Ebling: Unternehmen zeigen „große Neugier“ beim Standort Mainz

Mainz hat große Pläne. So soll die Stadt zu einem Biotechnologiestandort werden, der international sichtbar wird. Im großen Interview erklärt Oberbürgermeister Ebling, wie das funktionieren soll und welche Themen Mainz noch bewegen.

Ebling: Unternehmen zeigen „große Neugier“ beim Standort Mainz

Mainz steht vor großen Herausforderungen. Die Stadt will unter anderem im Windschatten der Biontech-Erfolgsgeschichte zu einem bedeutenden internationalen Biotechnologiestandort wachsen. Gleichzeitig versucht die Stadt, die Energiekrise zu meistern, ohne dabei auf Traditionen zu verzichten. Zudem möchte Mainz weiterhin ein sicherer Ort für die LGTBQ-Community sein und sich für deren Belange einsetzen. Wie dies nun alles genau angegangen werden soll und was dafür geplant ist, erklärt Oberbürgermeister Michael Ebling im ersten Teil des großen Merkurist-Interviews.

Herr Ebling, von dem Erfolg von Biontech hat Mainz in den letzten Monaten unglaublich profitiert. Nun will die Stadt die Gunst der Stunde nutzen und für möglichst viele weitere Biotechnologie-Unternehmen attraktiv werden. Wie wollen Sie das erreichen? Denn zuletzt war zu hören, dass zwei hoffnungsvolle Start-ups aus der Branche damit gedroht haben, Mainz zu verlassen?

Ebling: Wir haben große Pläne. Es gibt ein Momentum mit der Entwicklung, die Biontech genommen hat, dass der Impfstoff aus Mainz der weltweit erste war, der zugelassen wurde. Und dieses Momentum wollen wir natürlich auch weiterhin nutzen. Wir wollen ein Biotechnologiestandort werden, der auch international sichtbar ist. Dazu gehört, dass es mehr Laborflächen geben muss. Wir haben aktuell eine geringe Verfügbarkeit solcher Flächen, da wollen wir gegensteuern. So haben wir gesichertes Baurecht für das, was wir „hochschulnahes Gewerbe“ nennen. Also die Fläche, die über die Universität, die Koblenzer Straße geht, und 18 Hektar groß ist.

Dort haben wir im August mit der Erschließung begonnen. Jetzt erwarten wir die ersten Bauanträge für Laborflächen, sodass wir diese Lücke zügig schließen können. Wenn man mal die ersten Bauschritte sieht, dann ist das für viele begreifbarer, was sich dort tut. Wir sind natürlich mit einigen Firmen im Gespräch, wobei ich nicht die Sorge teile, dass einige Start-ups nun über Nacht abwandern wollen. Das Gegenteil ist der Fall: Wir merken, dass viele Firmen Interesse zeigen an unserem Standort. Biontech erweitert, wächst noch schneller, als wir vor einem Jahr vermutet haben. Das sind die guten Bedingungen, die es für alle attraktiv macht zu bleiben.

Aber sicherlich müssen wir gucken, dass wir jetzt diese Zeitspanne zwischen dem Wunsch nach neuen Laborflächen bis hin zur Realisierung möglichst kurzhalten. Das ist auch das, was wir den Firmen vermitteln können und wir schauen, wo noch einzelne kurzfristige Lösungen realisiert werden können. Vielleicht kann man hier noch auf Interimsbauten oder Container setzen, um zu verhindern, dass jemand Mainz verlässt. Ich glaube, dass wir das hinbekommen. Und wir sind in guten Gesprächen mit den interessierten Firmen.

Welche Firmen sind das?

Das sind Start-ups und mittelständische Betriebe bis hin zu namhaften Unternehmen, die ganz erkennbar auf uns aufmerksam werden, weil die Fachwelt sieht, was sich hier gerade in Mainz auf dem Feld der Biotechnologie tut. Letztere machen sich auch mit einer großen Neugier kundig über den Standort Mainz und wollen wissen, was uns auszeichnet.

Aktuell ist auch die Diskussion darüber, wie sicher die Städte für queere Menschen sind. In Mainz setzt man sich seit vielen Jahren bereits für die Gleichstellung der verschiedenen Lebensweisen ein. Wie sehen Sie hier die Entwicklung zumal zuletzt in anderen deutschen Städten queere Menschen körperlich angegriffen wurden und ein Mensch sogar getötet wurde?

Ich sehe das mit großer Besorgnis. Wir müssen hier als Stadt Haltung zeigen, für die Vielfalt einzustehen und gleichzeitig auch die berühmten ‚roten Linien‘ ziehen. Wir wollen weder dumme Witzchen noch physische Gewalt gegen einzelne Menschen oder Gruppen. Wir haben bereits in der Vergangenheit dafür gesorgt, dass queeres Leben in Mainz sichtbar ist:

Wir hatten etwa die Aktion ‚Ich lebe, wie ich liebe‘. Dafür haben wir Gesichter aus der Stadt gezeigt, die alle unterschiedliche Lebensstile beziehungsweise unterschiedliche sexuelle Orientierungen hatten. Da gab es damals eine große Plakataktion und sogar eine Straßenbahn machte auf die Aktion aufmerksam. Damit zeigen wir, dass diese diversen Lebensweisen einfach auch zum Mainzer Stadtbild dazugehören. Und ich nehme wahr, dass es in der Stadt auch ein Grundklima gibt, nach dem das für richtig und gut gehalten wird und die Menschen dafür auch eintreten, wenn es gefordert ist.

Nichtsdestotrotz hat mir die queere Szene anlässlich des CSDs noch einmal vermittelt, dass wir etwas mehr machen sollen gegen Gewalt und Diskriminierung. Wir sind nun so verblieben, dass wir das in unserem kommunalen Präventivrat besprechen, und dann mit Leuten aus der Zivilgesellschaft, der Polizei und den städtischen Ämtern eine Aktion starten, die sich explizit gegen die Gewalt gegen queere Menschen ausspricht und etwas für die Akzeptanz der LGBTQ-Community tut. Das kann dann zum Beispiel eine öffentliche Kampagne gegen Hasskriminalität im Netz und auf der Straße sein.

Wir kommen zu einem weiteren sehr emotionalen Thema: Die Energiekrise zwingt viele Städte harte Sparmaßnahmen zu treffen. Mancherorts wird nun sogar auch darüber diskutiert, die Weihnachtsbeleuchtung in den Städten abzustellen. Wie sieht es in Mainz aus?

Auch wir müssen Energie sparen. Das tun wir über die Absenkung der Temperaturen in öffentlichen Gebäuden oder auch den Schwimmbädern und vieles andere mehr. Ich sage aber auch: Ich möchte unsere Stadt nicht in Dunkelheit legen. Da gehört für mich dazu, nicht alles abzuschalten und bewusst Punkte, die für Orientierung und für Identifikation in der Stadt sorgen, weiterhin zu beleuchten. Das betrifft den Dom, er ist für mich das Bauwerk schlechthin in Mainz. Und es gehört eben auch dazu, dass wir die Weihnachtsbeleuchtung aufhängen und auch den Weihnachtsbaum aufstellen werden. Weil das in dieser Tradition, in der wir leben, dazugehört.

Es ist gerade jetzt wichtig, wenn es angespannter wird, den Menschen zu vermitteln, dass es Zuversicht gibt, und dafür steht insbesondere das Thema Licht. Licht schafft auch Sicherheit. Deswegen muss es beispielsweise die Weihnachtsbeleuchtung auch geben. Es wird dadurch auch nicht Energie wahllos verpulvert, zumal die moderne LED-Technik sehr effizient ist.

Vielen Dank für das Interview, Herr Ebling!

Das Interview führten Sandra Werner und Michael Meister.

Am Montag folgt Teil 2 des Interviews mit Oberbürgermeister Michael Ebling.

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