Christian Baldauf: „Wir müssen über neue Schienenverbindungen nachdenken“

Bei der Landtagswahl am 14. März will Christian Baldauf (CDU) Ministerpräsident werden. Im zweiten Teil unseres Interviews erklärt er, was seine Pläne für Klimaschutz und ÖPNV sind.

Christian Baldauf: „Wir müssen über neue Schienenverbindungen nachdenken“

Perspektiven für Öffnungsschritte in der Pandemie und der bewegende Abschied von seinem Vater – darum ging es im ersten Teil unseres Interviews mit Christian Baldauf. Im zweiten Teil erklärt der CDU-Spitzenkandidat für die Landtagswahl, wie er das Klima schützen will und was ihn mit der Stadt Mainz verbindet.

Herr Baldauf, welches Thema gerät angesichts der Corona-Krise derzeit zu sehr in den Hintergrund?

Wir müssen uns um die Klimafrage kümmern. Wir haben in Rheinland-Pfalz über 80 Prozent beschädigte Bäume. Das ist ein Warnsignal. Wir müssen dringend aufforsten, den Wald erneuern und dafür sorgen, dass dieser CO2-Speicher erhalten bleibt.

Das zweite Thema ist die Bildung. Es fällt zu viel Unterricht aus. Lehrer, Eltern und Schüler werden nicht genügend unterstützt. In Rheinland-Pfalz können 19 Prozent der Kinder, die in die Grundschule kommen, nicht richtig Deutsch sprechen. Und nach der vierten Klasse gehen rund ein Drittel der Schüler von der Grundschule ab und können nicht richtig lesen und schreiben. 40 Prozent können nicht richtig rechnen. Das müssen wir dringend ändern. Lesen, Schreiben und Rechnen sind die Grundlagen für alles.

Sie haben das Thema Klima angesprochen. Dennoch landet die CDU im Klima-Wahlcheck recht weit hinten.

Diese Erhebung hat den Haken, dass die Kriterien rein subjektiv sind. Man muss immer definieren: Was versteht man unter Umwelt- und Klimaschutz? Was kann man im Land selbst verändern? Das ist zum Beispiel der Wald, das ist die Landwirtschaft. Wir sind ein weinbautreibendes Land, wir müssen stark darauf achten, dass der Weinbau auch läuft – und dass er ökologisch läuft. Wir haben bei der regenerativen Energie sogar viel bessere und weitergehende Vorschläge als die Grünen: Wir wollen Photovoltaikanlagen finanziell fördern, nicht nur die Speicher. Ich möchte Klimapolitik seriös betreiben. Ich kann sie nicht auf der ganzen Welt ändern. Aber was ich hier ändern kann, möchte ich angehen.

Die Mainzer und die Wiesbadener CDU wünschen sich ja eine weitere Rheinbrücke zwischen den beiden Städten. Sehen sie diese Notwendigkeit auch?

Ich wünsche mir zunächst einmal, dass die Brücken, die wir haben, alle intakt sind. Die Schiersteiner Brücke muss endlich fertig werden. Wir haben aber auch zu wenige Rheinbrücken: Die nächste hinter Mainz ist erst wieder bei Worms, in die andere Richtung haben wir bis Koblenz keine. An welcher Stelle eine neue Rheinbrücke stehen sollte, muss man noch prüfen. Fest steht: Rheinbrücken sind wichtig für Arbeitsplätze und Entwicklungen von Regionen. Ich glaube auch nicht, dass der Bau einer Brücke klimaschädlich wäre, wenn dadurch etwa Wege verkürzt werden. Zudem wollen wir ein modernes Mobilitätskonzept auflegen, bei dem wir Wert darauf legen, dass andere Fortbewegungsmittel als das eigene Auto genutzt werden.

Wo sehen Sie Potenzial rund um Mainz, den ÖPNV weiter auszubauen?

Sehr entscheidend ist: Wir müssen das Radwegenetz verbessern. Gerade in Mainz ist es möglich, viel mit dem Rad zu machen. Wir müssen auch über neue Schienenverbindungen nachdenken. Der Autoverkehr in den Innenstädten muss minimiert werden. Es darf keinen Durchgangsverkehr mehr geben. Wir müssen aber auch bestimmte Busverbindungen auf den Prüfstand stellen. Auch in Ballungsräumen kommt es immer wieder vor, dass in einem Bus nur eine Person sitzt: der Fahrer. Und das ist nicht sehr ökologisch.

„FPD und Grüne gar nicht so eng mit der SPD verheiratet“

Die CDU führt laut aktuellen Umfragen knapp vor der SPD und könnte damit zumindest theoretisch eine neue Regierung anführen. Aber dafür müssten Sie mindestens eine der aktuellen Regierungsparteien überzeugen. Wie wollen sie das machen?

Zunächst einmal: Ich bin Fußballer. Ich stehe auf dem Platz und will gewinnen. Wir wollen stärkste Partei werden und den Regierungsauftrag bekommen. Dann werden wir mit allen reden, die in Frage kommen. Das sind nicht die AfD und nicht die Linkspartei. Mit allen anderen wird geredet. Ich nehme sowohl bei FDP als auch bei Grünen wahr, dass sie gar nicht so eng mit der SPD verheiratet sind.

Sie kommen aus Frankenthal und wohnen auch dort, arbeiten aber schon seit vielen Jahren in Mainz. Wie würden Sie Ihr Verhältnis zur Stadt Mainz beschreiben?

Mainz ist eine liebenswerte Stadt. Es gibt auch nicht nur das eine Mainz, sondern teilweise sehr unterschiedliche Stadtteile. Ich bin hier sehr gerne. Man sitzt wunderbar am Rhein. Wir Pfälzer und die Rheinhessen sind uns sehr ähnlich, wir können miteinander. Ich fühle mich hier sehr wohl.

Sie sind seit mehr als zehn Jahren Mitglied der Mainzer Ranzengarde.

Begeisterter Fastnachter bin ich schon immer. Mitglied bei der Mainzer Ranzengarde wurde ich, weil mich der damalige Generalfeldmarschall Johannes Gerster gefragt hat, ob ich mitmachen möchte. Und seitdem bin ich dabei.

„Allein in Mainz die politische Fastnacht: gigantisch.“

Haben Sie die diesjährige Fastnacht vermisst?

Definitiv. Deshalb hatte ich am Fastnachtssonntag mit Thomas Neger zusammen eine einstündige Digitalveranstaltung mit Beiträgen von Bands aus ganz Rheinland-Pfalz. Ich finde die Fastnacht enorm wichtig: die Jugendarbeit, das Kulturgut, die Heimatverbundenheit. Es ist mehr als nur auf der Gass‘ sein. Da werden auch wirklich starke Inhalte transportiert. Allein in Mainz die politische Fastnacht: gigantisch.

Sind sie optimistisch, dass wir in diesem Jahr einen normalen 11.11. oder auch ein normales Marktfrühstück in Mainz erleben werden?

Ich kann mir das sehr gut vorstellen, glaube aber auch, dass in Zukunft die Feste ein wenig anders ablaufen werden. Wir alle werden etwas vorsichtiger sein. Aber bis Ende des Sommers soll jeder ein Impfangebot bekommen – und damit wäre die Pandemie hoffentlich beendet. Außerdem werden wir auch bessere Testmöglichkeiten bekommen. Wir kämpfen für den Wahlsieg und werden, wenn wir es schaffen, das auch umsetzen.

Das Interview führten Michael Meister und Ralf Keinath.

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