Familie sucht verzweifelt nach Wohnung

Weil ihre Wohnung nach Löscharbeiten massive Schäden davon getragen hat, steht eine Marienborner Familie nun ohne Dach über dem Kopf da. Nun hofft die Familie auf Hilfe.

Familie sucht verzweifelt nach Wohnung

Anfang September wütete ein verheerender Hochhausbrand am Sonnigen Hang in Marienborn. In der Wohnung eines 64-Jährigen war ein Feuer ausgebrochen, der Mann starb, die Feuerwehr musste mit einem Großaufgebot anrücken (wir berichteten). Die anderen Bewohner des Hauses konnten sich retten.

Einer dieser Bewohner ist Kevin M. Er lebte zusammen mit seiner Freundin und dem gemeinsamen Kind (1) in der Wohnung direkt unter der Brandwohnung. An den Tag des Brandes kann er sich noch gut erinnern. „Ich habe viele Sirenen gehört, mir dabei aber zunächst nichts gedacht“, sagt er. Als Kevin aus dem Fenster nach unten guckte, sah er von seiner Wohnung im 12. Stock aus einen Polizisten. „Er rief hoch, dass es brennen würde und wir sofort das Haus verlassen sollen.“ Mit Kind und Freundin floh er durch das Treppenhaus. „Unterwegs haben wir noch versucht, die Nachbarn auf den Brand aufmerksam zu machen“, erinnert er sich zurück. Seit rund einem Monat lebt Kevin bei seiner Schwester.

Massive Schäden in der Wohnung

Denn nach dem Brand folgte der nächste Schock: Die Löscharbeiten verursachten überall in der Wohnung Wasserschäden, im Inneren stinkt es noch immer stark nach Ruß, viele Möbel in der Wohnung sind zerstört. Jetzt ist die kleine Familie praktisch obdachlos. Ein Hotel kann sich Kevin nicht leisten und die Sanierungsarbeiten in der Marienborner Wohnung haben noch immer nicht begonnen. „Der Vermieter sagt, die Wände müssen zunächst noch trocknen. Wie ich vom Hausmeister erfahren habe, werden die Arbeiten insgesamt wohl mindestens drei Monate dauern.“

Zusammen mit seiner Freundin hatte sich Kevin bei der Mainzer Wohnbau gemeldet. Die beiden suchten nach einer Übergangswohnung für sich und das Kind. „Nach derzeitigem Stand ist keine Wohnung für uns verfügbar. Wir hatten eine Besichtigung in Hechtsheim, hier wurde uns aber einen Tag später abgesagt“, so Kevin. „Das eine kleine Familie in Not keine Wohnung findet, ist ziemlich bitter. Wir haben keine großen Ansprüche.“

Was die Wohnbau sagt

Wohnbausprecherin Claudia Giese sagt gegenüber Merkurist: „Wir als Wohnbau können nur bedingt weiterhelfen.“ Prinzipiell hätten sich derzeit rund 5000 Menschen über das Onlineportal auf Wohnungen der Wohnbau beworben. Pro Jahr könne die Wohnbau aber nur knapp 800 Wohnungen neu vergeben. „Es gibt leider sehr viele Menschen, die sich in schwierigen Situationen befinden und auf eine Wohnung warten.“ Der Wohnbau stehe ein begrenztes Kontingent an Wohnungen zur Verfügung, die in Notfällen spontan vergeben werden könnten, doch auch diese seien stark nachgefragt.

Sollte ein aktives Gesuch vorliegen und eine passende Wohnung zur Verfügung stehen, würde sich die Wohnbau bei Bewerbern melden, so Giese. In Kevins Fall sei allerdings zunächst einmal der Vermieter gefragt. Doch der stellt sich laut Kevin quer, verlange weiterhin die volle Miete und beteilige sich nicht an Verpflegungskosten. Daher wollen sich Kevin und seine Freundin nun an die Stadt Mainz wenden. „Wir möchten uns jetzt an Oberbürgermeister Ebling wenden und hoffen, dass er uns helfen kann.“ (rk)

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