Die ungewöhnliche Bauidee, ein neues Wohngebäude um ein bestehendes Telekom-Technikhaus zu errichten, hatte in der Mainzer Neustadt Aufmerksamkeit erregt. Doch statt im vierten Quartal 2024 bezugsfertig zu sein, liegt die Baustelle seit März 2024 still. Hintergrund sind nicht nur technische Herausforderungen, sondern vor allem finanzielle Probleme und ein Eigentümerwechsel.
Stillstand seit März 2024 – Kosten und Finanzierung als Belastung
Bereits im Jahr 2024 berichtete die Presse, dass der Bau in der Sömmerringstraße 44–46 ins Stocken geraten sei. Bauherr war die Marina Residenz GmbH aus Frankfurt. Laut damaligen Aussagen lagen die Gründe in einer „Kostenexplosion“: stark gestiegenen Preisen für Baumaterial und die hohe Zinslage belasteten das Projekt erheblich und führten zu einer Unterbrechung der Arbeiten.
Offizielle Stellen wie die Stadt Mainz bestätigten zwar, dass die Baugenehmigung weiterhin gültig sei und die Stillstandsfrist noch nicht überschritten wurde, doch die wirtschaftlichen Schwierigkeiten des Investors blieben ein zentrales Thema.
Insolvenzverfahren und Käufer gefunden
Wie aus Wirtschaftskreisen bekannt wurde, war das Vorhaben intern so stark belastet, dass ein Insolvenzverfahren über die Marina Residenz GmbH eingeleitet wurde. Über den genauen Zeitpunkt des Insolvenzantrags gibt es keine öffentlich zugänglichen offizielle Zahlen, doch lässt sich aus den jüngsten Meldungen ableiten, dass sich die Situation im zweiten Halbjahr 2025 zuspitzte.
Im Rahmen dieses Verfahrens setzte der Insolvenzverwalter Dr. Jan Markus Plathner einen Investorenprozess auf, der erfolgreich abgeschlossen wurde: Mitte Dezember 2025 wurde der notarielle Kaufvertrag für das Projekt beurkundet, ein neuer Investor wurde gefunden.
Wer übernimmt – und warum jetzt?
Nach Angaben des Insolvenzverwalters konnten trotz des schwierigen Immobilienmarktes binnen weniger Monate geeignete Investoren gefunden werden. Die Übernahme erfolgte in Abstimmung mit der finanzierenden Bank, was darauf hindeutet, dass die ursprüngliche Projektfinanzierung – etwa durch Hypotheken oder andere Kredite – nicht mehr tragfähig war.
Der neue Käufer, Gemünden Molitor, setzt nun den Neubau fort. Gemünden fungiert in diesem Kontext als Projektübernehmer beziehungsweise Investor, der das Vorhaben weitermachen soll, nachdem der ursprüngliche Bauherr nicht in der Lage war, das Projekt zu Ende zu bringen. Entsprechende Schilder mit Firmenlogo sind bereits am Gebäude angebracht.
Auswirkungen für Mainz
Die Fortführung des Projekts bedeutet, dass die 60 Wohneinheiten inklusive Stellplätzen (plus eventuell zusätzliche Stellplätze) früherer Planungen nicht automatisch verloren sind – sie werden künftig als Mietwohnungen angegangen, wie angekündigt.
Politische Stimmen betonen, dass jede Fertigstellung von Wohnraum in der Neustadt ein Gewinn ist, auch wenn die ursprüngliche Planung in Eigentumswohnungen konzipiert war – insbesondere, wenn der Umbau um ein funktionierendes Telekom-Netzteil weiterhin sichergestellt werden muss.