Ortsvorsteher Mahle: „Die Busverbindungen in Finthen sind schlecht“

Als westlichster Mainzer Stadtteil besticht Finthen vor allem durch seine Nähe zur Natur. Was den Stadtteil noch lebenswert macht und welche Herausforderungen hier warten, darüber hat Merkurist mit Ortsvorsteher Manfred Mahle (SPD) gesprochen.

Ortsvorsteher Mahle: „Die Busverbindungen in Finthen sind schlecht“

Etwas mehr als ein halbes Jahr ist Manfred Mahle (SPD) nun schon Ortsvorsteher in Finthen. Im Merkurist-Interview spricht der Lokalpolitiker unter anderem darüber, warum man dort Urlaub machen sollte, wann das neue Bürgerhaus eingeweiht wird und welche Probleme es im Wohngebiet Römerquelle gibt.

Merkurist: Was gefällt Ihnen an Finthen besonders gut? Was macht den Stadtteil lebenswert?

Mahle: Lebenswert machen den Stadtteil zu aller erst natürlich die Finther. Man trifft hier sehr offene Menschen an. Zudem gefällt mir auch die direkte Anbindung zur Natur besonders gut. Dann gibt es natürlich auch immer noch viel Landwirtschaft in Finthen. Diese Obstlädchen, die verschiedene Bauern aufgemacht haben, schätze ich sehr. Wichtig ist mir auch das Thema Vereinsleben. Das hält die Bürger und die Gemeinschaft in Finthen zusammen.

Wo findet das Vereinsleben denn hauptsächlich statt?

Außerhalb vom Ortskern gibt es weniger Vereinsleben. Am Katzenberg gibt es eine Einrichtung der Diakonie, den „Katzentreff“, an der Römerquelle gibt es ein Mehrgenerationenhaus. Dann gibt’s den „Römerquell-Treff“ und den Fußballverein VfL Fontana Finthen. Der Fußballverein hat eine hohe integrative Kraft für Jugendliche und die Arbeit im Verein dreht sich natürlich um den Fußball. Aber viel wichtiger dabei ist, dass es uns gelungen ist und immer wieder gelingt, Jugendliche aus der Römerquelle zu einzubeziehen. Vor allem bei den jungen Menschen ist der Zulauf zur Fontana ungebrochen.

Das Wohngebiet Römerquelle wird oft als Problemviertel bezeichnet. Zudem ist es schlecht an den ÖPNV angebunden. Hat sich hier seit dem vergangenen Jahr etwas verbessert? Was könnte sich hier noch tun?

Ein Problem im Viertel sind die älteren Heranwachsenden. Sie hängen dort rum und was sich dort abspielt, ist nicht schön. Die Polizei kommt, es wird berichtet, dass es Körperverletzungen gibt. Häufig sollen die Jugendlichen vor einem Polizeieinsatz gewarnt werden. Gemeinsam mit dem Jugendamt, Polizei und Ordnungsamt arbeiten wir an diesen Problemen. Streetworker sind im Einsatz. Bisher sind noch keine gravierenden Verbesserungen sichtbar geworden. In diesem Zusammenhang ist die Initiative der GWH lobenswert, die Räume zur Verfügung stellen möchte, die wir für die Jugendlichen öffnen können. Hier müssen wir mit den Jugendlichen zusammenarbeiten.

Wie steht es generell um die Anbindung an den ÖPNV in Finthen?

Wir haben ja die Straßenbahn-Linie 51, die gut aufgestellt ist, aber die Busverbindungen sind schlecht. Wenn man von der Römerquelle oder vom Layenhof in den Ortskern will, sind die Verbindungen nicht optimal. Besonders eine Verbindung zum Layenhof fehlt. Die Busse fahren zudem abends nicht mehr an die Römerquelle. Das beeinflusst auch den Verkehr in Finthen, besonders die Kurmainzstraße. Beschwerden bekomme ich vor allem über schlechte Verbindungen für Schüler. Busse sind total überfüllt, in der letzten Woche fiel der Bus in den Morgenstunden aus. Mit der Mainzer Mobilität wurde darüber gesprochen. Sie wollen sich die Probleme anschauen und im Frühjahr soll der Fahrplan nachjustiert werden.

Die Kurmainzstraße ist als Hauptverkehrsstraße täglich stark befahren. Gibt es Pläne, diese Straße zu entlasten?

Wir hatten im alten Ortsbeirat noch einen Antrag für eine Südumgehung gestellt, die Stadt hat das aber abgelehnt. Damit muss man jetzt leben. Wirkliche Alternativen gibt es für den Verkehr auf dieser Straße nicht. Es bleibt nur, an die Autofahrer zu appellieren, auch mal mit dem Rad zu fahren.

Der Layenhof als weiterer Stadtteil und Erweiterung zu Finthen - was halten Sie davon?

Dort soll in den nächsten Jahren mehr gebaut werden, Gewerbe und Wohnraum. An den Plänen soll auch die Öffentlichkeit beteiligt werden. Das hat der Zweckverband, der der Grundstücksverwaltungsgesellschaft untersteht, so beschlossen. Es ist auf jeden Fall ein sehr attraktives Wohngebiet. Einzig die Infrastruktur lässt zu wünschen übrig. Wenn es keine Infrastruktur gibt, überlegen sich die Leute schon, ob sie dorthin ziehen möchten. Eine gute Anbindung an den ÖPNV ist dringend erforderlich und wird vom Ortsbeirat ausdrücklich befürwortet.

Sind Sie mit dem neuen Bürgerhaus zufrieden?

Wir haben es schon ein paar Mal gesehen, wir waren auf der Baustelle. Es wird ein sehr funktionelles Gebäude mit vielen Räumen geben. Die erste Veranstaltung findet demnächst statt: Der Finther Carneval Verein hatte früh gebucht und die Zusage für eine Fastnachtssitzung im Februar. Die eigentliche Einweihung wird aber nicht vor Mai stattfinden. Wir liegen noch gut in der Zeit. Vergleiche zum BER gehören da aber in die Fünfte Jahreszeit.

Kann man in Finthen auch Urlaub machen?

In Finthen kann man durchaus auch Urlaub machen. Wir sind angeschlossen an die Fahrradwege. Man kann in das Selztal oder zum Rhein runterfahren. Die Gegend um Finthen lädt auch zu Wanderungen ein. Es gibt den Kleinen Finther Höhenweg, den Lennebergwald. Es ist auf jeden Fall ein schöner Stadtteil im Grünen.

Gibt es damit auch Probleme?

Über das Portal „Airbnb“ werden Übernachtungsmöglichkeiten und Ferienwohnungen in Finthen angeboten. Es werden also Menschen angeworben, hier Urlaub zu machen – natürlich mit Blick auf die Stadt Mainz. Aber das kann man als Lokalpolitiker nicht zulassen und sagen: Hauptsache, die Leute kommen! Und dabei nicht nach dem Wohin fragen, besonders bei der Wohnungsnot, die in Mainz herrscht. Die Landesregierung strebt hier eine Regelung an. Auch die Stadt Mainz schaut sich das auf der Grundlage der bestehenden Vorschriften an. Immerhin stehen die „Airbnb“-Angebote in Konkurrenz zu den Hotels.

Zum Abschluss: Beschreiben Sie Finthen bitte in drei Worten.

Dafür muss ich ein wenig ausholen. Die drei Begriffe, die ich mit Finthen verbinde: lebenswert – liebenswert und naturverbunden. Die ortsnahe Anbindung an Natur, das ist für mich eine ganz wichtige Sache. Die intakte Vereinswelt und drittens der Ur-Finther, den man auf der Straße trifft. Den Ur-Finther zeichnet seine Sprache, seine Offenheit und Ehrlichkeit aus.

Vielen Dank für das Gespräch, Manfred Mahle!

Das Interview führten Michelle Oesterheld und Denise Frommeyer. (rk/df)

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