Kommt das 365-Euro-Ticket für Familien im Raum Mainz?

Noch gibt es keinen Nachfolger für das kürzlich ausgelaufene 9-Euro-Ticket im ÖPNV. Dafür gibt es seit September ein 365-Euro-Jahres-Ticket für Schüler in Mainz. Doch wäre auch ein Familien-Ticket zum selben Preis vorstellbar? Das sagt der RMV.

Kommt das 365-Euro-Ticket für Familien im Raum Mainz?

Seit rund einem Monat gibt es in Mainz das 365-Euro-Ticket für Schüler und Azubis. Eltern können damit 223,60 Euro pro Kind und Jahr gegenüber dem alten Fahrpreis sparen. Für Leser Henrik geht diese Preissenkung aber noch nicht weit genug. Für ihn wäre „ein sozialverträgliches Familienticket für 365 Euro die erste richtige Verkehrswende“, so seine Forderung. Doch ist das überhaupt realisierbar?

Zuschüsse im Millionenbereich erforderlich

Der Mainzer Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD) hat zumindest Verständnis für eine solche Idee, wie er Merkurist gegenüber erklärt. „Ich war immer dafür, dass man den Ticketpreis im ÖPNV günstiger macht.“ Denn die dauerhafte, regelmäßige Erhöhung sei an einer „Schallmauer“ angekommen, an der die Akzeptanz des ÖPNV drunter leidet. Wenn man möchte, dass mehr Menschen den ÖPNV nutzen, dann müsse man ihn günstiger machen, sodass er preislich attraktiv bleibe. „Generell braucht es ein Ticket, so wie wir das beim 9-Euro-Ticket gesehen haben – mit dem man überall hinfahren kann und nicht gucken muss, ob man für den nördlichen Zipfel von Frankfurt schon wieder ein anderes Ticket brauche als das, was ich gerade nutze“, so Ebling. Über die Höhe eines solchen Preises dürfe jetzt noch einmal nachgedacht werden.

Und wie sieht der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) die Möglichkeit für ein solches Ticket? „Grundsätzlich ist der ÖPNV ein Zuschussgeschäft“, so eine RMV-Sprecherin. Schon die regulären Ticketpreise hätten vor Corona und der Energiekrise nur etwa die Hälfte der Kosten des ÖPNV abgedeckt. Die andere Hälfte komme vonseiten der öffentlichen Hand. Jeder Euro, der bei den Tarifeinnahmen fehle, müsse vom Steuerzahler ausgeglichen werden, wenn das Leistungsangebot erhalten bleiben solle.

Für Sonderangebote, wie zum Beispiel das Schülerticket, müssten die geringeren Einnahmen dann zusätzlich zu den ohnehin gezahlten Zuschüssen ausgeglichen werden, so die RMV-Sprecherin. Dass das Schülerticket seit September auch jenseits von Hessen in Mainz verfügbar ist, liege an Zuschüssen im Millionenbereich, mit denen die Stadt Mainz die Mindereinnahmen kompensiere. „Ein 365-Euro-Ticket, das für die gesamte Familie gilt, würde ein Vielfaches dieser Summen benötigen – und das in einer Zeit, wo der ÖPNV schon aufgrund der Kostensteigerungen ohnehin deutlich mehr Geld benötigt, um alleine schon den Betrieb aufrecht zu erhalten.“

Unabhängig davon, ob nun demnächst ein 9-Euro-Nachfolgeangebot für ÖPNV-Nutzer kommt, plane der RMV ein neues Angebot für „Seltennutzer“, für die sich eine Zeitkarte bisher nicht lohne. „Mit dem RMV-SparPass können Fahrgäste ab dem 1. Januar 25 Prozent beim Kauf einer Kurzstrecke, Einzel- oder Tageskarte für Erwachsene sparen“, so die RMV-Sprecherin. Der SparPass koste dann zehn Euro und sei für 30 Tage gültig. In dieser Zeit funktioniere er wie eine BahnCard: Wer den SparPass besitzt, kann damit vergünstigte Tickets kaufen.

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