CDU-Chef Baldauf über Corona: „Jeder sollte selbst entscheiden, wie er sich schützen möchte“

Der rheinland-pfälzische CDU-Chef Christian Baldauf spricht im zweiten Teil des Merkurist-Interviews über Freiheiten in der Corona-Pandemie und das umstrittene Thema Gendern.

CDU-Chef Baldauf über Corona: „Jeder sollte selbst entscheiden, wie er sich schützen möchte“

Im ersten Teil des Merkurist-Interviews sprach der rheinland-pfälzische CDU-Chef Christian Baldauf über Atomenergie, 9-Euro-Ticket und Energiesparen in der Krise. Im zweiten Teil geht es um die Streitthemen Corona und Gendern.

Herr Baldauf, ein Thema, das uns im Herbst und Winter wieder mehr beschäftigen wird, ist Corona. Das Bundeskabinett hat am Mittwoch den Entwurf von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) und Bundesjustizminister Marco Buschmann (FDP) gebilligt. Demnach sollen Länder Regeln wie eine Maskenpflicht in Innenräumen selbst beschließen. Insgesamt kommen wohl wieder mehr Maßnahmen auf uns zu.

Zunächst einmal glaube ich, dass es richtig ist, dass die Länder entscheiden können. Ich weiß, in der Vergangenheit wurde häufiger kritisiert: Warum darf man in Land A dies und in Land B jenes? Das liegt aber auch einfach an den Hotspots und an der Frage, wie eine Region aussieht. Berlin ist etwas anders als Rheinland-Pfalz. Es ist auch richtig, dass es weiterhin bestimmte Regeln für Bereiche gibt, in denen sich die Menschen nicht selbst schützen können, dass etwa in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen für einen entsprechenden Schutz gesorgt wird. Mit Impfungen, Tests und Masken.

„Jeder sollte selbst entscheiden, wie er sich schützen möchte.“

Und in anderen Bereichen?

Wir werden auf Dauer mit diesem Virus leben müssen. Das wird nicht mehr weggehen. Es wird mutieren, manche sagen, es wird ungefährlicher, das wissen wir nicht sicher. Wir haben auch keine Erfahrungswerte von zehn Jahren. Aber die Verläufe sind, auch durch die Impfungen, wesentlich leichter geworden. Deshalb denke ich, wir können und müssen wieder mehr normales Leben zulassen. Jeder kann für sich entscheiden, ob er eine Maske tragen oder Veranstaltungen besuchen will. Im ÖPNV oder im Flugzeug dagegen ist eine Maskenpflicht richtig, weil es da sehr eng ist. Ansonsten halte ich es für nicht notwendig. Jeder sollte selbst entscheiden, wie er sich schützen möchte.

Gilt das auch für Tests? Im Winter wird es vermutlich wieder große Innenveranstaltungen geben, zum Beispiel Fastnachtssitzungen.

Ich glaube, dass das so kommen wird, zumindest bei den großen Fastnachtsvereinen in Mainz. Ich bekomme schon langsam Einladungen von den Vereinen. In der Regel gibt es eine Art Selbstverpflichtung: Seid so lieb, macht vorher einen Test. Ich glaube, das ist ein guter Weg, nicht nur für die Fastnacht, sondern die Kultur insgesamt. Kulturveranstaltungen sind natürlich oft privat, da müssen die Veranstalter das entscheiden. Und die Gäste müssen wiederum dann für sich entscheiden, welche Anforderungen sie an eine Teilnahme stellen. Ein Test tut nicht weh, ein Test ist schnell durchgeführt, warum soll man ihn dann nicht machen?

Vielleicht weil er etwas kostet.

Ich denke, dass es uns das wert sein sollte. Auch der Eintritt und die Getränke kosten ja anschließend etwas.

Viele Gastronomen leiden derzeit unter der Planungsunsicherheit für den Winter. Sie wissen bis jetzt nicht, was in Rheinland-Pfalz kommen wird. Maskenpflicht? Impfausweise kontrollieren? Werden die Gastronomen am Ende wieder die Leidtragenden sein?

Das darf auf keinen Fall passieren! Die Gastronomie musste in den letzten zwei Jahren sehr starke Opfer bringen. Es sind auch viele Gaststätten mittlerweile geschlossen. Das hat nicht nur mit Corona zu tun, sondern auch mit den steigenden Energiekosten, mit steigenden Mieten oder den fehlenden Fachkräften. Und deshalb dürfen wir sie jetzt nicht noch weiter reglementieren. Ich weiß, dass viele Gastronomen bereit sind, Testungen durchzuführen. Wenn einer aber sagt, wir öffnen unser Lokal ohne Tests, muss ich als Gast selbst wissen, ob ich das möchte oder nicht.

„Gendern verkompliziert die Sprache“

In diesem Sommer ist plötzlich ein weiteres Thema hochgekocht: Gendern. Zuletzt haben mehrere Sprachwissenschaftler den öffentlich-rechtlichen Rundfunk aufgefordert, mit dem Gendern aufzuhören. Auch sie haben sich sehr kritisch dazu geäußert. Was stört Sie denn am Gendern?

Eins vorweg: Ich kritisiere nicht, dass die Geschlechter eingeschlossen werden, sondern es geht um die Sternchen und Sprechpausen: Das verkompliziert die Sprache und konterkariert die Regeln, die wir im Duden haben. Wenn ich daran etwas ändern möchte, dann muss ich es diskutieren. Wir diskutieren aber in Deutschland nicht mehr, es wird einfach übergestülpt, siehe das Beispiel öffentlich-rechtlicher Rundfunk. Wir sollten uns mit den wirklich wichtigen Fragen der Geschlechtergerechtigkeit befassen. Mit gleichen Löhnen und Berufschancen zum Beispiel.

Heißt das, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk nicht gendern darf?

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk muss sich an die geltenden Regeln und unsere verbindliche Sprache halten, das ist meine Meinung auch als Beitragszahler. Gendern einfach so an den Leuten und an den Regeln vorbei einzuführen, das finde ich nicht in Ordnung.

Vielen Dank für das Gespräch, Christian Baldauf.

Das Interview führten Peter Kroh und Ralf Keinath.

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