OB Ebling: „Lage für Club-Betreiber ist ernst“

Wie kann die Stadt Club-Betreibern helfen? Gibt es auch positive Seiten an der Corona-Krise? Wie genau engagiert sich die Stadt Mainz gegen Rassismus? Teil zwei des Merkurist-Interviews mit Oberbürgermeister Michael Ebling.

OB Ebling: „Lage für Club-Betreiber ist ernst“

Oberbürgermeister Michael Ebling im Interview: Im ersten Teil unserer Gesprächs nahm der OB Stellung zu Mundschutzpflicht, Marktfrühstück und Lockerungen. In Teil 2 geht es um die Situation von Clubs, Eblings persönliche Corona-Erfahrungen und die Rassismus-Debatte.

Schwierig bleibt die Situation für Club-Betreiber. Schon vor der Corona-Krise wurde ja immer wieder über das Mainzer Nachtleben und Clubsterben diskutiert. Jetzt können die Betreiber gar nicht öffnen und haben auch erst einmal keine Öffnungsperspektive. Wie kann die Stadt ihnen helfen? Und sind Sie im Austausch mit den Betreibern?

Ja, ich bin im Austausch mit den Betreibern. Und die Lage ist hier auch wirklich ernst. Es wäre aber kontraproduktiv, wenn wir jetzt das Angebot wieder wie vor der Corona-Pandemie zulassen, wo Leute auf derart engem Raum zusammen sind. Hierbei wäre das Infektionsrisiko einfach zu hoch. Auch wenn wir jetzt sagen würden, eine Öffnung ist möglich und es müssen die Abstandsregeln eingehalten werden und wenn das nicht klappt, müssen die Leute eine Mund-Nasen-Bedeckung tragen. Dann wird wahrscheinlich kaum jemand sagen: Ja super, dafür zahl ich auch noch Eintritt.

Unter dieser Situation leiden die Betreiber und das verstehe ich auch. Ich hoffe, dass das neue Programm der Bundesregierung uns an der Stelle auch nochmal hilft, dass sie zumindest über den Sommer kommen. In der Hoffnung, dass dann eine Zeit kommt, in der man sich das wieder vorstellen kann – in welcher Form auch immer. Viele machen sich mit klugen Konzepten auch Gedanken. Und vielleicht können wir es ja doch bald wieder probieren. Der Mensch braucht auch das Tanzen im Club, wenn auch nicht jeder. Es ist nicht nur Alkoholkonsum, es ist auch einfach kultureller Ausdruck und eine Form der Geselligkeit. Deshalb gibt es nicht nur den ökonomischen Druck für die Betreiber, sondern es fehlt auch vielen Menschen.

Gibt es auch positive Seiten an der Corona-Krise?

Was ich von Anfang an beeindruckend fand, war der gesellschaftliche Zusammenhalt, wie beispielsweise die vielen Nachbarschaftshilfen. Wir haben in jedem Stadtteil zwei, drei Initiativen, die sich zum Beispiel um Ältere gekümmert haben. Andere haben Masken genäht oder die „Mainzer halten Abstand“-Schriftzüge angebracht. Die Leute wollten nicht nur zu Hause rumsitzen, sondern sie wollten helfen, etwas gestalten. Das hat nochmal Kräfte freigesetzt. In der Anfangszeit gab es auch Mails von Firmen, die uns Flächen angeboten haben für eventuelle Notkrankenhäuser. Das sind die starken Seiten einer Stadt, einer Gemeinschaft.

Und ich habe das Gefühl, dass fast alle Menschen dieser Stadt vernünftig mit der Situation umgehen. Auch jetzt gehen sie sehr gut mit der Verantwortung um, die durch die Lockerungen immer größer wird. Und ich finde, darauf müssen sich die rechtlichen Rahmenbedingungen auch einstellen. Den Leuten ist auch weiter zuzutrauen, dass sie mit der Situation gut umgehen können.

Viele Menschen mussten nicht nur mit den Einschränkungen umgehen, sondern waren auch ganz persönlich von dem Virus betroffen. Etwa, weil sie selbst erkrankt sind oder jemand aus dem Bekanntenkreis. Auch unsere Bundeskanzlerin musste ja für einige Zeit in die Quarantäne. Mussten Sie sich eigentlich auch selbst testen lassen?

Zum Glück nicht. Wir sind natürlich alle nicht davor gefeit, aber glücklicherweise habe ich diese Erfahrung nicht machen müssen. Auch in der Stadtverwaltung hatten wir natürlich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die aus dem Ausland zurückkamen und in häusliche Isolation mussten. Positive Fälle hatte ich aber im unmittelbaren Umfeld nicht.

Auch das Thema Rassismus war in den letzten Wochen sehr präsent. Ein Post von Mainz 05 wurde vergangene Woche zum Thema in sozialen Medien. Wie haben Sie das Thema Mainz 05 und Anti-Rassismus-Post verfolgt?

Es war eine superstarke Nummer von Mainz 05. Denn die Bekämpfung von Rassismus geht nur mit Haltung. Wenn etwas rassistisch ist, muss man es auch so benennen. Gerade der Fußball und auch ein Leuchtturm-Verein wie Mainz 05 haben da eine Vorbildfunktion. Und wenn der Verein merkt, da geht etwas zu weit, dann sollte er das auch sagen. Die Leute können sich ja darüber beschweren, dass das Spiel schlecht ist oder die Mannschaft sich für das viele Geld mal mehr bewegen könnte, das ist ja noch okay – aber nicht, wenn man es mit der Frage verknüpft, welche Hautfarbe ein Spieler hat oder wo er herkommt. Deshalb war das ein starkes Signal und der Verein ist seiner Vorbildfunktion gerecht geworden. Weltoffenheit und Internationalität gehören einfach zu Mainz. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat es richtig formuliert: Es reicht nicht, kein Rassist zu sein, sondern man muss Antirassist sein.

Wie genau engagiert sich die Stadt Mainz gegen Rassismus?

Vielfältig. Wir machen viel für Interkulturalität, da gibt es auch mit dem Büro für Migration und Integration einen eigenen Bereich in der Stadtverwaltung . Wir haben auch einen Beirat für Migration und Integration, der alle fünf Jahre gewählt wird und wir werden auch in diesem Jahr wieder unsere Interkulturelle Woche haben, auch wenn dabei der Höhepunkt das große Fest auf dem Marktplatz wegen Corona leider nicht stattfinden kann. In diesem Jahr findet die Interkulturelle Woche der Landeshauptstadt Mainz unter dem Motto „GeMAINZam gegen Rassismus“ statt. Es hätte im März auch eine bundesweite Tagung zu dem Thema „Wie bekämpfen wir Rassismus?“ gegeben, doch leider musste sie wegen Corona ausfallen. Darauf wären wir sehr stolz gewesen.

Vergangene Woche gab es in Mainz ja auch eine Demo gegen Rassismus. Danach gab es eine Diskussion: Es ist zwar ein wichtiges Thema, aber ist es richtig, wenn zur Zeit so viele Menschen auf die Straße gehen, teilweise ohne ausreichenden Abstand? Wie haben Sie das gesehen?

Eigentlich muss beides möglich sein. Ich fand die Demonstration sehr beeindruckend. Die Organisatoren waren am Ende glaube ich auch selbst überrascht, dass es so viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren. Die waren also nicht leichtfertig unterwegs. Die meisten Demonstranten hatten auch eine Mund-Nasen-Bedeckung. Aber es bleibt natürlich eine gewisse Unsicherheit: Ist es so korrekt oder so? Aber am Ende muss es in einer Demokratie möglich sein, zu demonstrieren. Das gilt sogar für Menschen, die dieses Recht nutzen, um gegen die Demokratie zu demonstrieren. Auch das ist ein Grundrecht. Wichtig ist aber auch: Die Abstands- und Hygieneregeln sind keine staatliche Willkür, sie gelten dem Eigenschutz und dem Schutz anderer vor der Coronavirus-Infektion.

Das Interview führten Peter Kroh und Ralf Keinath. (df)

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