Ortsvorsteher Strotkötter: „Früher fuhr man nach Laubenheim, um zu feiern“

Gerhard Strotkötter lebt seit mehr als 30 Jahren in Laubenheim. Was der Ortsvorsteher an seinem Stadtteil schätzt und welche Probleme er sieht, darüber hat er mit Merkurist gesprochen.

Ortsvorsteher Strotkötter: „Früher fuhr man nach Laubenheim, um zu feiern“

Seit elf Jahren ist Gerhard Strotkötter Ortsvorsteher von Laubenheim. Der SPD-Politiker wurde bei der Kommunalwahl im vergangenen Jahr im Amt bestätigt. Im Merkurist-Interview spricht er darüber, wie sich der Stadtteil verändert hat und wie er zur geplanten Deponie zwischen Weisenau und Laubenheim steht.

Merkurist: Herr Strotkötter, was mögen Sie an Ihrem Stadtteil?

Strotkötter: Die Menschen und die Lage. Laubenheim ist ein wunderschöner Ort zwischen Reben und Rhein mit fast 1250-jähriger Geschichte. Vor allem das Laubenheimer Ried und das Rheinufer sind fantastisch. Die Leute in Laubenheim sind offen, das merkt man auch im Vereinsleben. Die Vereine bieten eine wunderbare Möglichkeit, sich zu betätigen.

Glauben Sie, dass den meisten Mainzern bekannt ist, was Laubenheim zu bieten hat?

Früher war Laubenheim ein Ausflugsort. Man fuhr dorthin, um zu feiern. Dort gab es nach dem Krieg noch fünf Tanzsäle und viele Wirtschaften. Später wurden dort viele Wohnsiedlungen ausgeschrieben. Damals hatten wir rund 3000 Einwohner, heute sind es über 9000. Laubenheim bietet heute eine super Naherholung, zum Beispiel das Naturschutzgebiet Laubenheimer Ried.

Gibt es denn in Laubenheim auch heute noch etwas für die Nacht?

Die Wirtschaften haben sich mehr nach Bodenheim verlagert. Es gibt aber in Laubenheim selbst noch „Die goldene Ente“, wo es auch schon Konzerte gab. Auch der Mainzer Hof hat noch einen großen Saal, den man nutzen kann.

Was muss man in Laubenheim unbedingt gesehen haben?

Das Zöller-Kreuz, das ist ein großes Holzkreuz. Außerdem gibt es einen tollen Aussichtspunkt mit einem Fenster aus Stahl. Da kann man den Polderlauf sehen. Man muss wissen, dass Laubenheim ein großes Rückhaltebecken hat, das mittlerweile auch integriert ist.

Welche Probleme gibt es?

Ein Problem ist natürlich der Fluglärm, von dem Laubenheim zusammen mit Weisenau stark betroffen ist. Die Südumfliegung führt genau über uns. Und wir haben ein Lkw-Problem; die Fahrzeuge fahren von Bodenheim über Laubenheim nach Mainz. Das macht auch eine Menge Lärm. Hier wollen wir ein Durchfahrtsverbot erreichen, das derzeit noch verhandelt wird. Da bin ich verhalten optimistisch.

Hat Laubenheim vom Fahrplanwechsel profitiert?

Das ist noch nicht ganz raus. Einige Verbindungen gibt es nicht mehr oder es ist schwieriger geworden, von A nach B zu kommen. Andererseits ist Laubenheim durch den S-Bahn-Anschluss mit der ganzen Welt verbunden, man ist zum Beispiel schnell in Mannheim oder Frankfurt. Natürlich ist es laut, man kann ja nicht alles haben. Aber ansonsten ist die Mobilität fantastisch.

Ein Streitthema ist ja auch die geplante Deponie im Steinbruch Weisenau. Ihr Kollege Ralf Kehrein ist ja eher dagegen. Wie sehen Sie das?

Ein schwieriges Thema. Laubenheim wäre auf jeden Fall betroffen, aber nicht so sehr wie Weisenau. Ich wünsche mir, dass die Deponieklasse 2 in diesem Steinbruch nicht gelagert wird. Man hat uns zwar versichert, dass das Konzept sicher ist. Der Ortsbeirat ist auch nicht grundsätzlich gegen die Deponie. Aber mir wäre es so wohler - auch im Sinne der Bürger.

Wie geht es denn mit der Renaturierung des Rheinufers voran?

Wunderbar! Ich bin sehr zufrieden. Der Rhein mäandert jetzt durch die Bereiche, es hat sich eine vielfältige Tier- und Pflanzenwelt gebildet. Dieses Jahr werden die Arbeiten abgeschlossen. Ich hoffe, dass wir das im Sommer dann nutzen können. Das zweite Projekt ist die Nato-Rampe, aber das dauert noch ein wenig. Dort sollen die Plätze hergerichtet werden und ein Spielplatz entstehen. Eine wunderbare Anlage, aber die Planungen schreiten nicht so schnell voran, wie ich es mir wünsche.

Wie würden Sie Ihren Stadtteil in drei Worten beschreiben?

Lebenswert, liebenswert, einfach toll - aber das wären ja dann schon vier Wörter! (lacht)

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Strotkötter.

Das Interview führten Ralf Keinath und Denise Frommeyer. (rk)

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