übrigens: Trotz strengerer Maßnahmen hat sich die Sieben-Tage-Inzidenz in Mainz schlechter entwickelt als in Wiesbaden. Während sie in Mainz am Freitag bei 131,8 lag (wir berichteten), hat Wiesbaden eine Inzidenz von 97,7.

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