SWR schiebt Mainzer falsche Gender-Zitate unter

Aufregung um einen Beitrag des SWR-Formats „wirsindmainz“ auf Instagram. Obwohl ein Gesprächspartner im Video männliche Formen für die Mehrzahl verwendet, legt ihm die Redaktion in den Untertiteln Gender-Sprache in den Mund. Was der Sender dazu sagt.

SWR schiebt Mainzer falsche Gender-Zitate unter

„Neue Gender-Manipulation bei der ARD“, mit diesem Aufmacher veröffentlichte die „Bild“-Zeitung am Donnerstagmorgen einen Artikel, in dem sie den Instagram-Kanal „Wir sind Mainz“ vom SWR-Jugendsender „Dasding“ scharf kritisiert.

Was ist passiert?

In diesem wird der Mainzer Stadtwald-Ranger Fabian (21) vorgestellt. In kurzen Video-Storys berichtet er aus seinem Berufsleben, gendert bei seinen Formulierungen aber nicht. In den schriftlichen Untertiteln des Videos jedoch werden Fabians Aussagen so dargestellt, als würde er gendern. „Als Stadtwald-Ranger bin ich draußen im Wald unterwegs als Ansprechpartner für die Leute“ oder „Da kommt's auch mit Radfahrern, Spaziergängern, Joggern und Reitern öfter mal zu Konflikten“ – das sagt Fabian in den Videos.

Im Untertitel ist dann aber beispielsweise „Waldbesucher*innen“ statt „Leute“ zu lesen oder Radfahrer*innen, Spaziergänger*innen, Jogger*innen und Reiter*innen – Formulierungen, die Fabian so nicht verwendet hat. In seinem Artikel schreibt „Bild“-Autor Filipp Piatov dazu unter anderem über Fabian: „Seine Aussagen wurden umgeschrieben, weil sie ohne Gender-Stern nicht zur politischen Haltung des öffentlich-rechtlichen Instagram-Kanals passen.“ Piatov wirft der Redaktion also vor, sie habe Fabians Aussagen bewusst falsch in den Untertiteln umformuliert.

Namhafte CDU-Politiker wie Friedrich Merz oder der rheinland-pfälzische Vorsitzende Christian Baldauf stören sich am Gendern bei ARD oder ZDF schon länger. Ende August hatte Baldauf im Merkurist-Interview gesagt: „Der öffentlich-rechtliche Rundfunk muss sich an die geltenden Regeln und unsere verbindliche Sprache halten, das ist meine Meinung auch als Beitragszahler.“ Und: „Das verkompliziert die Sprache und konterkariert die Regeln, die wir im Duden haben. Wenn ich daran etwas ändern möchte, dann muss ich es diskutieren.“

Das sagt der SWR zum Vorfall

Doch was sagt der SWR zu dem aktuellen Vorfall? Eine Sprecherin teilt auf Merkurist-Anfrage mit, dass es sich bei den veränderten Video-Untertiteln in der Story von „wirsindmainz“ um einen „Fehler“ handele, für den der Sender die Verantwortung übernehme. Man halte eine Sprache, die unterschiedliche Geschlechter berücksichtig, grundsätzlich für wichtig, um niemanden auszuschließen. Aber: „Dies betrifft allerdings ausschließlich Texte, die von unserer Redaktion verfasst werden, Untertitel fallen nicht darunter. Wir haben dahingehend unsere redaktionellen Guidelines konkretisiert, um solche Missverständnisse und daraus folgende Fehler zukünftig zu vermeiden.“

Zwar gebe es beim SWR einen Leitfaden für den Umgang zur sogenannten geschlechtersensiblen Sprache, dabei handle es sich aber nicht um eine Muss-Vorgabe, sondern um eine „Orientierung“. Auch der gelte jedoch nur für Texte, die selbst von der Redaktion verfasst werden. Nicht jedoch für Aussagen von Gesprächspartnern wie in diesem Falle Fabian. Mit ihm waren die Untertitel nicht abgesprochen, wie die Sprecherin erklärt.

Und was sagt der SWR zu den Manipulations-Vorwürfen der „Bild“? „Wir möchten durch das Gendern unserer Beiträge niemandem vorschreiben oder belehren, sondern haben SWR-seitig beschlossen, dass uns eine geschlechterneutrale Sprache wichtig ist“, so die Sprecherin. „Das hat in unseren Augen nichts mit einer Manipulation zu tun. Allerdings hätten wir in den Untertiteln nicht gendern dürfen, dieser Teil der Kritik ist also durchaus berechtigt.“

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