Sandro Schwarz: „Wir wollen ins Pokalfinale“

Welche Ziele setzt sich der FSV Mainz 05 in der kommenden Bundesligasaison? Und warum ist das DFB-Pokal-Los gegen den FCK ein gutes Los? Das hat uns Mainz 05-Trainer Sandro Schwarz im Merkurist-Interview verraten.

Sandro Schwarz: „Wir wollen ins Pokalfinale“

Mainz-Coach Sandro Schwarz steht vor seiner dritten Saison als Bundesligatrainer. Seit rund einer Woche bereitet er die Mannschaft auf die kommende Spielzeit vor. Merkurist hat den Trainer zum Interview im Bruchwegstadion getroffen. In Teil 1 unseres Interviews spricht Schwarz über den Pokal-Kracher gegen den 1. FC Kaiserslautern, seine persönlichen Hausaufgaben im Sommerurlaub und das Ziel, ins DFB-Pokal-Finale zu kommen.

Nach sechs Wochen Sommerurlaub sind Sie und Ihre Mannschaft am vergangenen Sonntag in die Vorbereitung eingestiegen. Die Spieler bekommen einige Hausaufgaben wie Trainingspläne mit in den Urlaub. Welche Hausaufgaben haben Sie als Trainer bekommen?

Zum einen geht es um Reflexion: Wie sind wir die Dinge im vergangenen Sommer angegangen und wie hat sich die Gruppe entwickelt? Und dann planen wir schon wieder die neue Saison: Kaderplanung, Vorbereitung, Schwerpunkte. Das basiert auf den Erfahrungen aus der letzten Saison. Es ist schön, dass man im Urlaub entspannen kann, aber man hat auch genügend Hausaufgaben zu erledigen. Es ist nicht so, dass man das Handy in die Ecke werfen kann und sagt: „Nach mir die Sintflut.“

Gibt es Tage im Sommerurlaub, an denen sie überhaupt nichts mit Mainz 05 zu tun haben?

Nicht wirklich. Mal muss man dienstlich doch noch was besprechen, mal meldet sich ein Kumpel, der beispielsweise seine Dauerkarte schon vorreservieren will. Auf irgendeine Art ist Mainz 05 immer gegenwärtig.

Ziemlich oft mit Mainz 05 konfrontiert wurden Sie wahrscheinlich auch nach der DFB-Pokal-Auslosung. Schließlich geht es für Sie gegen den FC Kaiserslautern…

Meine erste Reaktion war: geiles Los! Ich war auf der Kommunion der Kinder von meinem Kumpel Pascal Hens (Ex-Handballnationalspieler, Anm. der Red.). Dort haben wir zusammen mit Pascals Bruder - der steht bei jedem 05-Heimspiel im Q-Block - die Auslosung verfolgt. Als das Los kam, sind wir beide vor Freude aufgesprungen. Die Vorfreude ist riesig: Derby, das Stadion wird voll und du musst sofort im Wettkampfmodus sein.

„Und gerade im Pokal haben wir hohe Ziele: Wir wollen ins Finale kommen“ - Sandro Schwarz

Die jüngeren Spieler kennen den FC Kaiserslautern wahrscheinlich nicht mehr als großen Bundesligaklub. Müssen Sie ihnen die Brisanz des Derbys nochmal deutlich machen?

Die jungen Spieler kennen das Derby aber aus der Jugend. Unsere Nachwuchsmannschaften spielen öfter gegen Kaiserslautern - und für die sind das auch Prestigespiele. Ein neuer Spieler, der zum Beispiel aus Frankreich kommt, der weiß natürlich nicht, was Hans-Peter Briegel oder Otto Rehhagel geleistet haben oder wie der FCK als Aufsteiger Meister wurde. Ich weiß aber auch nicht, ob ich es ihnen extra erklären werde. Sie wissen sowieso, dass es ein extrem wichtiges Spiel werden wird, auch, weil es ein Pokalspiel ist. Und gerade im Pokal haben wir hohe Ziele: Wir wollen ins Finale kommen.

Apropos Ziele: Sie gehen in die dritte Saison als Bundesligatrainer und konnten sich im zweiten Jahr um sieben Punkte auf insgesamt 43 verbessern. Welche Ziele geben Sie für die anstehende Saison aus?

Wir haben neulich mit unserem Videoanalysten zusammengesessen und der erzählte uns etwas, das uns gar nicht so bewusst war.

Nämlich?

Wir haben uns in den vergangenen zwei Saisons in jedem Halbjahr gesteigert. In der ersten Halbserie hatten wir 17 Punkte, in der Rückrunde 19. In der ersten Saisonhälfte im vergangenen Jahr waren es 21 und jetzt in der letzten Rückrunde 22 Punkte.

Jetzt haben wir gesagt: Okay, wenn die Rechnung so einfach ist, dann machen wir in der anstehenden Saison einfach 24 und dann 26 Punkte - das wären dann 50 (lacht). Im Ernst: Wenn am 34. Spieltag abgepfiffen wird und wir das Gefühl haben, unsere Fans sind mit der Art und Weise wie wir gespielt haben glücklich, dann war es für uns eine erfolgreiche Saison. Wir müssen auch nicht jede Woche betonen, dass der Klassenerhalt etwas Besonderes ist. Wir wollen uns nicht auf dieses Ziel begrenzen.

Andere Mannschaften wie Werder Bremen oder die TSG Hoffenheim haben sich vor der vergangenen Saison öffentlich bewusst hohe Ziele gesetzt, sprachen beispielsweise von der Meisterschaft oder dem Europapokal. In Mainz machen sie das nicht, warum?

Nochmal: Wir wollen uns keine Grenzen setzen. Aber wir sind auch nicht der Club, der sagen kann: Wir wollen jetzt in den internationalen Wettbewerb. Da müssen wir schon realistisch bleiben. Und einen einstelligen Tabellenplatz als Ziel auszurufen, ist ja auch kein besonders emotionales Ziel. Die Leute sollen uns im Training oder im Spiel sehen und sagen: Die wollen echt etwas Außergewöhnliches erreichen. Das ist für uns der Maßstab.

Das Interview führten Ralf Keinath und Peter Kroh. (mm)

Zu Teil 2 des Interviews geht es hier.

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