OB Ebling: So plant die Stadt den Weihnachtsmarkt und Fastnacht

Wie könnte die Fastnacht während der Corona-Pandemie ablaufen? Und kann der Mainzer Weihnachtsmarkt in diesem Jahr überhaupt stattfinden? Darüber haben wir mit Oberbürgermeister Michael Ebling im ersten Teil unseres Merkurist-Interviews gesprochen.

OB Ebling: So plant die Stadt den Weihnachtsmarkt und Fastnacht

Auch rund ein halbes Jahr nach Beginn der Corona-Krise in Deutschland bestimmt das Virus noch den Alltag vieler Menschen. Im ersten Teil des Merkurist-Interviews mit dem Mainzer Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD) geht es unter anderem um den Weihnachtsmarkt und die Fastnacht in Corona-Zeiten. Außerdem erklärt der OB, warum nun wieder 1000 Fans zu Mainz-05-Heimspielen in die Opel Arena dürfen und ob er momentan selbst ins Stadion gehen würde.

Merkurist: Herr Ebling, Sie setzen sich dafür ein, dass die Mainzer Fastnacht stattfinden kann und haben das auch offensiv gesagt. Was für Konzepte kommen für Sie persönlich in Frage?

Ebling: Ich würde es gerne positiv formulieren: Es kommt eigentlich alles in Frage, was auch für ein noch laufendes Infektionsgeschehen nicht risikoerhöhend ist. Viel präziser kann ich das gerade noch nicht beantworten, ich weiß aber, dass schon viele Vereine und Garden dabei sind zu überlegen, wie man unter Corona-Bedingungen trotzdem das Brauchtum stattfinden lassen kann. Ob das digitale Erlebnisse sind oder andere Formen, wie etwa Sitzungen, die draußen stattfinden, das muss am Ende jeder Verein für sich entscheiden. Denn diese tragen im Endeffekt das Risiko.

Ich habe allerdings den Eindruck, dass viele nicht alles absagen wollen und schon noch Fastnacht erleben wollen. Es wird aber auf jeden Fall eine herausfordernde Kampagne. Aber ich sage immer: Absagen kann jeder. Wir sollten vielmehr überlegen, was unter den bestehenden Bedingungen trotzdem möglich ist.

Haben Sie keine Angst vor dem Vorwurf „warum hat die Stadt hier nicht vorher schon einen Schlussstrich gezogen?“, sollte es während Fastnacht zu erhöhten Infektionszahlen kommen?

Eine Saalfastnacht im Raum wie wir sie kennen, das wird es sicherlich nicht geben. Wir werden sicher auch nicht auf engstem Raum zusammensitzen, es sei denn, es geschieht noch etwas und das Coronavirus verschwindet plötzlich. Aktuell gelten die AHA-Regeln, das hat Gesundheitsminister Spahn (Jens Spahn, CDU) auch vor kurzem nochmals betont. Ich glaube, es gibt aber trotzdem die Möglichkeit, in der Gardeuniform im Stadtbild sichtbar zu sein, das ist ja nicht gefährlich. Es würde sich aber verbieten, Dinge zu tun, die Menschen irgendwie einer Infektion schutzlos aussetzen. Das ist auch nichts, was die Stadt genehmigen kann.

„Es gab schon Zeiten in Mainz, da lag die Stadt in Trümmern und trotzdem hat man Rosenmontag gefeiert.“ - OB Michael Ebling

Was sagen die Fastnachtsvereine dazu?

Ich höre natürlich auch bei den Vereinen die Ambivalenz. Das Häufigste, was ich zu hören bekomme ist: „Sie krieh’n die Fastnacht nit kaputt“. Es gab schon Zeiten in Mainz, da lag die Stadt in Trümmern und trotzdem hat man Rosenmontag gefeiert. Im Sinne von Aufbruch und Zuversicht. Und ich denke, auch diese Zeit braucht die Zuversicht und auch die Zerstreuung. Bei vielen Menschen spürt man, dass sie unter Spannung stehen und dass sie sich anders begegnen.

Insofern ist klar erkennbar, dass viele Vereine etwas machen wollen. Fastnacht hat da eine Funktion. Und da kommt dann auch die Ambivalenz ins Spiel. Ich sehe, dass viele Vereine noch in der Findung sind. Das überrascht mich nicht, da wir auch die Fastnacht auf Sicht bewerten müssen.

Noch in diesem Jahr steht der Mainzer Weihnachtsmarkt auf dem Plan. Doch kann der Markt unter den aktuellen Bedingungen überhaupt stattfinden?

Wir versuchen, ihn stattfinden zu lassen. Ich halte das auch für wichtig, denn der Weihnachtsmarkt ist ja auch eine kulturelle Institution. Es ist nicht nur einfach ein Markt, es ist auch eine Gelegenheit, in dunklen Zeiten ein bisschen Glanz und Licht in die Stadt zu bringen und für Aufhellung zu sorgen. Nicht zuletzt ist es auch ein wirtschaftlicher Faktor, in der dunklen Jahreszeit Menschen in die Stadt zu locken. Das schafft auch Umsätze im Einzelhandel und in der Gastronomie. Das alles zusammengenommen macht auch einen Wert aus. Deshalb denken wir über ein Konzept nach, die Stände quer durch die Stadt zu verteilen, um ähnlich wie beim Wochenmarkt zu verhindern, dass sich die Menschen an einem Punkt sammeln.

Hierzu gibt es auch schon Gespräche mit den Beteiligten. Es bleibt hier noch die Herausforderung wie wir mit Ständen umgehen, die Alkohol ausschenken. Hier ist noch kein endgültiges Konzept beschlossen. Aber auch dafür wird es am Ende Lösungen geben. Wir werden auch diesen Weihnachtsmarkt so schließen, dass sich das Geschehen früh in die Stadt rein und in die Gastronomie verlagert. Das wird im Moment vorbereitet. Wir haben das auch als Stadt gegenüber dem Land klar adressiert, denn zurzeit würde der Rechtsrahmen das so nicht zulassen.

Wo liegt das rechtliche Problem?

Das rechtliche Problem ist gerade tatsächlich, dass das Land bei der Corona-Bekämpfungs-Verordnung zwischen Wochenmärkten und sogenannten Spezialmärkten unterscheidet. Alles was kein Wochenmarkt ist, ist ein Spezialmarkt. Der Weihnachtsmarkt fällt unter die Spezialmärkte und für diese gelten immer noch die Regelung durch abgetrennte Bereiche und Zugangsbeschränkungen. Man müsste die Weihnachtsmärkte aber eigentlich fassen wie die Wochenmärkte: Großes Gelände, die Stände entzerrt, keine Zugangskontrollen und das Aussetzen der Nachverfolgungsregelung.

Ist für Sie eine Weihnachtszeit in Mainz ohne den Weihnachtsmarkt überhaupt vorstellbar?

Weihnachten ist für mich schon auch mehr als ein Weihnachtsmarkt, aber ich denke schon, dass Weihnachtsmärkte unser Empfinden von Weihnachten nochmal prägen. Ich würde es schon sehr bedauern, deshalb sage ich auch hier gilt der Anspruch: Versuchen, was möglich ist. Abgesagt ist er schnell und absagen kann wirklich jeder. Wir sind Meister geworden im Absagen, das ist aber eigentlich nicht die Herausforderung, die wir annehmen müssen. Sondern die Herausforderung ist zu schauen, was unter den aktuellen Umständen möglich ist.

Ich sehe, wie belastend das Jahr für viele war. Und der Mensch lebt nicht nur von permanenten Ermahnungen in abendlichen Talkshows und unzähligen ARD-Brennpunkten. Wir müssen auch schauen, dass unsere Gesellschaft Zerstreuung erfährt. Und das Schlendern über den Weihnachtsmarkt kann vielleicht ein Beitrag dazu sein, ein wenig Gelassenheit mitzunehmen und die Hoffnung mit sich zu tragen, dass es auch mal wieder normal wird. Dauernd im Krisenmodus zu leben, funktioniert nicht.

Rund 1000 Fans dürfen nun wieder in die Opel Arena zu den Heimspielen von Mainz 05. Warum haben Sie als Stadt dieses Anliegen des FSV unterstützt?

Wir haben im Stadion Kapazitäten für rund 33.000 Menschen. Insofern finde ich, dass es ein ganz vorsichtiger Beginn ist. Deshalb wird die Zahl von 1000 auch nicht überschritten, weil Großveranstaltungen noch bis Ende Oktober untersagt sind. Aber niemanden reinzulassen, ergäbe unter dem aktuellen Rechtsrahmen keinen Sinn. Man muss Dinge auch nur einschränken, wenn sie für die Infektionslage wirklich gefährlich sein können. Und dass sich 1000 Menschen im Stadion unter freiem Himmel treffen, das ist kein Grund zur Sorge.

Der Verein hat ein, wie wir finden, kluges Konzept entwickelt. Das würde sogar aus Sicht des Vereins noch mehr Zuschauer zulassen, 1000 sind jetzt aber erstmal die erste Stufe. Und wir schauen nun, wie es funktioniert. Wenn es gut funktioniert, können wir uns auch vorstellen, dass die Besucherzahlen dann für die Heimspiele nochmal erhöht werden.

Würden Sie aktuell ins Stadion gehen, wenn Sie die Möglichkeit hätten?

Ich würde, wenn ich gelost werde, natürlich auch ins Stadion gehen. Man muss da auch keine Sorge haben. Um das mal ins Verhältnis zu setzen: 1000 Leute im Stadion sind weniger als am Gutenberggymnasium Schülerinnen und Schüler sind.

Das Interview führten Denise Frommeyer und Peter Kroh. (mo)

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