Die Geschichten der Kirchen St. Emmeran und Altmünster

Das Mainzer Panorama wird von zahlreichen Kirchtürmen und Kuppeln gestaltet. Viele kennen zwar den Dom oder die Christuskirche, andere Kirchen sind aber oft nur wenig bekannt. Wie St. Emmeran und Altmünster. Welche Geschichten stecken hinter ihnen?

Die Geschichten der Kirchen St. Emmeran und Altmünster

Jeder Mainzer kennt die rote Sandsteinfassade des romanischen Doms Sankt Martin. Viele haben bereits die bunten Chagall-Fenster in der Hallenkirche Sankt Stephan betrachtet oder die Renaissance-Kuppel der Christuskirche bestaunt. Aber die Landeshauptstadt hat weit mehr Kirchen, die das Stadtbild auszeichnen und eng mit der Mainzer Geschichte verwoben sind. Merkurist-Leser Ingo fragt sich deshalb in einem Snip: „Sind kleinere Mainzer Kirchen, wie Sankt Emmeran oder Altmünster, nicht unterbewertet?“

Sankt Emmeran bereits im 8. Jahrhundert errichtet

In unmittelbarer Nähe der Römerpassage befindet sich Sankt Emmeran. Der weiße Putz bröckelt an einigen Stellen bereits von den Wänden und gibt den Blick auf altes Gestein frei. Die gotische Architektur kommt besonders im Inneren der Kirche zur Geltung.

Sankt Emmeran wurde tatsächlich an einer Straße der Römer erbaut. Diese verband ein Kastell mit der Rheinbrücke, wie das Institut für Geschichtliche Landeskunde an der Universität Mainz auf der Internetseite „regionalgeschichte.net“ angibt. Der erste Bau der Kirche geht auf das 8. Jahrhundert zurück und wurde anschließend mehrfach angepasst. Der Kirchturm von 1100 ist beispielsweise noch heute erhalten.

Bei einem Brand während des Zweiten Weltkriegs wurde die Kirche stark beschädigt. Die Orgel, das Taufbecken oder das Chorgestühl waren komplett zerstört. Erst 20 Jahren später fand ein umfangreicher Wiederaufbau statt. Nur dadurch wurde es möglich, dass Sankt Emmeran heute die italienische Kirchengemeinde von Mainz beherbergt. Die Gottesdienste werden hier auf Italienisch gefeiert. An einzelnen Tagen gibt es jedoch auch eine Messe in polnischer Sprache, wie das Katholische Dekanat der Stadt auflistet.

Altmünster: Erst Kloster, dann Entbindungsstation und schließlich evangelische Kirche

Die evangelische Altmünsterkirche liegt zwischen der Münster- und der Walpodenstraße. „Als einer der ältesten kirchlichen Orte in Mainz ist sie dennoch eher versteckt, obwohl Schiller- und Münsterplatz in nächster Nähe sind“, sagt Pfarrer und Vorsitzender des Kirchenvorstands Hendrik Maskus. Hinter der schlichten, weißen Fassade mit zwei Türmen verbirgt sich eine wechselhafte Geschichte.

Um 700 wurde ein Konvent für Frauen gegründet. „Davon ist aber nichts mehr erhalten, er lag auch 300 Meter vom heutigen Ort entfernt“, führt Maskus weiter aus. Ab 1802 wurde die Kirche erstmals von einer evangelischen Gemeinde genutzt. Maskus erklärt: „Die Altmünsterkirche wurde von Napoleon der Evangelischen Gemeinde als Kirche gegeben, so dass die Protestanten erstmals seit der Reformation eine eigene Kirche im katholischen Mainz hatten.“ Aus diesem Grund sei sich die Gemeinde ihrer ökumenischen Verpflichtung besonders bewusst.

Nur kurze Zeit später machte die französische Militärverwaltung die Kirche jedoch zu einer Entbindungsanstalt. Anschließend wurde das sakrale Gebäude als Lazarett gebraucht und schließlich wieder als Kirche genutzt. Im Zweiten Weltkrieg wurde Altmünster ebenfalls zerstört. Basierend auf den Grundmauern von 1650 wurde die Kirche in den 1950er Jahren wieder aufgebaut.

Für den Pfarrer ist die Altmünsterkirche ein Ort der Ökumene und vieler Konzerte. Eine Besonderheit sind die zwei Orgeln, die eine enge Zusammenarbeit mit der Musikhochschule ermöglichen. Angst, dass die Kirche in Vergessenheit gerät, scheint der Pfarrer nicht zu haben: Durch die zentrale Lage und das abwechslungsreiche Programm hofft Maskus, immer mehr Menschen ansprechen zu können. Deshalb ist die Altmünstergemeinde auch in sozialen Netzwerken aktiv.

„Vom Kloster, über die Kirche, dann der Universität geschenkt, schließlich Lager und wieder Kirche - das zeigt den Wandel der Stadtgeschichte eindrücklich.“ - Pfarrer Hendrik Maskus

Für Maskus verdeutlicht die Geschichte von Altmünster die Entwicklungen innerhalb der Stadt: „Vom Kloster, über die Kirche, dann der Universität geschenkt, schließlich Lager und wieder Kirche - das zeigt den Wandel der Stadtgeschichte eindrücklich.“

Gemeinden müssen Sanierungskosten selbst tragen

In seinem Snip fragt Leser Ingo, ob die Kirchen nicht renoviert werden könnten, um mehr Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Denn während an Sankt Emmeran die Farbe an einigen Stellen abbröckelt, wurde die Altmünsterkirche mit Graffitis besprüht. Das Bistum gab auf Nachfrage an, dass sich keine Initiativen der Stadt für die Erhaltung Mainzer Kirchen einsetzen. Die Renovierungsarbeiten müssen folglich von den Gemeinden getragen werden. Eine Sanierung ist letztendlich immer eine Kostenfrage.

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