Ortsvorsteherin Flegel: „Gonsenheim ist ein Kaff“

Die Gonsenheimer Ortsvorsteherin Sabine Flegel (CDU) spricht im Merkurist-Interview über die Probleme im Stadtteil und darüber, was man in Gonsenheim unbedingt gesehen haben muss.

Ortsvorsteherin Flegel: „Gonsenheim ist ein Kaff“

Seit 2004 ist Sabine Flegel (CDU) Ortsvorsteherin in Gonsenheim. Was sich in ihrem Stadtteil ändern muss, was gut läuft und warum Gonsenheim sein eigenes Schwimmbad hat, darüber spricht sie im Merkurist-Interview.

Merkurist: Frau Flegel, was sollte man in Gonsenheim unbedingt gesehen haben?

Sabine Flegel: Ein tolles Highlight in unserem Stadtteil ist der Gonsenheimer Wald. Auch der Wildpark ist sehr beliebt und ist inzwischen mit rund einer Million Besuchern jährlich ein richtiger Publikumsmagnet.

Gibt es auch Bauwerke, die man gesehen haben sollte?

Ja, zum Beispiel die Vierzehn-Nothelfer-Kapelle im Wald. Was mich persönlich immer anrührt: das Gonsenheimer Rathaus. Es zählt zu den ältesten Rathäusern Rheinhessens und steht in unmittelbarer Nähe zum Rheinhessendom - eine wunderbare Kulisse. Wir haben in Gonsenheim eine tolle Vielfalt, auch kulturell. Ob es Vernissagen sind, Konzerte oder Lesungen, das ist toll. Aber eben auch wunderbare Natur wie den Wald, den Gonsbach oder den Großen Sand - ein europaweit einzigartiges Naturschutzgebiet.

In einer Merkurist-Umfrage im Jahr 2018 wurde Gonsenheim zum beliebtesten Mainzer Stadtteil gewählt. Warum ist Ihr Stadtteil so beliebt?

Gonsenheim ist auf der einen Seite sehr städtisch. Man darf nicht vergessen: Hier wohnen über 26.000 Menschen. Auf der anderen Seite ist Gonsenheim ein Kaff - und das sage ich bewusst so platt (lacht). Wir sind eigentlich ein Dorf, jeder kennt jeden. Neubürger werden direkt mitgenommen und integriert, zum Beispiel in den rund 50 Vereinen im Stadtteil. Das gefällt mir sehr gut. Dazu gibt es eine gute Nahversorgung, einen guten Anschluss an das ÖPNV-Netz und sogar ein Gonsenheimer Schwimmbad.

Wirklich? Das wäre uns jetzt neu…

Das Schwimmbad steht zwar in Mombach, aber eigentlich ist es das Gonsenheimer Schwimmbad. Es wurde den Gonsenheimern zur Eingemeindung geschenkt, dann aber auf Mombacher Gemarkung gebaut.

Welche Probleme gibt es derzeit in Gonsenheim?

Mir bereitet es Sorge, dass wir keine Flächen für die Jugendlichen in unserem Stadtteil haben. Wir möchten die Heranwachsenden überhaupt nicht vertreiben, aber gerade in den wärmeren Monaten trifft sich eine größere Gruppe Jugendlicher immer wieder unter anderem am Alten Friedhof. Diese wird häufig von den Anwohnern weggescheucht. Das ist zum Teil auch verständlich, weil diese Treffen oftmals bis 2 Uhr am Morgen gehen - da geht es manchmal auch ziemlich laut zu. Die Gruppe zieht weiter und wird immer wieder vertrieben. Das löst in mir ein ungutes Gefühl auf.

Und wie wollen Sie dagegen vorgehen?

Bevor es wieder wärmer wird, möchte ich zusammen mit dem Ordnungsamt, unseren Viertelsbutze (Polizisten vor Ort - Anm. d. Red.), Streetworkern und den Vertretern der Ökumene die Treffpunkte der Jugendlichen ansteuern und dort mit den Jugendlichen ins Gespräch kommen. Eines ist mir aber wichtig: Es geht hier nicht um Brennpunkte. Das Problem ist aber: Wenn wir einen offiziellen Treffpunkt für Jugendliche einrichten, kann es natürlich sein, dass sie das Angebot nicht wahrnehmen. Denn die Frage ist ja, was sie wollen. Natürlich ist mir klar, dass sie gerne eine Bank mit einem kleinen Dach darüber hätten. Einen Ort, an dem man auch mal heimlich eine Zigarette rauchen kann (lacht). Einen Standort zu finden, der direkt im Ort ist, an dem aber keine Anwohner gestört werden, ist schwierig.

Sie haben in einem früheren Merkurist-Interview gesagt, dass das äußere Erscheinungsbild in Gonsenheim besser sein könnte, der Stadt würden allerdings die notwendigen Gelder fehlen. Hat sich hier etwas verändert?

Nein, hier hat sich nichts verändert. Und ich muss ehrlich sagen: Da kriege ich so eine Krawatte! In dieser Stadt ist einiges mit Wahnsinn verbunden. Die Grünpflege an der Koblenzer Straße wird zum Teil vom Landesbetrieb Mobilität (LBM) übernommen, an anderen Stellen von der Stadt Mainz. Manche Grünflächen sind also geschnitten, andere Stellen wachsen einfach in die Höhe. Besonders die Mengen an Müll die sich dort ansammeln, das sieht schlimm aus. Oberbürgermeister Ebling möchte die Landesgartenschau nach Mainz holen, aber wir bekommen es nicht auf die Reihe, das äußere Erscheinungsbild in den Stadtteilen sauber zu halten. Es ist ernüchternd, wie es hier an einigen Stellen aussieht.

Beschreiben Sie zum Schluss bitte Gonsenheim in drei Worten.

Lebendig, schön und vielfältig.

Vielen Dank für das Gespräch, Sabine Flegel.

Das Interview führten Ralf Keinath und Peter Kroh. Fotos: Denise Frommeyer. (rk/df)

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