Ein kleiner rosafarbener Automat mit wechselnden Illustrationen tourt derzeit durch Mainzer Cafés. Hinter dem Projekt steht die 30-jährige Mainzerin Martina Leber, die mit ihrem Kunstautomaten „Rosie“ eigens für jedes Café gestaltete Drucke anbietet. Nach einem ersten Stopp im Café „Schnack“ ist der Automat derzeit in der „Dicken Lilli“ zu finden. Im August zieht er weiter in die „Fette Henne“, im September ins „Kavé“ und im Oktober ins „Après“.
Rosie, der Kunstautomat
„Die Idee hinter „Rosie“ ist einfach“, so Martina. Für jedes Café entwickelt sie eine eigene Druck-Serie mit „individuellen Designs für die jeweiligen Läden“, so Martina gegenüber Merkurist. Die Motive orientieren sich an Produkten oder der Einrichtung des jeweiligen Lokals. „Bei den Cafés sind das die jeweiligen Kaffees, Kuchen oder das Interior“, so Martina. Diese würden ihr als Inspiration dienen. Ergänzt werden die Illustrationen häufig durch kurze englischsprachige Sprüche. Die Entwürfe erstellt sie digital selbst auf ihrem Laptop. Anschließend werden die Motive in einer Mainzer Druckerei auf Karton gedruckt, von ihr zugeschnitten und in den Automaten gefüllt. „Jeder Druck wurde dabei einmal von mir angefasst und geschnitten“, so Martina.
Das Gerät ist ein Mini-Verkaufsautomat, der speziell für kleine Produkte wie Sammelkarten, Sticker oder Kunstprints entwickelt wurde. Mit einem Gewicht von rund zehn Kilogramm lässt er sich problemlos transportieren und in unterschiedlichen Cafés aufstellen. Martina hat den Kunstautomaten „Rosie“ getauft, „weil der Kunstautomat rosa ist und ich wollte, dass Rosie wie eine neue Einwohnerin von Mainz ist“.
Postkarte, Geschenkkarte oder Erinnerung an den Cafébesuch
Die Kunstdrucke haben eine Größe von sieben mal zehn Zentimetern und können beispielsweise als Postkarte, Geschenkkarte oder Erinnerung an den Cafébesuch verwendet werden. Für zwei Euro erhalten Besucher einen zufällig ausgewählten Print, für drei Euro vier Prints. Die Motive können nicht gezielt ausgewählt werden. Welcher Druck ausgegeben wird, entscheidet der Zufall.
Bevor eine neue Serie entsteht, besucht Martina das jeweilige Café, sammelt Eindrücke und stimmt die Motive mit den Betreibern ab. In der „Dicken Lilli“ umfasst die Serie insgesamt sechs verschiedene Illustrationen. Ihr persönliches Lieblingsmotiv zeigt einen Blaubeerkuchen mit dem Spruch „Life is not a piece of cake. Take this one“.
Die Zusammenarbeit mit den Cafés ist für beide Seiten unvergütet. Martina gehe es bei dem Projekt nicht um finanziellen Erfolg, sondern darum, lokale Kunst an die Menschen zu bringen und ihnen eine Freude zu machen. „Ich liebe einfach die Cafés“, so Martina. Diese profitieren dabei von zusätzlicher Aufmerksamkeit durch die individuellen Motive und die begleitende Berichterstattung auf Social Media. Martina wiederum kann ihre Arbeiten einem lokalen Publikum präsentieren. Auf die Cafés zuzugehen, war ihr „liebster Teil des ganzen Prozesses“, so Martina.
Zusätzliche Gewinnspiele
Außer den normalen Drucken kann man auch Gutscheine und Gewinnspiele aus dem Automaten ziehen. Vereinzelt befinden sich zwischen den Prints Gutscheine, die beispielsweise für kostenlosen Kuchen oder Zimtschnecken eingelöst werden können. Außerdem gibt es monatlich wechselnde Aktionen für Sammler, die alle Motive einer Serie erhalten. Zu den bisherigen Preisen gehörten unter anderem individuell angefertigte Porträts oder Kunstwerke von Martina.
Bis Oktober sind bereits alle Stationen des Kunstautomaten vergeben. Langfristig soll „Rosie“ nicht nur in Cafés, sondern auch in Mainzer Buchhandlungen und Floristikgeschäften zum Einsatz kommen. „Rosie soll an all ihre Lieblingsorte gehen“, so Martina. Perspektivisch kann sie sich außerdem Kooperationen bei Veranstaltungen in ganz Deutschland vorstellen.
Martina Leber stammt aus Mainz und studierte an der Johannes Gutenberg-Universität Publizistik und American Studies. Nach Stationen im Bereich Design und Creative Direction sowie in verschiedenen Agenturen machte sie sich im vergangenen Jahr selbstständig. Heute arbeitet sie als Traurednerin, Künstlerin und angehende Autorin. Ihr Leben beschreibt sie seit einigen Jahren als „Puzzle-Leben“.
Kunstszene mit Mainzer Geschäften verbinden
Auch unabhängig von dem Automatenprojekt beschäftigt sie sich mit Kunst. Im vergangenen Jahr präsentierte sie unter dem Titel „Mind Mazes“ ihre erste eigene Ausstellung. Darin verband sie Poesie und Kunst und setzte sich unter anderem mit Themen wie mentaler Gesundheit, Beziehungen und alltäglichen Momenten auseinander. Künftig plant sie zudem einen Etsy-Shop sowie eine Website, auf der ihre Tätigkeiten als Künstlerin, Traurednerin und Autorin gebündelt werden sollen.
Wo Rosie als Nächstes aufgestellt wird, veröffentlicht Martina regelmäßig über ihren Instagram-Kanal. Eines bleibt dabei unverändert: „Rosie“ soll erst einmal ausschließlich in Mainz unterwegs sein und die lokale Kunstszene mit inhabergeführten Geschäften der Stadt verbinden.