Wincent Weiss im Merkurist-Interview

Mittlerweile begeistert er auf seinen Konzerten tausende Fans mit seiner Musik: Im Juli spielt Wincent Weiss bei „Summer in the City“ in Mainz. Wir haben mit dem Musiker über seine Songs, sein Leben und seine letzten Besuche in Mainz gesprochen.

Wincent Weiss im Merkurist-Interview

„Lass uns leben wie ein Feuerwerk, Feuerwerk, oh-oh“: Damit beginnt der Refrain des Songs „Feuerwerk“ von Musiker Wincent Weiss, mit dem er 2017 die beste Platzierung in Deutschland erreichte. In ein paar Monaten steht der 27-Jährige wieder in Mainz auf der Bühne. In einem Interview hat er uns verraten, wie es in diesem Jahr musikalisch für ihn weitergeht und was er in seinem Privatleben ändern möchte.

Merkurist: Wincent, Du verarbeitest Dein Leben in Deinen Songs. Es geht viel um Liebe und das Leben, aber auch die dunklen Seiten. Schaffst du es mit Deinen Songs, auch die negativen Seiten zu verarbeiten?

Wincent Weiss: Musik schreiben und machen ist für mich die größte Therapie, die ich machen kann. Wenn Musik mir nicht helfen würde, hätte ich gar nicht den Ansporn, immer weiter zu machen. Im Studio quatsche ich erst mal über alles was mich bewegt. Aber natürlich denkt man auch beim Einsingen und beim Aufzeichnen über die Situationen nach, über die man singt und schreibt. Es ist schon eine Art von Selbsttherapie. Auch bei Konzerten, da erzählt man die Story nochmal, nur halt vor tausend Leuten und nicht nur vor zwei.

Wie ist es für Dich, wenn Deine Fans Deine Songs auf den Konzerten mitsingen. Was löst das in Dir aus?

Es ist das schönste Gefühl für Künstler, wenn die Songs mitgesungen werden. Deswegen genieße ich das immer besonders bei dem Song „Musik sein“, wenn wir da den Part machen, wo nur die Fans singen. Die Band hört auf zu spielen und ich singe auch nicht, sondern nur die Fans. Das ist schon ein unfassbares Gefühl, dass die Fans die Musik auch so zurückgeben, weil man ja selbst auf der Bühne auch versucht, den Fans etwas zu geben. Das ist die größte Bestätigung. Einfach mega.

Warst du am Anfang deiner Karriere überrascht, wie schnell die Fans Deine Texte mitsingen konnten?

(lacht) Ja, da bin ich immer überrascht. Wenn ich Freitagabend einen Song rausbringe und spiele Samstag ein Konzert, singen das alle von vorne bis hinten mit. Wenn ich in der Schule so schnell etwas auswendig gelernt hätte, wäre das super gewesen. Echt krass, wie schnell die Leute das lernen.

Touren, Konzerte und Studio-Zeit: Wie kriegst du das mit Deiner Familie und Deinen Freunden unter einen Hut?

Ich habe das letztes Jahr alles nicht so gut unter einen Hut bekommen. Sehr viele Freundschaften und die Familie sind auf der Strecke geblieben durch die ganzen Touren, Fernsehshows und Songs, die ich gemacht hab. Deshalb arbeite ich daran gerade wieder so ein bisschen, dass ich mir mal einfach auch Wochenenden blocke. Wo ich dann einfach auch sage, ich habe jetzt wie ein normaler Mensch auch mal Samstag und Sonntag frei. Wir arbeiten jetzt daran, eine Balance reinzubekommen und Musik und Privatleben zu verbinden und dann wird es bestimmt auch wieder super.

Wie gehst du mit Heimweh oder der Sehnsucht nach deiner Familie um?

Ich habe versucht, bei Touren zum Beispiel immer Freunde mitzunehmen. Mein bester Freund aus dem Norden ist dann einfach im Tourbus fünf Tage mitgefahren. Da kann man das dann schon gut verbinden. Einfach die Leute in meinen Job miteinbeziehen.

Mit Deinen Songs wie „1993“ sprichst du vielen aus der Seele. Hast du manchmal Zweifel daran, so viel aus Deinem Privatleben mit Deinen Fans zu teilen?

Mir sagen schon viele, dass ich sehr viel aus meinem Privatleben preisgebe und bequatsche, aber ich bin für mich bis jetzt immer gut damit gefahren. Ich musste mich nie verstecken, weil ich immer einfach drauf los quatsche und viel von mir erzähle und ehrlich antworte. Das ist glaube ich auch das Authentische, was mich ausmacht: Dass ich das erzähle, was ich erzählen möchte.

Am 4. Juli spielst du bei „Summer in the City“ in Mainz. Warst du vorher schon mal bei uns oder ist es Dein erster Besuch?

Ich war schon super oft in Mainz, hab dort viele Konzerte gespielt, war in Fernsehsendungen. Auch beim ZDF-Fernsehgarten schon sieben Mal. Ich war auch schon am Rhein joggen. Mit Mainz fühle mich auch relativ verbunden und freue mich auch drauf, dort zu spielen. Ich glaube, es ist auch eine ganz coole Location, wo ich spiele. Ich freu mich richtig auf einen lauen Sommerabend - also wenn auch alles stattfindet.

Hast du ein wenig Zeit zum Erkunden oder geht es sofort auf deiner Tour weiter?

(lacht) Ich versuche das jetzt auch mehr zu planen und mit dem Motorrad anzukommen. Ich möchte mir die Stadt auch ein wenig anzuschauen und das auf jeden Fall mehr zu genießen. In den letzten Jahren habe ich gemerkt: Ich war in so vielen Städten in Deutschland, aber kenne die meisten gar nicht richtig. Das will ich ändern.

Planst du für dieses Jahr noch eine große Reise?

Das nehme ich mir immer wieder vor, aber es ist einfach noch zu viel Bock da, Musik zu machen. So ein bisschen abschalten wäre schon geil.

Du hast schon öfter in Interviews gesagt, dass Du privat lieber Metal hörst. Kommt bald der erste Metal-Song von dir?

Ich überleg’s gerade. So richtig Metal als Wincent Weiss glaube ich nicht, aber ich werde schon so zwei rockige Songs machen. Auf meiner letzten Tour haben wir schon ein rockiges Lied mit der Band gespielt und ein bisschen rumgeschrieben.

Wann können Deine Fans mit dem nächsten Album rechnen?

Ich habe geplant das Ganze erst mal zu schreiben und dann Ende des Jahres zu produzieren. Anfang nächsten Jahres will ich dann damit rauskommen. Wenn ich fertig bin und sich das richtig anfühlt, dann hau ich das Album raus.

Bist du gemeinsam mit Deiner Musik gewachsen?

Total, ja. Ich habe ja relativ spät mit der Musik angefangen und habe ja eigentlich auch keine musikalische Ausbildung. Gerade meine Band und die Leute, mit denen ich Musik machen darf, das sind studierte Jazz-Musiker. Von denen kann ich natürlich wirklich viel lernen und bin mit ihnen auch mit jedem Auftritt und jedem Song gewachsen.

Auch so einen Song wie „Regenbogen“ würde ich heute wahrscheinlich nicht mehr schreiben, weil ich einfach mittlerweile fünf Jahre älter bin und mich solche Themen einfach nicht mehr so beschäftigen wie früher. Man wächst und wächst und sollte niemals stehen bleiben. Deswegen will ich mich beim dritten Album jetzt ausprobieren und verschiedene Songs machen. Es wird auch ein bisschen düsterer sein hier und da.

Was war Dein krassester Moment auf der Bühne?

Ich bin ja schon so ein Pyro- und Adrenalin-Fan, deswegen ist das ab und zu auch schon mal ein bisschen gefährlich. Ich habe mich auf der letzten Tour im November anzünden lassen, da hatte ich so eine Feuerjacke dabei und habe dann gebrannt. Und ich dachte nur „oh Gott“, wenn mir jetzt die Haare abfackeln und alle filmen das. Ich bin schon manchmal auf so Feuerdüsen draufgetreten, wo es dann echt knapp war. Aber bis jetzt ist alles gut gegangen und hab noch keine negativen Erinnerungen, die mir im Kopf geblieben ist.

Der beste Moment auf der Bühne?

So ein Kinderlachen ist das ehrlichste was du bekommen kannst. Die Kinder sitzen bei den Konzerten auf den Schultern ihrer Eltern und strahlen mich an und freuen sich. Ich glaube, das sind die schönsten Momente.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Michelle Oesterheld. (df/mm)

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