Naturschwimmbad im Mainzer Zollhafen: Das ist der aktuelle Stand

Ein Schwimmbad ganz ohne Chlorwasser im Becken des Zollhafens – das ist die Vision des Mainzer Ingenieurs Alexander Kiefer. Aktuell arbeitet er rund um die Uhr daran, die Idee, die eigentlich von seiner Tochter stammt, tatsächlich umzusetzen.

Naturschwimmbad im Mainzer Zollhafen: Das ist der aktuelle Stand

„Im Kopf eigentlich Tag und Nacht“, antwortet Alexander Kiefer auf die Frage, wie viel er am Tag für sein Projekt „Heilige Makrele“ arbeitet. Unter diesem Namen will der Mainzer Diplom-Ingenieur ein Naturschwimmbad im Nordbecken des Zollhafens bauen. Die Idee dazu hatte eigentlich seine Tochter, die ihn bei einem Spaziergang am Hafen im April 2020 gefragt hatte, ob er nicht ein Schwimmbad in das Becken bauen könne. Im Februar dieses Jahres erzählte er dann in einem Merkurist-Gespräch, wie er sich das Bad vorstellt – von Wasser ohne Chlor, langen Bahnen zum Schwimmen und Holzdecks, auf denen man sich sonnen und entspannen kann.

„Es ist wie ein kleines Lebenswerk.“ - Alexander Kiefer, Heilige Makrele

Seit dem Gespräch ist viel passiert. Alexander Kiefer und sein auf Wasserbau spezialisiertes Ingenieurbüro „Francke + Knittel GmbH“ arbeiten täglich daran, die Idee in die Tat umzusetzen. „Es ist wie ein kleines Lebenswerk“, sagt Kiefer. Jede freie Minute nutzt er, um mit Verantwortlichen der Stadt, Behörden, den Stadtwerken, dem Ortsvorsteher der Neustadt oder dem Oberbürgermeister zu sprechen. Die Signale sind insgesamt sehr positiv, sagt er. Aber schnell war auch klar: Stadt und Stadtwerke werden sich finanziell nicht am Bau beteiligen.

„Wir kennen das Gebiet sehr gut und sehen natürlich Punkte, die gegen eine Realisierung sprechen“, sagte Daniel Gahr von den Stadtwerken bei einer Pressekonferenz zum Zollhafen im Mai dazu. Aber: „Wenn jemand etwas so engagiert in die Hand nimmt – und Herr Kiefer hat ja auch die Expertise – warum nicht?“ Von der finanziellen Absage lässt sich der Ingenieur nicht aufhalten. „Es kann auch eine Art Freiheit sein, die Finanzierung selbst aufzustellen und den Betrieb dann am Ende gegebenenfalls auch selbst zu übernehmen“, sagt er.

Machbarkeitsstudie soll Nutzen des Projekts zeigen

Um zu zeigen, dass das Projekt umsetzbar ist, erstellen er und sein Team aktuell eine Machbarkeitsstudie. Darin wird aufgezeigt, ob das Bad allen Kriterien entspricht, die für den Bau nötig sind. Themen sind unter anderem die Wasserqualität im Hafen, der genaue Betrieb, ob sich das Projekt trägt und ob genügend Stellplätze für Autos und Fahrräder vorhanden sind. Ein sensibles Thema dabei: Lärm. „Dabei muss man sich immer fragen: ‘Was passiert, wenn das Bad nicht kommt?’“, gibt Kiefer zu Bedenken. Weil das Schwimmbad nachts abgesperrt und bewacht werden soll, würde laut Kiefer weniger Lärm und Dreck entstehen als wenn das Bad nicht gebaut wird.

Und auch sonst stehe der Sache laut Kiefer nichts mehr im Weg: „Es gibt kein Ausschlusskriterium“, sagt er. 60 Seiten der Machbarkeitsstudie sind schon fertig, 20 fehlen noch. Wenn die Stadt die Pläne nach Fertigstellung geprüft hat, will sich das Team um Kiefer ab August um das genaue Finanzierungskonzept kümmern. Der Bau werde voraussichtlich eine Million Euro kosten, die wohl unter anderem mit Hilfe von Crowdfunding und Finanzierungsbeteiligungen gezahlt werden sollen.

2023 soll die „Heilige Makrele“ dann schon in den Testbetrieb gehen, 2024 folgt der Ausbau und 2025 dann der Vollausbau. Während der Testphase werden auch weiter Wasserproben entnommen, um zu sehen, ob eine biologische Filteranlage eingebaut werden muss. Proben aus dem Rhein der vergangenen drei Jahre hätten aber gezeigt, dass der Rhein die meiste Zeit über überraschend sauber sei.

„Es gibt kein Weck, Worscht und Woi. Es gibt Yoga, Achtsamkeit und Entspannung.“ - Alexander Kiefer

Wenn das Bad, das zwei Drittel des Nordbeckens einnehmen soll, dann fertig ist, soll es anders sein als andere Schwimmbäder. „Es gibt kein Weck, Worscht und Woi. Es gibt Yoga, Achtsamkeit und Entspannung.“ Alkohol, Fleisch oder eine Frittenbude wird man nicht finden. Stattdessen gibt es Entspannungskurse und gesundes Essen. Acht 50 Meter lange Schwimmbahnen sollen außerdem Schulen und Schwimmvereinen zum Training bereitstehen. Und auch der Umwelt soll das Bad mit seiner Begrünung und eventuell auch als Lebensraum für Fische zu Gute kommen.

Warum Alexander Kiefer so viele Arbeit in das Projekt steckt, kann er leicht beantworten. „Mainz ist meine Heimatstadt. Ich bin hier geboren, aufgewachsen, in Schule und Kindergarten gegangen, habe studiert und arbeite jetzt hier. Die ‘Heilige Makrele’ ist ein Leuchtturmprojekt für Mainz und für mich wäre es das schönste, wenn ich meiner Lieblings- und Heimatstadt so etwas schenken könnte.“

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