Ein an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) entwickelter Therapieansatz zur Behandlung von Multipler Sklerose (MS) macht einen wichtigen Sprung in Richtung klinischer Anwendung. Wie die Universität mitteilt, wird die Weiterentwicklung eines speziellen Wirkstoffpflasters mit 1,1 Millionen Euro gefördert. Dieses soll die Reparatur von geschädigten Nervenhüllen anregen.
Bei der Autoimmunkrankheit MS wird die Schutzschicht der Nervenfasern, die sogenannte Myelinschicht, angegriffen. Bisherige Therapien können zwar Entzündungen hemmen, aber eine zugelassene Behandlung, die bereits entstandene Schäden repariert, gibt es bislang nicht. Genau hier setzt das Mainzer Forschungsteam um Professorin Claire Jacob an.
Bekannter Wirkstoff in neuer Anwendung
Seit über 20 Jahren erforscht Jacob die molekularen Mechanismen zur Erneuerung von geschädigtem Myelin. Ihr Team fand heraus, dass das Enzym HDAC2 dabei eine entscheidende Rolle spielt. Auf der Suche nach einem Weg, dieses Enzym zu aktivieren, stießen die Forscher auf Theophyllin – einen Wirkstoff, der seit Jahrzehnten in hoher Dosis bei Asthma eingesetzt wird. In Versuchen mit Mäusen zeigte sich, dass Theophyllin in niedriger Dosierung den Wiederaufbau von Myelin fördern kann.
Um den Wirkstoff konstant in der nötigen geringen Konzentration abzugeben, entwickelte das Team gemeinsam mit der Arbeitsgruppe von Professor Peter Langguth ein transdermales Pflaster. Dieses gibt über mehrere Tage eine kleine Menge Theophyllin über die Haut ab.
Millionen-Förderung für nächsten Entwicklungsschritt
Mit der neuen Förderung über 1,1 Millionen Euro durch die ForTra gGmbH, eine Tochter der Else Kröner-Fresenius-Stiftung, kann nun der nächste Schritt erfolgen. „Mit dieser Förderung kommen wir unserem Ziel, unsere Forschungsergebnisse in eine mögliche Behandlung für Menschen mit MS zu überführen, einen entscheidenden Schritt näher“, erklärt Claire Jacob.
Zunächst soll das Pflaster von einem spezialisierten Unternehmen so weiterentwickelt werden, dass es den hohen Qualitätsstandards für klinische Studien am Menschen entspricht. Anschließend ist eine erste Studie mit gesunden Freiwilligen an der Universitätsmedizin Mainz geplant. Dabei werden die Verträglichkeit und die Wirkstoffabgabe des Pflasters geprüft. Ob die Behandlung tatsächlich die Regeneration bei Menschen mit MS fördern kann, lässt sich daraus noch nicht ableiten.
Um das zu untersuchen, plant das Team eine weitere, größere Studie mit MS-Patienten. „Unser langfristiges Ziel ist eine Therapie, die nicht nur das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamt, sondern dem Nervensystem hilft, bereits entstandene Schäden zu reparieren“, so die Professorin. Für diese sogenannte Phase-II-Studie sucht das Team derzeit nach weiterer Finanzierung.