Neue Ausstellung in der Kunsthalle

Gerade hat in der Mainzer Kunsthalle die neue Ausstellung „Freiheit und Baum“ begonnen. Merkurist hat vorab ein paar Impressionen eingefangen.

Neue Ausstellung in der Kunsthalle

Seit dem heutigen Freitag läuft in der Kunsthalle in Mainz die neue Ausstellung „Freiheit und Baum“ von Latifa Echakch. Die auch international bekannte Künstlerin hat ihre Wurzeln in Marokko. Doch schon im frühen Kindesalter zog sie mit ihren Eltern nach Frankreich und wurde aus ihrem kulturellen Kontext entwurzelt. Mit neuen Zeichen und Objekten konfrontiert entwickelte sie eine Sensibilität für kulturelle Unterschiede und Materialien.

Das Besondere an ihren Installationen ist, dass sie nicht nur raum- sondern auch ortsbezogen arbeitet, weshalb sie in der Kunsthalle auch einen geschichtlichen Aspekt der Stadt Mainz verarbeitet: die Freiheitsbäume im Zusammenhang mit der französischen und gegenwärtigen Revolutionen. „Zuerst dachte ich an den romantischen Gedanken des deutschen Waldes. Als ich aber Baum im Zusammenhang mit Mainz googelte, stieß ich auf den Freiheitsbaum, ein Teil Geschichte, den ich vorher nicht kannte.“

Die Künstlerin wirft Fragen auf nach Nachhaltigkeit und Sinnhaftigkeit von Formen der Revolte. „Die Bilder zeigen Bewegung in verschiedenen Variationen. Sie erinnern an Bilder, die man wahrnimmt, wenn man durch ein Mikroskop blickt.“ Latifa Echakhch erinnern diese Bilder aber auch an Bäume, die dicht beieinander stehen, aber in einer Art „demokratischer Distanz“ nebeneinander wachsen und sich nicht gegenseitig einschränken.

Das Video „Sans Titre“, das ein wichtiger Kernaspekt in ihrer Ausstellung ist, hat die Künstlerin vor ungefähr 15 Jahren aufgenommen. Sie war geschockt, wie schnell die Spuren einer Demonstration beseitigt sind, so als wäre dort nie etwas geschehen. „Nach einer Demonstration kommt immer eine Reinigungsfirma. Die Straßen sind danach nass und leer, so als wäre nichts passiert“, sagt die Künstlerin.

Was bei den Arbeiten von Echakhch deutlich wird, ist, dass die Künstlerin ihre Werke sehr offen gestaltet, erklärt Stefanie Böttcher, Kuratorin der Kunsthalle. „Sie arbeitet auf so feine und zurückgezogene Weise und lässt Raum für Interpretationen in Verbindung mit Paradoxien, einer Möglichkeit von verschiedenen Lesrichtungen.“ Sie selbst empfinde zum Beispiel das schwarz getränkte Halstuch als gruselig. „Es scheint sich immer weiter mit der schwarzen Farbe vollzusaugen, bis es komplett eingefärbt ist.“ Das Interessante daran sei aber, dass es auch so gelesen werden könne, dass die Farben des Tuchs immer weiter aus dem Schwarz ausbrechen, erklärt sie.

Die Ausstellung bringe eine gewisse Melancholie mit sich und das Hauptthema sei auch Erinnerung, gefolgt von den Themen Revolution und Natur, erklärt Böttcher. Trotz der sehr reduzierten Mittel und der Wiederholungen schaffe die Künstlerin es, eine ganz spezielle Dichte zu erzeugen.

Die Installation „Freiheit und Baum“ können Besucher sich bis zum 20. Oktober in der Kunsthalle, Am Zollhafen 3-5, ansehen. Sie ist dienstags, donnerstags und freitags von 10 bis 18 Uhr, mittwochs von 10 bis 21 Uhr und am Wochenende von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Weitere Infos gibt es auf der Internetseite der Kunsthalle. (df)

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