Könnte die Mombacher Hochbrücke bald so aussehen?

Grün statt grau, Fußgänger statt Autofahrer - so stellt sich ein Wiesbadener Architekturbüro die Zukunft der Mombacher Hochbrücke vor. Mit dieser Idee will es den Abriss verhindern und die Stadt schöner und umweltfreundlicher machen.

Könnte die Mombacher Hochbrücke bald so aussehen?

Eigentlich ist das Schicksal der Mombacher Hochbrücke schon besiegelt. Die 1969 erbaute, marode Verbindungsstraße soll in zehn bis 15 Jahren abgerissen werden; schon im Mai dieses Jahres wird sie nicht mehr befahrbar sein (wir berichteten). Mit diesem Plan der Stadt haben sich aber nicht alle abgefunden. Schon vor einigen Jahren hatte der Architekturprofessor Emil Hädler die Idee, nur einen Teil der Brücke abzureißen und stattdessen Wohnungen unter und auf ihr zu bauen. Jetzt kommt eine weitere Vision hinzu. Das Wiesbadener Architektur- und Designbüro „3deluxe“ will die Brücke in einen begrünten Treffpunkt für alle umwandeln.

„Unsere in Mainz wohnenden Mitarbeiter beobachten schon länger die Diskussion um die Mombacher Brücke“, erklärt Rebecca Zentgraf von „3deluxe“. „Die aktuelle Nachricht, dass die Brücke nun für einen zweistelligen Millionenbetrag abgerissen werden muss, hat uns dazu veranlasst, eine alternative Nutzung der Hochbrücke anzudenken, die auf der einen Seite Kosten einsparen und auf der anderen Seite eine enorme Attraktivierung des Mainzer Stadtraumes bewirken könnte.“

Aus Hochbrücke wird Mainzer Highline

Unter dem Namen „Mainzer Highline“ will das Architekturbüro einen multifunktionalen, umweltfreundlichen Raum für Mainzer und Besucher der Stadt auf der Brücke erschaffen. Menschen sollen dort zusammenkommen und kulturelle, gastronomische, aber auch sportliche Angebote wahrnehmen können. Visualisierungen des Architekturbüros zeigen, wie das Ganze aussehen könnte:

Die heute graue Brücke soll dann grüner und nicht mehr für Autos, sondern für andere Verkehrsteilnehmer nutzbar werden. Die Straße wäre dann zu Fuß begehbar, aber auch mit dem Rad oder E-Scooter. Es könnte dort unter anderem Street-Food-Märkte, Flohmärkte, Sportangebote wie einen Kletterpark, Theater und Konzerte sowie kleine Gärten geben. Bisher ist all das aber noch Zukunftsmusik.

Noch viele Fragen offen

„Wir haben dieses Konzept aus freien Stücken sehr kurzfristig erstellt, nachdem klar war, dass der kostspielige Abriss kommen wird“, erklärt Rebecca Zentgraf. „Es wird aus Gründen der Nachhaltigkeit in Zukunft immer wichtiger werden, über mögliche Nachnutzungen von Bauwerken gründlich nachzudenken, ehe man sie abreißt. Unser Vorschlag soll ein Beitrag dazu sein.“ Bevor man ihn der Stadt unterbreite, wolle man erst einmal abwarten, wie er sonst ankommt.

Dementsprechend sind auch noch viele Fragen offen. „Die Kernfrage ist, ob die Brücke im jetzigen Zustand unseren Nutzungsvorschlag zulassen würde oder welche Maßnahmen man gegebenenfalls treffen müsste, um dies zu gewährleiten“, sagt Zentgraf. „Wichtig wäre auch zu klären, ob eine rein fußläufige Nutzung im jetzigen Zustand genehmigungsfähig wäre.“

„Wir gehen davon aus, dass man weit unter den Abrisskosten bleiben würde und für die anfallenden Kosten wenigstens einen zusätzlichen Nutzen hätte.“ - Rebecca Zentgraf

Auch wie viel die Umsetzung der Vision des Architekturbüros am Ende kosten würde, hänge von mehreren Faktoren ab: „Das kann man derzeit nicht beziffern, da nicht klar ist, wieviel Leistung Eigenleistung sein könnte oder lokale Sponsoren tragen würden.“ Man müsse im nächsten Schritt eine Aufstellung machen, welches Budget die Stadt in die Brücke stecken müsste, um die Brücke für die Umnutzung herzurichten und beispielsweise Radwege zu bauen. „Wir gehen davon aus, dass man weit unter den Abrisskosten bleiben würde und für die anfallenden Kosten wenigstens einen zusätzlichen Nutzen hätte.“

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