Achim Beierlorzer: Mainz 05 ist für mich der etwas andere Verein

Der Mainz-05-Trainer spricht im Merkurist-Interview über sein Verhältnis zum FC Bayern München, seinen Start bei Mainz 05 und seine bayerische Heimat.

Achim Beierlorzer: Mainz 05 ist für mich der etwas andere Verein

Seit November ist Achim Beierlorzer (52) Trainer beim FSV Mainz 05. Sein Einstand war spektakulär: 5:1-Sieg in Hoffenheim, Derby-Sieg gegen Eintracht Frankfurt und Rekord-Auswärtssieg in Bremen. Doch nach drei Niederlagen in Folge steckt der FSV wieder im Abstiegskampf. Vor dem Spiel gegen den FC Bayern München am Samstag hat Merkurist Beierlorzer zum Interview getroffen.

Merkurist: Seit Anfang Mai hat Mainz 05 nicht mehr unentschieden in einem Pflichtspiel gespielt. Wäre am Samstag gegen den FC Bayern München aus Ihrer Sicht der richtige Zeitpunkt für ein Remis?

Beierlorzer: Das würde ich so sofort nehmen. Am vergangenen Wochenende in Mönchengladbach war es schon so, dass wir phasenweise nah an einem Unentschieden waren. Aber eigentlich wünscht man sich als Sportler kein Unentschieden, am liebsten hätte man immer den Sieg.

Der FC Bayern ist derzeit in Gala-Form. Ist es für Sie als Trainer dadurch schwerer, die Mannschaft zu überzeugen oder ist es sogar leichter, weil Sie nichts zu verlieren haben?

Dass die Partie gegen Bayern München ein Bonusspiel ist und wir eigentlich nichts zu verlieren haben, das kann mit Sicherheit jeder nachvollziehen. Sie sind in der jetzigen Verfassung herausragend in Deutschland und haben in der Hinrunde auch oftmals unglücklich Punkte abgegeben. Bei den Niederlagen in Mönchengladbach und zu Hause gegen Bayer 04 Leverkusen waren sie besser, hatten mehr Torschüsse. Wenn wir am Samstag etwas holen wollen, muss schon alles in die richtige Richtung - nämlich unsere - laufen. Aber die Mannschaft wird hochmotiviert sein, und wenn wir mit Herz, Leidenschaft und Konzentration agieren, ist grundsätzlich alles möglich.

Ihr älterer Bruder Bertram spielte in den Achtzigerjahren für Bayern München in der Bundesliga. Haben Sie ein besonderes Verhältnis zu den Bayern?

Ja, das ist schon so. Mein Bruder hat fünf Jahre dort gespielt und einiges erlebt. Es prägt einen als jungen Menschen schon, wenn man seinen eigenen Bruder dort spielen sieht. Meine Nichte arbeitet sogar beim FC Bayern in der Geschäftsstelle. Aber es ist ein Bundesliga-Konkurrent und es geht um wichtige Punkte. Insofern habe ich am Wochenende eher wenig Sympathie für die Bayern (lacht).

War der FC Bayern für Sie als Kind früher so etwas wie ein Lieblingsverein?

Ich bin eigentlich kein ausgewiesener Fan von einem Verein. Aber Bayern München war schon ein Klub, den ich gerne gesehen habe. Nicht zuletzt wegen meines Bruders und weil der Verein auch damals schon regelmäßig international gespielt hat.

Sehen Sie sich überhaupt als Bayer? Schließlich stammen sie aus Franken, dort sehen sich viele lieber als eigenständiges Volk.

Ich bin grundsätzlich ein weltoffener Mensch und sage immer: Es gibt überall - egal in welcher Volksgruppe - extrem nette Menschen und solche, mit denen man nicht unbedingt viel Zeit verbringen möchte (lacht). Wir Franken gehören zu Bayern und trotzdem liegt mein Ursprung in Franken.

Am Freitag schließt das Wintertransferfenster. Erhoffen Sie sich nach Jeffrey Bruma noch einen weiteren Neuzugang?

Mit Jeffrey Bruma konnten wir unsere Defensive mit einem robusten Abwehr-Routinier verstärken, der über immense Erfahrung in der Bundesliga und im internationalen Wettbewerb verfügt und von der Mentalität her ein Leader-Typ ist. Ob darüber hinaus noch was passiert oder nicht, werden wir sehen. Das fällt auch eher in Rouven Schröders Aufgabereich, ich fokussiere mich gemeinsam mit meiner Mannschaft, die in ihrer Zusammensetzung, so wie sie ist, tolle Qualität und ein enormes Potential hat, auf die anstehende sportliche Aufgabe gegen Bayern München.

Wie bewerten Sie mit etwas Abstand Ihren Start als Trainer beim FSV Mainz 05? Drei relativ spektakulären Siegen stehen fünf Niederlagen gegenüber.

Der Start mit zwei Siegen war unglaublich gut. Das war sehr wichtig, denn die Mannschaft hat dadurch den Glauben an die Sache nicht verloren. Dann haben wir in Augsburg verloren, eine Woche später gegen Borussia Dortmund. Eine Mannschaft, die in dieser Saisonphase nur sehr schwer zu schlagen war.

Die letzten drei Spiele sind leider sehr unglücklich verlaufen. Wir haben es nicht geschafft, die Partien auf unsere Seite zu ziehen, obwohl es in jedem Spiel sehr gut möglich gewesen wäre, denn wir waren oft mindestens ebenbürtig, wenn nicht sogar die bessere Mannschaft auf dem Platz. Wir müssen besser verteidigen, unsere Torchancen besser verwerten und uns am Ende auch mal für gute Leistungen belohnen. Es geht darum, die richtigen Entscheidungen im richtigen Moment zu treffen. Nach Niederlagen muss man zusammen mit der Mannschaft Dinge verbessern - und das ist meine Aufgabe.

Wie haben Sie Mainz 05 wahrgenommen, bevor Sie hier Trainer wurden? Und hat sich diese Wahrnehmung bestätigt?

Meine Wahrnehmung hat sich nicht geändert. Ich habe Mainz 05 auch vorher schon als sehr authentischen Verein kennengelernt, der nach außen genau so wirkt, wie er nach innen ist: Hier arbeiten viele fleißige, bodenständige Menschen, die genau wissen, wo sie herkommen und was die Zielvorgaben sind. Hier denken die handelnden Personen realistisch und laufen nicht Gefahr, abzuheben. Mainz 05 ist ein Verein, der für harte Arbeit steht und sich stetig weiterentwickelt.

Ist Mainz 05 für Sie ein etwas anderer Verein?

Definitiv ja. Zum Beispiel ist Mainz 05 noch ein eingetragener Verein und keine Kommanditgesellschaft. Präsident Stefan Hofmann ist selbst ein ausgebildeter Fußballlehrer, verfügt über jede Menge Fußball-Sachverstand. Dazu kommt Rouven Schröder als kompetenter Sportvorstand, der authentisch und realistisch ist. Das spricht sehr für Mainz - aber ich möchte das gar nicht mit anderen Vereinen vergleichen.

Präsident Stefan Hofmann hat uns in einem Interview im vergangenen Jahr verraten, dass er Sie noch aus seiner Zeit als Jugendtrainer bei Mainz 05 kennt. Er hat Sie als Trainer gelobt - und laut seiner Erinnerung gegen Sie verloren. Wie haben Sie diese Spiele in Erinnerung?

Ich habe als U17-Trainer der Spielvereinigung Greuther Fürth nicht nur Siege gegen Mainz 05 gefeiert. Im Gegenteil: Mit Fürth habe ich noch eine ganz bittere Heimniederlage gegen Mainz 05 in Erinnerung, Meikel Schönweitz müsste damals der Mainzer Trainer gewesen sein. Es war mein letztes Jahr in Fürth, die Mainzer spielten damals um die Deutsche Meisterschaft und wir haben zu Hause 1:2 verloren. Auch in Mainz habe ich als Jugendtrainer schon Niederlagen hinnehmen müssen. Ich kann mich aber auch an einen sehr schönen Sieg gegen Mainz erinnern. Aaron Seydel, den wir gerade an den SSV Jahn Regensburg in die zweite Liga verliehen haben, spielte damals in der Mainzer Jugendmannschaft.

Im zweiten Teil unseres Interviews mit Achim Beierlorzer spricht der Trainer darüber, wie er Mainz als Stadt kennengelernt hat, seine ersten Eindrücke von der Mainzer Fastnacht und seine Leidenschaft für Asterix-Comics.

Das Interview führten Ralf Keinath und Peter Kroh. Fotos: Denise Frommeyer. (df)

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