Überlastete Notaufnahme: Uni-Klinik plant neue Arztpraxis

Immer mehr Patienten suchen eine Notaufnahme auf, obwohl sie nicht schwer verletzt oder erkrankt sind. Auch in Mainz kommt es dadurch zu Überlastungen. Eine neue Arztpraxis direkt neben der Notaufnahme der Universitätsmedizin soll Abhilfe schaffen.

Überlastete Notaufnahme: Uni-Klinik plant neue Arztpraxis

Patienten warten mehrere Stunden, bis sie an der Reihe sind, Ärzte kommen nicht mehr hinterher: Immer mehr Menschen strömen in die Mainzer Notaufnahmen. Während 2012 noch rund 12.300 Patienten die Notaufnahme der Universitätsmedizin Mainz aufsuchten, waren es 2017 rund 16.450. Jedes Jahr stieg die Anzahl. Viele davon sind aber keine medizinischen Notfälle und müssten eigentlich einen Allgemeinmediziner aufsuchen. „Der Anteil der 'ambulanten' Patienten, also derjenigen, die nicht stationär aufgenommen werden müssen, liegt seit Jahren um die 50 Prozent“, sagt Univ.-Prof. Dr. Norbert Pfeiffer, Vorstandsvorsitzender und Medizinischer Vorstand der Universitätsmedizin Mainz.

Die Zahlen zeigten: Die Notaufnahmen der Krankenhäuser sind nach wie vor für viele Bürger neben dem Hausarzt die primäre Anlaufstelle. „Dabei ist es das originäre Aufgabengebiet einer Notaufnahme, sich um solche Patienten zu kümmern, die stationärer Behandlung bedürfen“, so Pfeiffer. Die Patienten werden deshalb derzeit nicht nach der Reihenfolge behandelt, in der sie zur Notaufnahme kommen, sondern nach der Dringlichkeit. Dafür werden sie in einer ersten Einschätzung in fünf Stufen eingeteilt: „Sofort“, „sehr dringend“, „dringend“, „normal“ und „nicht dringend“.

Zur Entlastung: Neue Praxis geplant

„Das Ersteinschätzungsverfahren stellt sicher, dass schwerkranke Patienten einer schnellen Behandlung zugeführt werden“, sagt Pfeiffer. Andererseits kommt es dadurch zu langen Wartezeiten und Unzufriedenheit bei leichter erkrankten Patienten. Doch schon bald könnte die Notaufnahme der Uniklinik entlastet werden: Neben internen Maßnahmen will die Universitätsmedizin zusammen mit der Kassenärztlichen Vereinigung Rheinland-Pfalz (KV RLP) eine allgemeinärztliche Praxis direkt neben der Notaufnahme einrichten. An einem gemeinsamen Empfang können dann die Patienten entweder in die eine oder andere Einrichtung geleitet werden.

Wann die neue Praxis eröffnet wird, ist noch unklar. Denn derzeit gibt es noch keine Rechtsgrundlage, die der KV den Betrieb einer solchen Praxis tagsüber an Wochentagen erlaubt. Deshalb habe die KV die Genehmigung eines entsprechenden Modellvorhabens beantragt. „Von den Genehmigungsbehörden wurde grundsätzlich die Akzeptanz des Vertrags in Aussicht gestellt“, so die KV RLP auf Anfrage von Merkurist. Auch die rheinland-pfälzischen Krankenkassen hätten dem Vorhaben bereits zugestimmt. „Leider sind die abschließenden Verhandlungen mit den Kassen wegen der Rücknahme ursprünglich gemachter Finanzierungszusagen ins Stocken geraten.“ Wie lange die Abstimmung zwischen den Kassen noch daure, sei unbekannt. KV und Unimedizin stünden aber bereit, das Projekt so schnell wie möglich in Angriff zu nehmen.

Patienten-Zuwachs auch am KKM

Auch zur Notaufnahme des Katholischen Klinikums Mainz kommen immer mehr Leute. „In den letzten vier bis fünf Jahren verzeichnen wir eine lineare Steigung der Patientenzahlen“, sagt Dr. med. Torsten Schmitt, Chefarzt der KKM-Notaufnahme. Jedes Jahr gebe es rund zehn Prozent an Patienten mehr, 2016 und 2017 seien es um die 35.000 gewesen. „Wir haben relativ viele Fachärzte und mit 30 Behandlungsplätzen ist unser Haus verhältnismäßig groß, deshalb kommen wir momentan trotzdem noch gut klar.“ Irgendwann komme die Notaufnahme aber an ihre Grenzen.

Sie hat allerdings einen weiteren Vorteil: „Der Weg zur Bereitschaftspraxis ist sehr kurz.“ Denn diese befindet sich nur rund zwanzig Meter entfernt zur Notaufnahme. Wenn also eine geschulte Pflegekraft einen Patienten gesichtet hat, der nur eine kleinere Erkrankung hat, kann sie ihn recht einfach zur Bereitschaftspraxis schicken. „Wir wollen mittelfristig noch besser mit der Praxis zusammenrücken“, sagt Schmitt. Außerdem wolle das KKM die Notaufnahme weiter professionalisieren.

Die Krankenhäuser machen Verluste, indem sie Patienten behandeln, die eigentlich kein Fall für die Notaufnahme sind: Im vierten Quartal 2017 erstattete die KV 38,36 Euro pro Patient an die Kliniken, die Kosten liegen aber darüber (wir berichteten). Die Kassenärztliche Vereinigung schlägt als Lösung für überlastete Notaufnahmen vor, die Patienten dort gezielt zu informieren und konsequent an Arztpraxen zu verweisen, wenn kein Notfall vorliegt.

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