Zerstörte Arztpraxen: Droht nun die nächste Katastrophe?

In den Hochwassergebieten droht die nächste Krise: Weil viele Arztpraxen zerstört und die Hygienesituationen schlecht sind, kämpfen rheinland-pfälzische Organisationen um die medizinische Versorgung der Betroffenen.

Zerstörte Arztpraxen: Droht nun die nächste Katastrophe?

Die Aufräumarbeiten sind im vollen Gange, Sperrmüll säumt die Straßen in der Hochwasserregion. Die Menschen schaufeln Schlamm aus ihren Wohnungen. Die Flut hat Straßen, Brücken, Häuser zerstört. Auch Kläranlagen, wie die in Sinzig, sind momentan komplett außer Betrieb. Sie sollen nun „schnellstmöglich“ wieder aufgebaut werden, heißt es in einer Pressemitteilung des Umweltministeriums Rheinland-Pfalz. Das werde jedoch Monate, „wenn nicht sogar Jahre dauern“.

Nun droht die nächste Katastrophe: Durch den hoch verseuchten Schlamm können sich Krankheiten ausbreiten, das Trinkwasser ist gefährdet. „Was nun ganz wichtig ist, sind Tetanusimpfungen“, so der Mainzer Notfallsanitäter Justin Weisang gegenüber Merkurist (wir berichteten). Denn wenn sich die Menschen verletzen, drohen gefährliche Entzündungen. „Man kann auch nicht einfach zum Arzt gehen, wenn man bei den Aufräumarbeiten umknickt“, so Weisang.

30 Arztpraxen komplett zerstört

30 Arztpraxen sind (Stand: 22.Juli) funktionsunfähig, teilt die Kassenärztliche Vereinigung Rheinland-Pfalz (KV) auf Merkurist-Anfrage mit. Viele weitere Praxen seien erheblich beeinträchtigt, da Wasserver- und -entsorgung, Strom, Telefon und Internet nicht oder nur eingeschränkt funktionieren. „Wir versuchen, möglichst viele Praxen in und rund um die Katastrophengebiete von Rheinland-Pfalz zu erreichen, um deren Funktionsfähigkeit, Schäden und Vakanzen für die Aufnahmen von Patientinnen und Patienten zu ermitteln“, so Christopher Schuller von der Stabsstelle Kommunikation. Viele Praxen haben sich provisorisch eingerichtet. Nun gelte es, schnell neue Standorte für die Ärzte vor Ort zu finden. Bis dahin sind mobile Teams von Hilfsorganisationen, wie das Deutsche Rote Kreuz, unterwegs.

Auch der Mainzer Notfallmediziner Dr. Gerhard Trabert war mit seinem Team und dem Arztmobil vor Ort, um verletzten und erkrankten Menschen zu helfen, und um notwendige Medikamente zu verteilen, die Menschen im Hochwasser verloren haben und die „nicht wissen, wie sie diese im Chaos der Zerstörung schnellstmöglich wieder erhalten können“, berichtet er auf seiner Facebookseite. „Wir verteilen Asthmasprays und Bluthochdrucktabletten, versorgen Wunden, und hören die Atemgeräusche von Kindern ab, da die Eltern Angst haben, dass ihr Kind eine Lungenentzündung haben könnte.“

Das wichtigste sei aber dass Zuhören, „vor Ort bei den Menschen zu sein, die Solidarität und Fürsorge für das Erlittene, authentisch zu vermitteln, und immer wieder zuzuhören.“ Diese psychische Belastung werde oft unterschätzt, sagte Trabert auch kürzlich gegenüber dem ZDF. „Diese Form von Kontrollverlust für das eigene Leben ist so verunsichernd - da braucht es Unterstützung, um etwas gegen eine chronische Traumatisierung zu tun.“

Was jetzt helfe, um die ärztliche Versorgung wieder aufzubauen, seien Spenden, sagt Ines Engelmohr, Pressesprecherin der Landesärztekammer Rheinland-Pfalz (LAEK). „Ärztinnen und Ärzte, aber auch Krankenhäuser mussten sich aus der Versorgung abmelden, weil ihre Praxen durch die Wassermassen zerstört sind“, so LAEK-Präsident Dr. Günther Matheis. „Jede Geldspende ist eine wichtige Unterstützung, um die ärztliche Versorgung in den betroffenen Regionen wieder zum Laufen zu bringen.“ Die Spendengelder sollen dann unbürokratisch und „eins zu eins“ an die betroffenen Ärzte weitergegeben werden.

Wer die betroffenen Ärzte vor Ort unterstützen möchte, kann auf folgendes Konto spenden:

Landesärztekammer, Mainzer Volksbank, IBAN: DE74 5519 0000 0654 2750 31, BIC: MVBMDE55, Stichwort: Hochwasser

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