Mietpreise in Mainz: Gewerkschaft schlägt Alarm

Privatvermieter sollen auf Mieterhöhungen verzichten

Mietpreise in Mainz: Gewerkschaft schlägt Alarm

Der Vorsitzende der Gewerkschaft IG BAU Rheinhessen-Vorderpfalz, Rüdiger Wunderlich, warnt die Immobilienwirtschaft davor, die Mietenspirale weiter nach oben zu drehen und damit die Inflation zusätzlich anzuheizen. Das geht aus einer Pressemitteilung vom Mittwoch hervor.

Nach aktuellen Daten des Pestel-Instituts aus Hannover, das im Auftrag der IG BAU Daten des Statistischen Bundesamtes analysierte, haben rund 8890 Mainzer Wohnungen sieben oder sogar mehr Räume. „Wer so eine große Wohnung hat, die ihm auch noch gehört, hat eine Sorge nicht: die Angst vor steigenden Mieten“, sagt Wunderlich. Aus der Analyse geht hervor, dass die Mainzer Bevölkerung auf insgesamt rund 9,4 Millionen Quadratmetern wohnt, die sich im Stadtgebiet auf 120.100 Wohnungen verteilen.

Wunderlich fordert nun Privatvermieter genauso wie Wohnungsgesellschaften auf, ihrer gesellschaftlichen Verantwortung nachzukommen. Dies bedeute, bei den Mieten Maß zu halten und auf Steigerungen weitgehend zu verzichten. „Gerade jetzt geht es darum, eines für den Wohnungsmarkt klar auszusprechen: Es ist ungehörig, die Zitrone weiter auszupressen. Ein Großteil der Haushalte wird durch die Kostenexplosion bei den Heizkosten ohnehin schon finanziell in die Knie gezwungen. Da darf nicht auch noch die ‚Mietenkeule‘ hinterherkommen.“

Umbau statt Neubau?

Darüber hinaus warnt die IG BAU vor einer „Lähmungsphase beim Wohnungsbau“. Angesichts der aktuell schwierigeren Neubaubedingungen wegen Materialengpässen, steigenden Materialpreisen, hohen Baulandpreisen und anziehenden Bauzinsen sei es dringend nötig, nach alternativen Wegen zu suchen. „Was wir jetzt brauchen, ist Flexibilität: Die Schaffung von neuem Wohnraum muss der Situation angepasst werden“, sagt der IG BAU-Bezirksvorsitzende Wunderlich.

Vor allem Wohnungsbaugesellschaften seien jetzt gefordert, Bauvorhaben zu „switchen“: „Wenn der Neubau nicht realisierbar erscheint, bietet gerade das Umbauen von vorhandenen Nicht-Wohngebäuden zu Wohnungen große Chancen. Der Umbau braucht deutlich weniger Material – und ist schon deshalb der passende Weg zu mehr Wohnungen in der Krise. Allein durch den Umbau von Büros, die durch das Etablieren von Homeoffice nicht mehr gebraucht werden, können viele neue Wohnungen entstehen. Und das deutlich kostengünstiger als im Neubau“, so der IG BAU-Bezirksvorsitzende.

Außerdem biete die Aufstockung von Dächern bei Wohnhäusern, die in der Nachkriegszeit bis zum Ende der 90er-Jahre gebaut wurden, ein enormes Potenzial: „Viele neue Wohnungen sind allein hier durch On-Top-Etagen möglich – und ebenfalls günstiger als jeder Neubau“, sagt Rüdiger Wunderlich. Es lohne sich, eine „Dachaufstockungs- und Umbau-Offensive“ zu starten.

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