Vor 35 Jahren explodierte eine Bombe in der Mainzer Uni

Eine selbstgebastelte Bombe sorgte im Oktober 1986 für Angst an der Mainzer Uni. Sie ging im Büro des Leiters des Instituts für Publizistik hoch. Heute jährt sich der Vorfall zum 35. Mal.

Vor 35 Jahren explodierte eine Bombe in der Mainzer Uni

Einen 10-Liter-Benzinkanister, selbstgemachten Sprengstoff und eine 9-Volt-Blockbatterie – nur diese drei Dinge brauchte es, um in der Nacht des 17. Oktober 1986 Chaos im Institut für Publizistik (IfP) der Mainzer Uni anzurichten. Linksextremisten zündeten eine selbstgebastelte Bombe im Büro von Professor Hans Mathias Kepplinger. Heute jährt sich der Vorfall zum 35. Mal.

Bombe zerstört Büro des Institutsleiters

In der Nacht vor 35 Jahren glaubte Kepplinger selbst zuerst an einen schlechten Witz, als er von der Explosion hörte. 2012 erinnerte sich der frühere Leiter des Instituts in einem Gespräch mit der Studierendenzeitung „Publizissmus“ daran zurück, wie er noch in der Nacht angerufen wurde. Gegen 1 Uhr klingelte das Telefon. Ein Polizist sagte, es sei eine Bombe in seinem Büro explodiert, er solle sofort kommen. Kepplinger dachte, jemand wolle ihn auf den Arm nehmen und legte wieder auf. Wenige Momente später folgte der nächste Anruf mit den eindringlichen Worten: „Entweder Sie kommen jetzt oder wir holen Sie“.

Spätestens als er an seinem Büro ankam, muss ihm dann klar geworden sein, dass es sich nicht um einen Scherz handelte. Aus Zeitungsberichten von damals geht hervor, dass die Fenster zu Bruch gegangen waren, die Rollläden beschädigt und die Balkonballustrade aus der Halterung gerissen worden war. Im Büro wurden teilweise ganze Türrahmen aus den Angeln gerissen und ein schwerer Holztisch durch das Zimmer geschleudert. Verletzt wurde glücklicherweise niemand.

Bekennerschreiben kritisiert Professor

Bei der Polizei tauchte daraufhin ein Bekennerschreiben auf. Kepplinger und der Professorin Elisabeth Noelle-Neumann wurde vorgeworfen, sie würden angehende Journalisten im Sinne des US-Imperialismus instruieren und ausbilden. Die Arbeit des Instituts für Demoskopie in Allensbach, das Noelle-Neumann gegründet hatte, kritisierten die Täter als einseitig und beeinflussend. Außerdem würde Kepplinger mit Absicht eine irreführende Darstellung der Pressesituation in Deutschland verbreiten, weil er behauptet habe, es gäbe in Deutschland linke Zeitungen. Eine Auffassung, die die Täter nicht teilten.

Kepplinger selbst glaubt an einen anderen Hintergrund. Etwa einen Monat vor dem Anschlag gab es eine Demonstration gegen ein Treffen der NATO-Planungsgruppe im Hilton Hotel. Ein Teil der Demonstranten war dabei von der Polizei eingekesselt und verhaftet worden. Der Vorfall wurde „Mainzer Kessel“ genannt. „Die Aktion gegen das IfP war im Grunde ein Racheakt für diesen Mainzer Kessel“, sagte Kepplinger der Studierendenzeitung. Es sollte gezeigt werden, dass sich die linksextreme Szene auch von so etwas nicht einschüchtern lässt. „Es ging nicht primär um Noelle oder mich.“

„Das gravierendste ist, dass man alles was passiert, vor dem Hintergrund dieses Ereignisses interpretiert.“ - Hans Mathias Kepplinger

Schon kurz nach dem Angriff unterrichtete Kepplinger wieder. Und dennoch hatten sich einigen Dinge verändert. Mehrere Wochen lang wurde er Ziel von Trittbrettfahrern, die ihn am Telefon bedrohten. Hatte er zuvor oft bis spät am Abend im Institut gearbeitet, tat er das nach dem Angriff nicht mehr. Auch wenn er glaubte, dass ihn die Täter nicht verletzten wollten – schließlich explodierte die Bombe mitten in der Nacht – ließ ihn der Vorfall nicht los: „Das gravierendste ist, dass man alles was passiert, vor dem Hintergrund dieses Ereignisses interpretiert. Das ist wie ein Frame.“

Das ganze Publizissmus-Gespräch mit Professor Kepplinger lest ihr hier.

Logo