Ebling: „Das Rheinufer immer mehr zum Erlebnis machen“

Das Mainzer Rheinufer soll in den kommenden Jahren umfassend aufgewertet werden. Auch die Innenstadt soll wieder mehr Kunden anlocken. Wie die Stadt das nun angehen will, erklärt Oberbürgermeister Ebling in Teil 2 des Merkurist-Interviews.

Ebling: „Das Rheinufer immer mehr zum Erlebnis machen“

Die Stadt Mainz hat in den kommenden Jahren viel vor. So soll die Stadt beispielsweise im Windschatten der Biontech-Erfolgsgeschichte zu einem bedeutenden internationalen Biotechnologiestandort wachsen, wie Oberbürgermeister Michael Ebling in Teil 1 des großen Merkurist-Interviews erklärt hat.

In Teil 2 unseres Gesprächs mit dem OB geht es nun um die Aufwertung der Mainzer Innenstadt und des Rheinufers, das zu einem „Erlebnis“ für Bürger und Touristen werden soll.

Herr Ebling, die Mainzer Innenstadt ist von Corona hart getroffen worden. Viele Geschäfte kämpfen mit einem Kundenrückgang. Wie bewerten Sie die aktuelle Situation im Mainzer Einzelhandel und was plant die Stadt, um die City wieder attraktiv zu machen?

Ebling: Der Internet-Handel hat massiv Kundenströme verändert, das wurde durch Corona noch einmal verstärkt. Wir hatten natürlich schon vor Corona das Interesse, dass der Handel als Attraktivitätspunkt in der Innenstadt gestärkt wird, natürlich auch aus wirtschaftlichen Gründen. Handel bedeutet Arbeitsplätze, Umsatz, qualifizierte Ausbildung. Wir sehen aber leider auch, dass der Leerstand zugenommen hat. Der „Mainz Store“ direkt am Dom wäre beinahe der prominenteste Leerstand in Mainz geworden – da haben wir jetzt die Touristen direkt in die Stadt geholt und einen Informationsstandort geschaffen.

Zukünftig billigen wir dem Staatstheater nun noch mehr Platz zu, so dass dort nun ein neuer Ort für Musik und mehr Besucherfrequenz entstehen wird. Alles in allem wollen wir wieder mehr Menschen aus dem Umland für Mainz gewinnen. Wir wollen die Leute auch dazu bewegen, in die Stadt zu kommen, den Fachhandel zu besuchen und von der persönlichen Beratung zu profitieren, die es im Online-Handel eben nicht gibt. So gibt es einen Mehrwert für die Besucher. Und genau dies auch aufzuzeigen, darauf zielen die verschiedenen Kampagnen zur Aufwertung der Innenstadt ab.

Deshalb haben wir doppeltes Interesse, nochmal einen besonderen Fokus darauf zu legen, auf den Wert der Innenstadt hinzuweisen, auf ihre Schönheit und die Freude, dort einzukaufen und zu zeigen, dass der Fachhandel viel mehr zu bieten hat. Und so haben wir, neben den neuen Maßnahmen, einige andere Events zu bieten, wie „Mainz lebt auf seinen Plätzen“ und – dieses Jahr neu – der „Mainzer Sommer“ mit vielen Mitmach-Aktionen. Im nächsten Jahr wollen wir dann stärker auf die Initiative „Mainz leuchtet“ setzen. Die Leute sollen ein gutes Gefühl haben, wenn sie die Innenstadt besuchen.

Auch ein gutes Gefühl sollen die Mainzer und Touristen haben, wenn sie sich am Rheinufer aufhalten. Die Stadt will das Areal nun deshalb umfassend aufwerten. Was ist jetzt konkret geplant?

Wir wenden uns jetzt dem Kernbereich des Rheinufers zu, weil wir sehen, dass es dort eine Aufwertung braucht. Der erste Bauabschnitt beginnt bald. Der geht von der Theodor-Heuss-Brücke nördlich Richtung Tiefgarage Rheinufer. In der anderen Richtung öffnen wir das Rathaus hin zum Rhein mit einem Zugang zum Rheinufer und einer Gastronomie am Rheinufer.

Auch den Jockel-Fuchs-Platz öffnen wir hin zum Rhein, Stichwort „Barrierefreiheit“ und „Freitreppe“. Die Öffnung zum Rhein hin soll auch dazu beitragen, dass das, was heute als „abschirmend“ empfunden wird, sich ändert. Denn wenn ich vom Rhein zur Stadt hinschaue, sehe ich zunächst eine Mauer und fühle mich nicht eingeladen, in die Stadt zu gehen und sie zu erkunden. Es sind also viele Einzelmaßnahmen, die am Ende ein Bild ergeben, nämlich die Stadt zum Rhein hin zu öffnen, die Wege einfacher zu machen und vor allem, den Rhein immer mehr zum Erlebnis zu machen. Wir wollen die Flächen mehr begrünen und auch mehr Platz schaffen für die Leute, die dort flanieren. Auch die Schorletrinker beispielsweise sollen sich dort dann wohlfühlen.

Das wird nicht beim ersten Bauabschnitt gleich sichtbar sein, denn das ist der Abschnitt, auf dem auch zukünftig die Fahrgeschäfte an unseren Festen stehen werden. Hier erleben wir eine bauliche Aufwertung, aber es kann keine starke Begrünung erfolgen. Denn die Fahrgeschäfte brauchen ja einen festen Untergrund. Aber der zweite und der dritte Bauabschnitt werden mehr Grün, mehr Bäume, Wiesen und Pflanzen ans Rheinufer bringen.

Außerdem finde ich auch, dass wir das Thema Skater angehen müssen. Die bisherige Anlage ist gut frequentiert, aber alt und nicht mehr zeitgemäß. Da müssen wir von der Rheinufergarage bis zum Kaisertor auf alle Fälle eine gute Antwort finden für die Skater.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Ebling!

Das Interview führten Sandra Werner und Michael Meister.

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