„Hotel Havana“: Was der Rechnungsbeleg verrät

Zwei Frauen erheben in einem Instagram-Video schwere Vorwürfe gegen einen Mainzer Hotelier. Der Rechnungsbeleg des Hotels sorgt jetzt zumindest in einem Punkt für Aufklärung.

„Hotel Havana“: Was der Rechnungsbeleg verrät

Update vom 29.Juli: Das Landgericht Frankfurt hat am 15. Juli eine einstweilige Verfügung erlassen. Demnach wird es der Musikerin Wilhelmine Schneider und der Influencerin Alexa Grassmann untersagt, den unwahren Eindruck zu erwecken, Darvishi habe sie „aufgrund einer homosexuellen Orientierung aufgefordert, das Hotel zu verlassen“. Zu unterlassen sei außerdem die Aussage in dem Begleittext zum Video: „Kein Hotelinhaber sollte in einer intimen Situation Hotelgäst*innen belauschen und mit einem ‘Was machen Sie da?’ gegen Einverständnis ins Zimmer eindringen. Ich wurde weggedrängt, er hat seinen Fuß in die Tür gestellt, gesagt wir sollen gehen. War aggressiv und laut.“ Mittlerweile wurde das Video gelöscht. Weitere Infos gibt es hier.

Es sind schwere Vorwürfe gegen den Inhaber des „Hotel Havana“, Delkhosh Darvishi. Wie Merkurist berichtete (zum Artikel), werfen ihm die Musikerin Wilhelmine Schneider und die Influencerin Alexa Grassmann in einem Instagram-Video vom vergangenen Freitag vor, sie aus homophoben Motiven aus dem Hotelzimmer geworfen zu haben. „Kein Hotelinhaber sollte in einer intimen Situation Hotelgästinnen belauschen und mit einem ‘Was machen Sie da?’ gegen Einverständnis ins Zimmer eindringen“, heißt es in dem dazugehörigen Text zum Video.

Laut Inhaber Darvishi war die Situation jedoch anders. Statt der beiden Frauen habe ein Musiker das Zimmer für die Nacht von Mittwoch (22. Juni) auf Donnerstag (23. Juni) gebucht, weil er am Abend einen Auftritt in Mainz vor sich gehabt habe. Am Mittwochnachmittag sei der Musiker dann in Begleitung der beiden Frauen am Hotel angekommen. Weil Darvishi selbst nicht da war, habe der Musiker einen Hotelmitarbeiter gefragt, ob die Frauen kurz im Zimmer duschen könnten, während er sich schon auf den Weg gemacht habe. Aus dem „kurz Duschen“ seien dann eineinhalb Stunden geworden, sagt Darvishi.

Der Inhaber, der mittlerweile selbst im Hotel war, sei dann von seinem Mitarbeiter informiert worden, dass sich die beiden Frauen womöglich noch im Zimmer befänden. Als nach mehrmaligem Klopfen niemand die Tür geöffnet habe, sei Darvishi davon ausgegangen, dass niemand mehr da sei. Er habe nun versucht, das Zimmer mit dem Generalschlüssel zu öffnen. „Als ich den Schlüssel gerade herumgedreht habe, wurde sofort die Tür aufgerissen. Eine der beiden Frauen war sehr aggressiv und fragte mich, wer ich sei und was ich dort machen würde“, so Darvishi.

Hotel für eine Person gebucht

Darvishi bestreitet vehement eine homophobe Haltung, sagt: „Ich kannte die beiden Frauen überhaupt nicht, bin ihnen das erste Mal an der Zimmertür begegnet. Woher hätte ich denn überhaupt wissen sollen, dass sie ein lesbisches Paar sind?“

Wo sich beide Versionen ebenfalls widersprechen: Die Frauen bezeichnen sich in dem Post als „Hotelgästinnen“. Laut Darvishi war allerdings nur der Musiker, der nicht namentlich genannt werden will, Hotelgast. Das Zimmer könne zwar grundsätzlich auch von drei erwachsenen Personen genutzt werden, doch habe der Musiker nur für eine Person gebucht.

Das beweist auch der Rechnungsbeleg, der Merkurist exklusiv vorliegt.

Laut des Belegs wurde das Zimmer auch nur für eine Person bezahlt. Bucht man im „Hotel Havana“ das gleiche Zimmer für drei Personen, kostet es etwa doppelt so viel (160 statt 85 Euro). Der Name auf dem Beleg ist geschwärzt, stimmt aber mit dem Namen des Musikers überein, der sich bei Merkurist per Mail gemeldet hatte. Fest steht also: Hotelgäste im eigentlichen Sinne waren die beiden Frauen nicht.

Video zwei Tage später veröffentlicht

Zudem zeigt der Beleg: Das Zimmer wurde von Mittwoch auf Donnerstag gebucht. Das Instagram-Video mit dem Homophobie-Vorwurf haben Schneider und Grassmann also erst zwei Tage später (Freitag, 24. Juni) veröffentlicht. Zwar schreiben die beiden in dem Post nicht, von wann das Video stammt. Doch es könnte zumindest den Eindruck erwecken, als sei es kurz vorher aufgenommen worden.

Videokameras, die für Aufklärung sorgen könnten, gibt es im Hotel laut Darvishi nicht. Nach dem Instagram-Post vom vergangenen Freitag haben sich die beiden Frauen auch nicht mehr näher zu dem Vorfall geäußert. Alexa Grassmann hatte kurz danach noch den Namen des Hotels in ihrer Story genannt. Daraufhin gaben Hunderte User dem „Hotel Havana“ negative Google-Bewertungen, die mittlerweile aber größtenteils gelöscht wurden.

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