Coronavirus: Mainzerin (28) seit drei Monaten ohne Geruchssinn

Es fing mit normalen Grippesymptomen an, doch auch drei Monate nach ihrer Corona-Infektion kann eine Mainzerin nichts mehr riechen. Wir haben mit ihr gesprochen.

Coronavirus: Mainzerin (28) seit drei Monaten ohne Geruchssinn

Zum ersten Mal merkte sie es beim Duschen. Als sich die Mainzerin Larissa (28) am Morgen des 11. März abgeduscht hatte, fühlte sie sich nicht frisch – obwohl sie doch gerade das Duschgel aufgetragen hatte. „Es war sogar ein sehr intensives, aber ich habe gar nichts gerochen“, erzählt Larissa gegenüber Merkurist. Weiter ging es beim Kaffee trinken. Der schmeckte nach: nichts. Ihr Geschmacks- und Geruchssinn waren komplett weg. Den Grund sollte sie erst rund eine Woche später erfahren: Im Italien-Urlaub Ende Februar hatte sich Larissa mit dem Coronavirus infiziert.

Zunächst hatte sie rund eine Woche später, ab 6. März, Symptome wie bei einer „normalen Grippe“, unter anderem starke Kopfschmerzen. Nach ein paar Tagen seien die Symptome aber wieder weg gewesen. „Schon am 9. März habe ich mich wieder topfit gefühlt.“ Dann sei noch einmal ein stärkerer Schnupfen gekommen, auch der sei aber schnell wieder weg gewesen. Doch dann waren am Morgen des 11. März plötzlich der Geschmacks- und der Geruchssinn weg. Larissa sagt: „Ein paar Tage habe ich überhaupt nichts mehr geschmeckt oder gerochen. Kein Bitter, kein Süß, kein Sauer. Gar nichts.“

Geruchssinn kam nicht wieder

In den folgenden Tagen hörte sie immer öfter davon, dass fehlender Geschmacks- und Geruchssinn Symptome der Covid-19-Erkrankung seien. Unter anderem hatte das der Bonner Virologe Hendrik Streeck in seiner Heinsberg-Studie herausgefunden. Auch Larissa war irgendwann klar, dass sie sich in Italien mit dem Coronavirus angesteckt haben musste. Ein Test am 20. März sorgte schließlich für Gewissheit.

Der Geschmackssinn sei im Mai langsam wieder gekommen. Vor allem süße Geschmäcker erkenne sie jetzt wieder deutlich, saure dagegen weniger. Larissas Geruchssinn ist hingegen bis heute noch weg – seit mittlerweile drei Monaten.

Laut Professor Peter R. Galle von der Universitätsmedizin Mainz berichteten rund zwei Drittel der Betroffenen über „reduzierte Geruchs- und Geschmacksempfindlichkeit, teils bis zum völligen Verlust“. Die Ursache sei noch nicht genau bekannt. „Eine Entzündung des Riechnervs wird diskutiert.“ Normalerweise kämen Geruchs- und Geschmackssinn nach durchschnittlich fünf Tagen wieder. Fälle wie der von Larissa seien ihm bisher nicht bekannt. „Die Patientin sollte sich auf jeden Fall bei einem Arzt vorstellen.“

Schwierige Arztsuche

Genau das habe Larissa auch versucht, doch einen Termin zu bekommen, sei gar nicht so leicht gewesen. „Meine Hausärztin hat mir sofort eine Überweisung zum Neurologen unterschrieben und mir auch empfohlen, zum HNO-Arzt zu gehen.“ Dort habe sie nach langer Wartezeit erst letzte Woche einen Termin bekommen – in Bingen. „In Mainz hieß es immer: Sie wissen nicht, wie sie mir helfen können, weil sie keine Erfahrung mit Corona haben.“ Beim Neurologen sei es genauso gewesen. Dort konnte sie noch immer keinen Termin bekommen.

Der HNO-Arzt in Bingen habe ihr erst einmal Cortison, Zink und Vitamin A verschrieben. Zudem soll sie noch eine Computertomographie und einen Geschmacks- und Geruchstest bekommen. Doch der Arzt habe sie gleich gewarnt: Es kann sein, dass der Geruchssinn nicht mehr zurückkommt.

Das Virus nicht unterschätzen

Seit sie nicht mehr riechen kann, merkt Larissa, wie oft im Alltag über Gerüche gesprochen wird. „Bei einem Spaziergang durch den Opel-Zoo sagte jemand: ‘Es duftet nach Jasmin’. Und ich rieche einfach gar nichts.“ Vor kurzem sei ihr ein Räucherstäbchen auf dem Tisch verbrannt und sie habe es nicht gemerkt. Immerhin nehme sie auch keine unangenehmen Gerüche mehr wahr. „Ich habe gestern am Sportschuh von einem Freund gerochen und natürlich überhaupt nichts gerochen. Er hat sich kaputtgelacht.“

Seit der Corona-Infektion habe sie auch immer wieder starke Kopfschmerzen bei Belastung. „Das hatte ich vorher nie“, sagt Larissa. Dass viele die Gefahr kleinreden, kann sie nicht verstehen. Für vorerkrankte Patienten kann die Infektion lebensbedrohlich sein, aber auch Gesunde können schwere Verläufe haben. Larissa sagt: „Man kann sich einfach sehr leicht anstecken. In Italien hatten wir zu niemandem engen Kontakt, weil das Thema Corona Ende Februar schon langsam aufgekommen war.“ Trotzdem habe sie sich angesteckt. „Es geht einfach sehr schnell, wenn man zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort ist.“ (nl)

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