Ortsvorsteher Hand: „Jeder Parkplatz könnte auch Außengastronomie sein“

Fast 30.000 Menschen machen die Neustadt zum am dichtesten besiedelten Stadtteil von Mainz. Was den Stadtteil sonst noch ausmacht, erklärt Ortsvorsteher Christoph Hand (Grüne).

Ortsvorsteher Hand: „Jeder Parkplatz könnte auch Außengastronomie sein“

Er löste SPD-Politiker Johannes Klomann nach fünf Jahren im Amt ab: Christoph Hand ist seit Ende Mai neuer Ortsvorsteher der Neustadt. Merkurist hat den Grünen-Politiker und Landschaftsgärtner zum Interview getroffen.

Herr Hand, was muss man in der Neustadt gesehen haben?

Da hat man Einiges zu tun. Die Quartiersplätze sind auf jeden Fall ein Muss. Jeder hat seine Besonderheit, ob Szene-Treff mit Eisdiele, mit Spielmöglichkeiten, mit Wasserspielplatz. Die Plätze sind ausschlaggebend für unsere Neustadt. Demnächst kommt mit dem künftigen „Beethovenplatz“ ein weiterer dazu. Außerdem sollte man die Christuskirche gesehen haben, die kann man nicht übersehen. Auch die Grüne Brücke, die Südmole und die Kunsthalle sind einen Besuch wert. Und das Kleinkneipenwesen nicht zu vergessen - das ist sehr lebendig und vielfältig!

Was läuft gut in der Neustadt?

Das Zusammenleben funktioniert richtig gut, das Miteinander wird in allen Gesellschaftsschichten und Lebensphasen gelebt. Aber es kommen auch Herausforderungen auf uns zu, gerade beim Thema Klima. Da muss gegengesteuert werden.

Herausforderungen gibt es viele. Aber gibt es auch richtige Probleme im Stadtteil?

Da fällt mir so spontan nicht viel ein (lacht).

Wie wäre es mit dem Parkplatzproblem ...

Parkplatznot ist vielleicht so ein Thema. Die Parkplätze sind rar und das wird in Zukunft auch nicht besser werden. Dafür ist der öffentliche Raum nicht vorgesehen. Jeder Parkplatz könnte zum Beispiel Außengastronomie oder Spielmöglichkeit sein. Die Neustadt wird autoärmer werden. Dann fallen Parkplätze automatisch weg. Ich bin der Überzeugung, dass die Menschen, die in die Neustadt ziehen, gar kein Auto mehr mitbringen. Der Ruf nach autofreien Quartieren war sehr groß, das habe ich im Wahlkampf festgestellt.

Warum ist die Neustadt für junge Leute so attraktiv?

Das Kneipenwesen und die allgemeine Infrastruktur sind sehr gut. Die Anbindung per Rad und ÖPNV zur Universität ist gut. Den Bahnhof haben wir direkt vor der Haustür, von dort kommt man in die ganze Welt. Außerdem ist noch Wohnraum vorhanden und man wohnt zentral. Man muss aber aufpassen, dass keine Verdrängung stattfindet. Die Neustadt ist ursprünglich ein Arbeiterviertel; die Durchmischung, die die Attraktivität ausmacht, soll weiterhin bestehen bleiben.

Thema Verkehr: Die Rheinallee ist ein neuralgischer Punkt. Könnte es hier demnächst Tempo 30 geben?

Es gibt mittlerweile ein Lkw-Durchfahrtsverbot. Die Tempo-30-Zone ist im Ortsbeirat beantragt worden, der Antrag befindet sich derzeit in der Prüfung. Wir sind da sehr zuversichtlich, dass das kommt - und zwar für die komplette Rheinallee. Die Anwohner sollen gerade nachts mehr Ruhe bekommen. Die Rheinstraße hat das auch von 22 bis 6 Uhr und das hat sich bewährt. Daher wollen wir das auch.

Die Neustadt ist ja schon ein recht grüner Stadtteil. Wie wollen Sie das noch steigern?

Gerade Baumpflege ist mir auch aufgrund meines Berufs sehr wichtig. Da müssen wir dranbleiben. Regelungen für Dachbegrünung bei Neubauten gibt es bereits, ich wünsche mir dasselbe auch für Fassaden. Da entwickelt sich die Technik auch stetig weiter. Selbes gilt auch für das Thema Verkehr. Wie ich schon sagte, heutzutage haben nicht mehr alle ein Auto. Viele bewegen sich per Rad fort und das sollten wir ausbauen. Weiter begrünen, bestehendes Grün erhalten, autoärmere Viertel schaffen - das ist die Zukunft.

Beschreiben Sie die Neustadt in drei Worten.

Bunt, vielfältig, lebenswert.

Anmerkung der Redaktion: Die Aussage, dass die Neustadt noch zu viele Parkplätze hat, hat Herr Hand zwar sinngemäß, aber nicht wortwörtlich gesagt. Deshalb haben wir die Überschrift jetzt aktualisiert.

Das Interview führten Ralf Keinath und Denise Frommeyer. (rk)

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