Über Nacht: Ukraine-Flüchtlinge mussten raus aus Unterkunft

Am Donnerstag erfuhren einige ukrainische Familien, dass sie ihre Unterkunft in der Gonsenheimer Housing Area verlassen müssen – und zwar am nächsten Tag. Die Stadt Mainz hatte wohl ihre Gründe, die vor Ort aber bezweifelt werden.

Über Nacht: Ukraine-Flüchtlinge mussten raus aus Unterkunft

Ende Februar bereits, kurz nach Ausbruch des Kriegs in der Ukraine, hatte die Stadt Mainz begonnen, Unterkünfte für die flüchtenden Menschen bereitzumachen. Zu den ersten Häusern, die hergerichtet wurden, zählten diejenigen auf dem ehemaligen Kasernengelände in Gonsenheim, der so genannten Housing Area. In drei Häusern wohnen hier seitdem Geflüchtete – nicht nur aus der Ukraine, sondern auch aus anderen Ländern.

Am vergangenen Donnerstag dann hing in den Gängen des ersten Hauses, in dem vor allem Frauen mit Kindern untergebracht sind, ein Papier. In knappen Worten stand dort auf Deutsch und Ukrainisch: „Es kam die Abordnung der Stadt Mainz, dass Sie ab morgen in die Generaloberst-Beck-Straße umziehen.“

Martin Rupps, der seit Jahren ehrenamtlich in den Häusern arbeitet, war genauso schockiert wie die Familien, berichtet er gegenüber Merkurist. „Die Leute wohnen seit vielen Wochen hier, sind teilweise im Stadtteil integriert, die Kinder gehen hier zur Schule.“ Und nun sollten 35 von ihnen an das andere Ende der Stadt ziehen: von Gonsenheim nach Hechtsheim. Warum also diese Nacht- und Nebel-Aktion der Stadt?

Besser für Familien geeignet?

Eine Pressesprecherin der Stadt bestätigt, dass der Umzug tatsächlich so kurzfristig angeordnet wurde. Die Menschen, so die Sprecherin, seien in die General-Oberst-Beck-Straße sowie ins Hotel Schwan am Liebfrauenplatz gebracht worden, in dem die Stadt Zimmer angemietet hat. Die Räume dort seien besser für die Unterbringung von Frauen mit Kindern geeignet. „Wir gehen davon aus, dass somit auch die Integration erleichtert wird.“ Der betreffende Bereich in der Housing Area sei nur für für eine vorübergehende Unterbringung von Frauen mit Kindern vorgesehen und erst seit zwei bis drei Wochen belegt.

Martin Rupps hingegen wundert sich über diese Aussage. Die Menschen dort lebten bereits seit vielen Wochen dort und wollten auch bleiben. Die Räume seien sehr gut für Familien geeignet, im Gegensatz zu einem Hotelzimmer oder dem ehemaligen Studierendenwohnheim in Hechtsheim, wo es nur winzige Zimmer und sehr kleine Küchen gibt.

Konflikte befürchtet

Rupps selbst erfuhr bei einem Mitarbeiter des zuständigen städtischen Sozialamts, dass das barrierefrei gestaltete Haus für Menschen mit Einschränkungen freigehalten werden soll. Was Rupps daran nicht versteht: Warum müssen dann sofort pauschal alle Familien ausziehen und nicht einzelne, sobald Bedarf besteht? Zum anderen seien die Räume für alleinstehende minderjährige Flüchtlinge vorgesehen. Das erklärt die Stadt auch gegenüber Merkurist. Dabei gebe es, so Rupps, anders als bei den Flüchtlingen aus Syrien, so gut wie keine Minderjährigen, die alleine aus der Ukraine anreisen.

„Die Menschen leben hier friedlich miteinander“ – Martin Rupps

Außerdem würden Konflikte befürchtet, habe der Mitarbeiter des Sozialamts zu Rupps gesagt – weil im selben Gebäude zum Beispiel Menschen aus Somalia wohnen. „Die Menschen leben hier friedlich miteinander, es gab noch nie Probleme untereinander, zumal leben die verschiedenen Nationalitäten in unterschiedlichen Etagen“, so Rupps dazu. Er befürchtet sogar, dass Konflikte erst entstehen, wenn man die Menschen trennt.

„Vorübergehend ist für die Menschen im Moment alles“, so Rupps. Daher sei es besonders für die Kinder nicht hilfreich, sie nach Wochen des Einlebens einfach in einen ganz anderen Stadtteil zu verlegen. „Ich kann das jedenfalls in keinster Weise nachvollziehen.“

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