Ortsvorsteher Kehrein über geplante Mülldeponie: „Ich bin ein absoluter Gegner“

Weisenau wächst - nicht zuletzt auch wegen des geplanten Heiligkreuz-Viertels. Was den Stadtteil lebenswert macht und welche Herausforderungen hier warten, darüber hat Merkurist mit Ortsvorsteher Ralf Kehrein (SPD) gesprochen.

Ortsvorsteher Kehrein über geplante Mülldeponie: „Ich bin ein absoluter Gegner“

Der Weisenauer Ortsvorsteher Ralf Kehrein (SPD) wurde im Juni in seinem Amt bestätigt. Inzwischen geht er in seine dritte Amtszeit. Im Merkurist-Interview spricht Kehrein über die Probleme in Weisenau, die geplante Mülldeponie im Steinbruch und darüber, was seinen Stadtteil ausmacht.

Merkurist: Herr Kehrein, was mögen Sie an Weisenau?

Ralf Kehrein: Es geht zwar mehr und mehr verloren, aber Weisenau ist ein eigentlich ein eher ländlicher Stadtteil, der durch viele Vereine und einen gewissen Zusammenhalt geprägt ist. Ich finde, das zeichnet Weisenau aus. Das findet man nur noch relativ selten in Mainz. Mir ist aber bewusst: Spätestens wenn das Heiligkreuz-Viertel gebaut worden ist, wird das sicher der Vergangenheit angehören.

Welche Probleme gibt es derzeit im Stadtteil?

Da gibt es zum einen die Diskussion um die geplante Mülldeponie im Laubenheimer Steinbruch, eine Deponie, auf der Abfälle der Stufe DK1 (mäßig belastete, nicht gefährliche Abfälle) und DK2 (belastete, nicht gefährliche Abfälle) entsorgt werden sollen. Die Deponie läge relativ nah am Wohngebiet Am Großberg, das betrifft aber auch Teile von Hechtsheim. Ich habe sehr viel Verständnis für die Bürger, die sich über die Folgen einer solchen Deponie natürlich Gedanken machen.

Ein weiteres großes Thema ist das Heiligkreuz-Viertel und die Frage der zukünftigen Verkehrsströme und der Anbindung dort. Indirekt ist auch ein möglicher Straßenbahnausbau ein großes Thema für mich. Wenn man mit 3500 bis 4000 neuen Bürgern an dieser Stelle rechnet, dann ist das der Umfang eines kleinen Stadtteils, beispielsweise in der Größe von Drais. Wir müssen sehen, wie wir dort eine ordentliche ÖPNV-Verbindung einrichten können. Ich glaube, das wird uns nur gelingen, wenn wir die Straßenbahnanbindung bis zum Heiligkreuz-Viertel ausbauen. Die betroffenen Ortsvorsteher-Kollegen teilen diese Meinung und nun planen wir im Januar eine gemeinsame Ortsbeiratssitzung der drei betroffenen Stadtteile (Weisenau, Oberstadt, Hechtsheim) mit Verkehrsdezernentin Eder, in der dieses Anliegen besprochen wird.

Wie wichtig ist das neue Heiligkreuz-Viertel für Weisenau?

Das Heiligkreuz-Viertel ist nicht nur wichtig für Weisenau, es ist wichtig für die ganze Stadt Mainz. Die Stadt benötigt dringend bezahlbaren Wohnraum und wir werden dort einen beachtlichen Prozentsatz davon bekommen. Weisenau hat in letzter Zeit auch noch andere kleinere Gebiete für die Wohnbebauung ausgewiesen. Zum Beispiel am Steinbruch. Es gibt aber auch Interesse an Eigentumswohnungen, die werden in Weisenau aber auch nicht günstiger sein als auf dem restlichen Mainzer Markt.

Welche Sehenswürdigkeiten bietet Weisenau?

Man muss unbedingt mal die Via Sepulcrum Mogontiaci gesehen haben, eine römische Gräberstraße. Auch das Museum in der Schiller-Grundschule ist sehr sehenswert. Darauf sind wir sehr stolz. Übrigens sind wir auch stolz darauf, dass Weisenau am Rhein liegt. Wir veranstalten einmal im Jahr einen Tag am Rhein, dann merkt man erst, wie schön es ist, dass unser Stadtteil direkt an einem Fluss liegt. Manchmal habe ich den Eindruck, dass neu hinzugezogene Weisenauer das gar nicht direkt verinnerlichen, denn Weisenau liegt wie ein Handtuch vom Rhein aufwärts Richtung Hechtsheim. Wer also auf dem Großberghang lebt, hat nicht unbedingt direkte Berührungspunkte mit dem Rhein. Wenn ich Freunde zu Besuch habe, dann sagen sie immer zu mir total begeistert: „Wenn wir mal umziehen, dann nur in eine Stadt, die an einem Fluss liegt“ (lacht).

Thema Oberbürgermeister-Wahl: Trifft es Sie als SPD-Politiker, dass Nino Haase in Weisenau besser abgeschnitten hat als der SPD-Kandidat Michael Ebling?

Es ist für Weisenau eine ganz neue Situation, dass ein Nicht-SPD-Kandidat mehr Stimmen als der SPD-Kandidat erhält. Ich denke, diese Entwicklung hängt mit der Diskussion um die Mülldeponie zusammen. Dafür habe ich zum Teil Verständnis, insbesondere für die Menschen, die direkt in dem Bereich an der Deponie wohnen. Einige von ihnen waren offenbar der Meinung, dass Nino Haase ein Stück näher an sie rangekommen ist. Das muss man akzeptieren. Es trifft mich aber, weil ich der Meinung bin, dass Michael Ebling unter dem Strich der richtige Oberbürgermeister für Mainz ist.

Wie steht es denn aktuell um das Projekt Mülldeponie im Steinbruch?

Aktuell stehen wir vor einer Anhörung, denn das Projekt muss ja zunächst genehmigt werden. Die Stadt Mainz hat die Genehmigungsunterlagen mit den ganzen Gutachten, die von der SGD-Süd gefordert worden sind, eingereicht. Nun sollen die Bürger gehört werden, die Einwände vorgetragen haben. Ich würde mir wünschen, dass diese Anhörung öffentlich stattfindet. So könnten alle Bürger, die interessiert sind, an der Veranstaltung teilnehmen. Nach meiner Kenntnis findet die Veranstaltung am 10./11. Dezember statt.

Mit welchen Fragen kommen die Weisenauer wegen der Mülldeponie auf Sie als Ortsvorsteher zu?

Viele Bürger interessiert, welche Schadstoffe dort abgeladen werden sollen und ob diese gesundheitsgefährdend für ihre Kinder sein könnten. Ich finde, wir sind es den jungen Weisenauern schuldig, dass wir genau hingucken. Wir müssen auch Wetterlagen und Winde im Auge behalten. Es geht besonders um die Jahre, in denen die Stoffe dort verkippt werden und zum Beispiel durch Wind weggetragen werden. Das kann man nicht einfach eingrenzen und es wird auch über die Deponie hinaus belastenden Staub in ganz Weisenau geben.

„Das soziale Leben in Weisenau ist wunderbar intakt.“

Wie stehen Sie selbst zur Deponie?

Ich bin ein absoluter Gegner. Wir hatten über viele Jahre, als „HeidelbergCement“ noch Eigentümer des Steinbruchs war, ein ganz klares Konzept. Der Steinbruch sollte mit unbelastetem Bodenmaterial wieder aufgefüllt werden. Dafür gibt es auch eine große Nachfrage. Als die Entsorgungsbetriebe das Gelände übernommen haben, wurde plötzlich eine andere Nutzung vorgesehen.

Was macht Weisenau aus Ihrer Sicht attraktiv?

Das soziale Leben in Weisenau ist wunderbar intakt. Das liegt meiner Ansicht nach auch an der tollen Vereinsstruktur, über die wir bereits gesprochen haben. Außerdem besteht eine gute Verkehrsanbindung, das ist für sehr viele Menschen wichtig. Der ÖPNV ist direkt an den Hauptbahnhof und an den Bahnhof Römisches Theater angebunden. Dazu direkt Autobahnauffahrten auf die A60. Das ist ein großes Plus gegenüber anderen Stadtteilen. Außerdem soll eine neue Grundschule entstehen: Wir gehen derzeit davon aus, dass sie zum Schuljahr 2022/2023 in Betrieb geht. Dann soll eine Ganztagsbetreuung angeboten werden. Momentan können wir eine solche Grundschule noch nicht in Weisenau anbieten, das sehe ich derzeit als Manko.

Zum Abschluss: Beschreiben Sie Weisenau bitte in drei Worten.

Lebenswert, liebenswert und im Wandel begriffen. Das sind zwar mehr als drei Worte, aber Weisenau befindet sich momentan eben im Umbruch - da reichen drei Worte nicht aus.

Vielen Dank für das Gespräch, Ralf Kehrein!

Das Interview führten Michael Meister und Peter Kroh. (df)

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