Impfversagen: OB Ebling rechnet mit Bundesregierung ab

In einem Merkurist-Interview zieht der Mainzer Oberbürgermeister Michael Ebling ein vernichtendes Zwischenfazit zur deutschen Impfpolitik. Sein Fazit: Die Bundesregierung hat es „vergeigt“.

Impfversagen: OB Ebling rechnet mit Bundesregierung ab

Obwohl Ende Dezember bereits der Mainzer Biontech-Corona-Impfstoff zugelassen wurde, hat sich die Krisensituation in Mainz und in viele Teilen Deutschlands nicht verbessert. Im Gegenteil: Seit Gründonnerstag dürfen die Mainzer wegen zu hoher Inzidenzzahlen ihr Zuhause zwischen 21 und 5 Uhr nur noch mit triftigem Grund verlassen (wir berichteten). Der Mainzer Oberbürgermeister, Michael Ebling (SPD), hat die Maßnahme im ersten Teil unseres Merkurist-Interviews zwar verteidigt, dass es überhaupt so weit kommen konnte, macht ihn aber wütend. Nun teilt er mächtig gegen diejenigen aus, die das Impfversagen seiner Ansicht nach zu verantworten haben.

Im zweiten Teil des Interviews mit Merkurist sagte Ebling: „Es wurde nicht geschafft, ausreichend Impfstoff zur Verfügung zu stellen.“ Es sei klar, so Ebling weiter, dass das Impfen der einzige Ausweg aus der Pandemie sei. „Und dieser Ausweg wurde vergeigt, das macht mich und das macht viele Menschen wütend. Alles was wir im Moment diskutieren, müssten wir nicht diskutieren, wenn wir in Deutschland ausreichend Impfstoff hätten. Und das tut weh!“ Besonders treffe ihn das, erklärte Ebling, als Oberbürgermeister der Stadt, in der der Impfstoff erfunden wurde.

Ebling zieht niederschmetternde Bilanz

Überaus frustrierend sind Eblings Angaben darüber, wie weit Mainz inzwischen bei den Impfungen sein könnte. „Wir hätten mit der Infrastruktur, die in Mainz bereits seit dem 15. Dezember bereitstand, jeden Tag realistischerweise 1000 Menschen impfen können. Wenn wir das hätten machen können, wären jetzt mehr als 100.000 Mainzer geimpft. Und wir hätten uns dabei nicht mal, salopp gesagt, überanstrengen müssen, um diesen Wert zu erreichen.“ Doch der dringend benötigte Impfstoff fehlt. Daher sind in Mainz (Stand 6. April derzeit nur knapp 7800 Menschen vollständig gegen das Corona-Virus geimpft.

Schuld an der niederschmetternden Impfbilanz in Deutschland seien die EU, aber noch mehr die Bundesregierung, erklärte Ebling weiter. Den aktuellen Zustand beschreibt der Oberbürgermeister sogar als „Desaster“. Eblings Fazit: „Es ist der Auftrag einer Bundesregierung, für den Schutz der Bevölkerung Verantwortung zu übernehmen und das wurde in diesem Fall vergeigt.“

Den gesamten zweiten Teil des Merkurist-Interviews mit Oberbürgermeister Michael Ebling könnt ihr hier lesen:

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