Dieser Mainzer steht zu seiner High-Heels-Liebe

Rote Pumps, schwarze Pumps, mit Keilabsatz und als Stiletto: Der Mainzer Helge Buchholz hat über 130 Paar hohe Schuhe in seinem Schrank - und er steht dazu.

Dieser Mainzer steht zu seiner High-Heels-Liebe

Der Mainzer, der gerne High Heels trägt, kommt zunächst in blauen Sneakern zu seinem Besuch in die Merkurist-Redaktion. „Einfach, weil es heute morgen auf dem E-Scooter praktischer war“, sagt Helge Buchholz. In seiner Tasche hat er seine Pumps aber dabei. Sicher läuft er auf den schwarzen Acht-Zentimeter-Pumps durch das Büro. Dass er sie schon über 35 Jahre trägt, merkt man ihm an. Doch eigentlich hatte er sein Outfit anders geplant.

„Ich wollte heute einen bordeauxroten Pullover anziehen und hätte dazu passende Pumps gehabt. Ich mache mir über meine Outfits schon immer Gedanken“, erzählt Helge Buchholz im Interview. Dass nicht jeder Mann gerne High Heels trägt, weiß Buchholz auch: „Es ist natürlich etwas, was ein Junge normalerweise nicht macht.“ Trotzdem hat er schon früh seine Liebe für die Schuhe entdeckt.

„Ich habe irgendwann mal, mit ungefähr zwölf Jahren die Schuhe meiner Mutter probiert und fand das toll. Seitdem mache ich das“, sagt der 47-Jährige. Immer wieder habe er dann heimlich geübt, auf den hohen Schuhen zu laufen. „Ich mag die Ästhetik der Schuhe und die Perfektion. Das Gefühl, in einen High Heel zu schlüpfen, ist ein ganz anderes als bei allen anderen Schuhen. Ich fühle mich in hohen Schuhen wohler und bewege mich auch ganz anders.“

Erste Gehversuche im Dunkeln

Am Anfang war Buchholz auf seinen Schuhen in der Öffentlichkeit unsicher. Zu groß war die Angst vor negativen Kommentaren. „Die ersten Gehversuche habe ich mit Anfang 20 gemacht. Aber nur nachts im Dunkeln. Ich hatte immer mein Fahrrad dabei, damit ich schnell wieder wegfahren konnte“, erzählt der Mainzer. Mut und Aufwind habe er dann um die Jahrtausendwende über Internetforen bekommen. Dort konnte der 47-Jährige mit Menschen sprechen, die seine ungewöhnliche Vorliebe teilen.

Mittlerweile bewegt Helge Buchholz sich ganz frei in der Stadt auf seinen High Heels. Auch auf der Arbeit habe niemand ein Problem damit, wenn er seine hohen Schuhen trägt. „Manchmal sind meine Kollegen jetzt sogar enttäuscht, wenn ich nicht mit hohen Schuhen komme“, sagt Buchholz und lacht. Er sei froh, in einem jungen Unternehmen zu arbeiten, in dem es möglich sei, auch in hohen Schuhen zur Arbeit zu kommen.

„Wenn ich alleine bin oder ich mich mit Leuten treffe, dann gehe ich gerne mal mit hohen Schuhen aus dem Haus.“

In seinem Alltag achtet Buchholz darauf, wann er die hohen Schuhe trägt. Auch wer wann davon erfährt, ist ihm wichtig: „Ich erzähle das nicht beim ersten Treffen. Aber anderen meine Vorliebe mitzuteilen, war die erste große Erleichterung.“ Negative Erfahrungen habe der 47-Jährige bis jetzt noch nicht gemacht. Dennoch wissen seine Eltern von seiner Liebe zu hohen Schuhen bis heute nichts. „Ich bin jetzt aber alt genug, um mein eigenes Leben zu bestimmen“, sagt er.

Vorliebe für Pumps

Bei seinen Schuhen hat Buchholz eine bestimmte Vorliebe: „Pumps sind bei mir ganz weit vorne. Ich schätze, 70 Prozent meiner Schuhe sind Pumps.“ Rund 134 Paar hohe Schuhe hat der 47-Jährige im Schrank, dazu noch etwa 20 Paar flache Schuhe: In seiner Kollektion hat er fast alle Farben und Formen - nur Peeptoes mag er nicht, sagt Buchholz. Mit Schuhgröße 42 ist er „noch nicht auf Spezialgeschäfte angewiesen“. In den Läden gibt es mittlerweile aber eher hohe Schuhe bis zur Größe 41, deshalb muss er häufig online kaufen.

Ein Problem, das wohl viele Frauen plagt, die täglich auf hohen Schuhen unterwegs sind, kennt er auch: „Bequem sind die hohen Schuhe nicht“, erzählt Buchholz und lacht. Aber trotzdem: „Man bekommt gleich eine ganz andere Körperhaltung. Die Schuhe geben einem ein gutes Gefühl, das ist es wert.“

Eine Sache ist Buchholz aber besonders wichtig: „Man sollte sein Ding machen. Es gibt die Gruppenzwänge und die Gefahr gemobbt zu werden, die Frage, was sagen die Kollegen, aber letzten Endes kann ich selbst bestimmen, was ich in meiner Freizeit mache. Alle dazu ermuntern, das zu machen und auszuprobieren, wenn sie Lust darauf haben.“ (pk)

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