Michael Ebling: So war mein Jahr 2019

Nur noch wenige Tage und das Jahr 2019 ist Geschichte. Merkurist hat Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD) zum Interview getroffen und mit ihm auf das vergangene Jahr zurückgeblickt.

Michael Ebling: So war mein Jahr 2019

Das Jahresende rückt näher - Zeit, eine Bilanz zu ziehen. Auch Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD) kann auf ein ereignisreiches Jahr 2019 zurückblicken. Mit Merkurist hat er über seine persönlichen Highlights und einen Ausblick auf das Jahr 2020 gesprochen.

Merkurist: Herr Ebling, wie blicken Sie auf das Jahr 2019 zurück?

Michel Ebling: Es war aus städtischer Sicht ein gutes Jahr. Wir konnten den Anteil von gefördertem Wohnraum erhöhen, werden das Haushaltsjahr mit einem Jahresüberschuss abschließen. Außerdem konnten wir das Projekt Aufwertung des Einkaufsstandorts Ludwigsstraße voranbringen und, was mich besonders freut, das sanierte und neu konzipierte Naturhistorische Museum wiedereröffnen.

Was war denn Ihr persönliches Highlight?

Mein persönliches Highlight war sicherlich der 10. November, als gegen 19 Uhr klar war, dass mein Arbeitsvertrag verlängert wird (lacht).

Hat der nicht immer ganz faire Wahlkampf Nachwirkungen auf die Arbeit des Stadtrats?

Ich hoffe nicht. Der Wahlkampf ist vorbei, der Blick geht jetzt nach vorn. Mit dem neuen Jahr will ich den Fraktionen im Rat sagen, dass es mehr gibt, was sie verbindet, als was sie trennt. Ich wünsche mir, dass wieder eine handlungsfähige Mehrheit zustande kommt. Da sehe ich auch die CDU in der Pflicht, die keine klassische Oppositionsrolle hat, sondern mit einer Dezernentin im Stadtvorstand vertreten ist und somit einen Gestaltungsauftrag hat.

Ein Moment, den Sie sicherlich nicht so schnell vergessen werden, ist der Brand der Rheingoldhalle im Mai. Wie haben Sie diesen Tag in Erinnerung?

Es war ein bewegender Tag, das ging sicherlich auch vielen Mainzerinnen und Mainzern so. Diese Halle ist ja so alt wie ich, sie gehört zur Stadt. Jeder hat dort schon mal eine Veranstaltung besucht. Das war also auf jeden Fall ein Schock, als ich dort Flammen aus dem Dach schlagen sah. Ich erinnere mich auch noch gut an den Brandgeruch, der über der Innenstadt hing. Es war ja erst auch nicht ganz klar, ob es ein Hotel- oder ein Hallenbrand ist. Ich muss sagen, dass alle einen Top-Job gemacht haben. Und dass man sich auf unsere Feuerwehr verlassen kann. Dass es so gut gegangen und keiner zu Schaden gekommen ist, war die beste Nachricht des Tages.

Wann wird die Rheingoldhalle wieder nutzbar sein?

Wir arbeiten mit Hochdruck daran, dass 2020 alles fertig wird. Im Mittelpunkt steht dabei vor allem der Große Saal, ob dann auch alle Außenarbeiten abgeschlossen sind, darüber will ich nicht mutmaßen. Bisher gibt es keine Anzeichen, dass das nicht gelingt. Perspektivisch soll die Rheingoldhalle 2021 komplett fertig saniert sein. Die Nachfrage ist groß und wächst, gerade im Kongressgeschäft, da spielt die Rheingoldhalle eine bedeutende Rolle.

Im Wahlkampf haben Sie das Thema Nachtkulturbeauftragter ins Spiel gebracht. Wie wollen Sie da weiter vorgehen?

Ich möchte es rasch anpacken. Ich bin davon überzeugt, dass wir die Nachtkultur stärken müssen und den Akteuren ein Sprachrohr bieten müssen. Auf der einen Seite stehen dabei die Anwohner, die dem Lärm ausgesetzt sind. Es gibt aber eben nicht nur das Recht auf Lärmschutz, sondern eben auch das Recht auf Veranstaltungen. Mir geht es dabei nicht um das Laute, sondern um Musik und Theater. Wir haben da ja schon ein schönes Angebot, aber eben auch die Reibungspunkte. Ich will da nicht gleich eine Stelle schaffen, ich werde eher in nächster Zeit mal einen öffentlichen Aufruf starten. Da stelle ich mir auch eine Pilotphase vor, um das mal auszuprobieren, auch um Erfahrungen zu sammeln, welche konkreten Aufgaben und Befugnisse eine solche Stelle bekommen sollte. Eine konkrete Person habe ich da aber noch nicht im Kopf.

Ein anderes Thema war die Landesgartenschau. Wie soll es da weitergehen?

Ich will, dass wir von den bisherigen Briefmarkenplanungen Abstand nehmen, also nicht immer nur auf einzelne Abschnitte schauen. Ich will, dass wir das in der Gesamtheit sehen und ein Gesamtkonzept entwickeln, ein grünes Band der Kultur von den Wallanlagen über das Römische Theater und die Zitadelle bis zum Rheinufer. Gerade Spuren aus der Römerzeit und dem Mittelalter finden sich hier wieder. Die Frage ist dabei auch, wie kann man diese ganzen Kulturstätten verbinden? Das müssen wir planerisch angehen. Und ich würde gerne dem Stadtrat vorschlagen, dass wir uns für die Landesgartenschau bewerben, um ein solches Gesamtkonzept im Rahmen einer solchen Veranstaltung umzusetzen.

Gerade am Rheinufer könnte sich ja bald einiges tun. Was wünschen Sie sich ganz persönlich für die Gestaltung?

Zum Beispiel eine neue Skateanlage. Ich bin jetzt zwar nicht die coole Socke, die auf Skateboards unterwegs ist, aber ich finde, es muss etwas Neues her. Die Anlage am Kaisertor ist ja doch etwas in die Jahre gekommen und hat ihren Reiz verloren. An der Stelle, wo sie steht, steht sie gut. Aber es muss etwas passieren - und es wird auch etwas passieren.

Was wünschen Sie sich für das Jahr 2020?

Persönlich wünsche ich mir nach diesem anstrengenden und intensiven Jahr zwar nicht, dass ich mehr Ruhe habe. Sonst hätte ich den falschen Beruf. Aber ich wünsche mir, Raum zu haben, um Ideen auch mal weiter zu denken. Es soll ein konzeptionelles Jahr werden, um die großen Themen anzugehen. Wandel wird weiter ein großes Thema bleiben, sowohl in der Gesellschaft als auch beim Thema Digitalisierung. Wir dürfen dabei aber nicht unseren Charakter verlieren, sondern wir sollten unsere Leichtigkeit und unseren Mainzer Humor bewahren. Dennoch braucht es auch viel Kraft, um diese Veränderungen durchzusetzen. Das sind viele Wünsche für 2020, aber das Jahr hat ja auch 366 Tage - da wird sich einiges machen lassen.

Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führten Ralf Keinath und Denise Frommeyer. (rk/pk)

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