Mainzer Jung-Produzenten drehen Sci-Fi-Kurzfilm

Eine Kritik an unserer Realität - das soll der Kurzfilm „alive INSIDE“ sein, den drei Mainzer Jung-Produzenten gerade produzieren. Die Dreharbeiten fanden wegen der Corona-Krise unter besonderen Bedingungen statt.

Mainzer Jung-Produzenten drehen Sci-Fi-Kurzfilm

Die Corona-Krise hat lange auch Dreharbeiten in der Filmbranche lahmgelegt. Mittlerweile ist das Drehen aber wieder möglich - wie das geht, das zeigen drei junge Produzenten aus Mainz. Sie produzieren gerade ihren ersten Sci-Fi-Kurzfilm. Für ihre Dreharbeiten haben die Studenten die Aula der Hochschule Mainz zu ihrem Set umgebaut.

Zwei Wochen Aufbau

Bevor die Dreharbeiten für „alive INSIDE“ starten konnten, musste aber erstmal einiges organisiert werden: Das Set wurde aufgebaut, erste Abläufe getestet. Und dabei sollen immer die Vorgaben für die Dreharbeiten während der Corona-Krise eingehalten werden. Hierfür hat die Produktionsleitung ein dreiseitiges Konzept erarbeitet. „Wir mussten eine Drehgenehmigung einholen und dabei auch unser Konzept einreichen. Wir müssen am Set Masken tragen, den Mindestabstand einhalten“, erzählt die Produktionsleitung. „Aber das hat auch alles super gut funktioniert, das Team hat da super mitgespielt.“

Von der Corona-Krise wollten sich die Produzenten nicht unterkriegen lassen: „Irgendwie groovt man sich ein, die Masken sind quasi normal geworden. Wir wollen Filme machen und wir wollen weiterhin Kultur machen und da lassen wir uns von Corona nicht unterkriegen. Der Nachwuchs bleibt und zieht nach und wir als Nachwuchs in Mainz wollen natürlich noch was reißen“, sagt Niclas Braun, Produzent des Kurzfilms.

Die ursprüngliche Idee zu dem Kurzfilm-Projekt kam von Samir Meslem (Drehbuch, Schnitt) und Niklas Heuer-Jungemann (Drehbuch, Regie): „Die Idee kam, weil wir beide gesagt haben, wir wollen nochmal Sci-Fi machen. Dann wurde das Projekt über die drei Jahre Entwicklungsphase so groß, dass wir gesagt haben, wir müssten das eigentlich als unseren Abschluss machen. Und das war auch die richtige Entscheidung.“ Während des Schreibprozesses haben die beiden Studenten dann festgestellt, „dass die Story viel Potenzial hat was Menschlichkeit und Menschwerdung anbelangt“. Samir erklärt die Story so: „Unsere Figuren werden erst zum Mensch. In all der Abstraktheit ist es ein Statement und man kann Dinge erkennen, so dass es auch ein Kommentar sein könnte.“

Hinterfragen des alltäglichen Lebens

Doch die Zuschauer erwartet nicht nur ein Kommentar: „Es hinterfragt auch eine Welt. Wir bilden ja eine Science-Fiction-Situation, etwas Dystopisches ab. Zum Teil vielleicht auch Gruseliges und Ekelerregendes und wollen aber damit eine gewisse Kritik an unserer Realität üben. Das war so auch die Kernidee bei dem Buch, dass es den Daily-Life-Trott hinterfragt“, erklärt Niclas. „Es ist der Gedanke dabei zu hinterfragen, wie weit kann ich dabei gehen und wie weit kann ich meine Mitmenschen in diese Revolte miteinbeziehen. Und auch die Frage: Was bedeutet Freiheit?“

Der Experimentalfilm erforsche das gegenwärtige Phänomen der Betäubung und gehe der Frage nach, was Menschlichkeit ausmacht. „Angelehnt an den klassischen Science-Fiction-Film reflektiert ‘alive INSIDE’ alternative Handlungsoptionen und regt den Zuschauer dazu an, sein Alltagskonzept zu hinterfragen“, so die drei Produzenten.

Jungproduzenten aus Mainz

Der Kurzfilm soll für die drei allerdings erstmal der Anfang sein: „Ziel ist es weiterhin, auch kommerzielle Dinge zu machen, aber in erster Linie ist unser Herz hier bei dem Science-Fiction-Genre Film.“ Wir haben dafür auch eine Förderung von der Mediennachwuchsförderung Rheinland-Pfalz und auch von der Stadt Mainz bekommen, die haben uns groß unterstützt - denn ganz ohne Geld geht es dann doch nicht.“ Aber auch die drei Produzenten haben in das Projekt investiert: „Wir haben natürlich auch selbst reingesteckt und versuchen uns als junge Produzenten durch Jobs am Markt zu halten und uns in der Kultur etablieren zu können. Das wäre der Traum“, sagt Niclas. „Wir versuchen uns mit unserem Herzblut und der Leidenschaft zu präsentieren und eine gute Reputation zu bekommen.“

Besondere Drehbedingungen

Insgesamt eine Woche hat das Team in der Aula der Hochschule gedreht. Bis dahin waren an dem Projekt schon 70 Teammitglieder beteiligt - darunter auch die Schauspieler, die unter besonderen Bedingungen spielen mussten. „Mir war klar, dass das gut organisiert ist, als sie das Konzept geschickt haben. Ich muss aber trotzdem sagen, dass ich ein bisschen überrascht war, wie groß das ganze ist und das so viele Leute involviert sind“, erzählt einer der am Projekt beteiligten Schauspieler. „Die Stimmung ist großartig, auch zwischen den Schauspielkollegen. Jeder ist motiviert und jeder will was und jeder ist darauf aus, dass das Produkt was wir gerade machen ein gutes Endprodukt wird. Da sind wir alle zuversichtlich.“

Unter Corona-Bedingungen war der Dreh am Anfang allerdings eine Umstellung: Bevor es los ging, mussten die Schauspieler einen Corona-Test machen. „Es ist aber schon gewöhnungsbedürftig, wenn man vom Regisseur Anweisungen bekommt, aber immer nur die Stimme hört und die Augen sieht. Da geht in der Kommunikation einiges verloren. Da muss man sich erstmal dran gewöhnen, dann geht es aber auch.“

Für die kommenden Monate haben sie große Pläne. „Wir wollen als junge Produzenten natürlich auf Kurzfilm-Festivals laufen, um global unsere Geschichten zu erzählen“, sagt Niclas. Der Kurzfilm geht als nächstes in die Postproduktion. Das braucht viel Zeit, da hier noch einiges getan werden muss. „Als Ziel haben wir die Festival-Saison 2021/22 geplant. Aber hier müssen wir noch schauen, ob diese wegen der Corona-Krise stattfinden.“ Ihren Kurzfilm wollen die drei Anfang des nächsten Jahres fertigstellen. (df)

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