Aufregung um „Scientology“-Stand vor Staatstheater

Ob nun Religionsgemeinschaft, Weltanschauung oder Kirche - die „Scientology“-Bewegung ist jedenfalls umstritten. In Mainz soll „Scientology“ zuletzt vermehrt für seine Belange geworben haben.

Aufregung um „Scientology“-Stand vor Staatstheater

Dem eigenen Selbstverständnis nach bezeichnet sich „Scientology“ als Kirche. Doch viele sehen das kritisch, manche bezeichnen „Scientology“ sogar als „Sekte“ - so auch Merkurist-Leser Alexander, der zuletzt beobachtet hat, dass „Scientology“ „immer öfter“ mit einem Infostand vor dem Mainzer Staatstheater vertreten gewesen sei.

Dass „Scientology“ in Mainz für sich wirbt, bestätigt auch das Landesamt für Soziales, Jugend und Versorgung (LSJV), wo man sich mit „Scientology“ beschäftigt. „’Scientology’ organisiert seit Jahren regelmäßig Infostände in der Mainzer Innenstadt“, so das LSJV. Wie häufig diese von der zuständigen Ordnungsbehörde genehmigt würden, könne das Landesamt aber nicht sagen.

„Scientology“ selbst erklärt auf Anfrage von Merkurist, dass man seit mittlerweile 30 Jahren in verschiedenen Städten und in verschiedenen Bundesländern über seine Religion und die Schriften des Gründers L. Ron Hubbard informiere. Dies sei auch in Mainz der Fall - „und das mag manchmal mehr, manchmal weniger sein“, so Michaela Gross von „Scientology“. Jedem Bürger stehe es frei zu entscheiden, sich an einem Informationsstand zu informieren - oder aber eben nicht.

„Gefährliche Theorien“ ?

An den Infoständen würde unter anderem auch mit dem „Dianetik“-Programm geworben werden, wie Leserin Namela angibt. „Ich habe mich mal dazugestellt und mitgehört, wie einer Frau das Dianeticsprogramm für ein besseres Leben angepriesen wurde.“ Doch was ist überhaupt Dianetik? Dabei handelt es sich laut „Duden“ um eine von L. R. Hubbard, dem Begründer von „Scientology“, vertretene Theorie, dass alle Krankheiten mit psychotherapeutischen Mitteln geheilt werden können. Diese Theorie halten Kritiker aber für gefährlich.

Das LSJV erklärt dazu auf Anfrage: „Kritiker beziehungsweise Aussteiger behaupten, dass insbesondere Menschen in Krisen- oder Umbruchsituationen empfänglich seien für die ‘Versprechungen’ von ‘Scientology’, wie beispielsweise ein erfolgreiches Leben. Habe man dann einmal mit dem umfangreichen Kurs- beziehungsweise Schulungssystem begonnen, falle ein Ausstieg oft schwer.“ Dem Landesamt sei zudem bekannt, dass zum Beispiel ein Persönlichkeitstest an Infoständen angeboten würde.

Aggressive Scientologen?

Wie Leserin Namela angibt, sei sie einmal an einem „Scientology“-Infostand „massiv bedroht“ worden, als sie einer Person, die sich dort informierte, erklärt habe, worum es bei dem Dianetik-Programm gehe. „Scientology“ weist solche Vorwürfe zurück. Die Mitglieder würden dazu angehalten, sich tolerant und respektvoll anderen gegenüber zu verhalten - so wie es dem eigenen Selbstverständnis entspreche, sagt Michaela Gross von „Scientology“.

Auch der Polizei liegen zumindest in Mainz keine Informationen über ein problematisches Verhalten von „Scientology“-Infostand-Mitarbeitern vor . „Mitteilungen über auffälliges oder aggressives Verhalten sind bisher nicht bei uns eingegangen“, so ein Polizeisprecher. (df)

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